Masse für die eigene Kasse
Ein Insolvenzverwalter gewährt Einblick in die Arbeit der schwarzen Schafe unter seinen Kollegen.
Der Mann, der verständlicherweise anonym bleiben möchte, beklagt vor allem
den Mangel an betriebswirtschaftlichem Sachverstand der Juristen. Zum Teil
könnten seine Kollegen "weder eine Bilanz noch eine betriebswirtschaftliche
Auswertung lesen".
Tatsache ist: Das umfassende Know-how der Betriebsführung ist innerhalb
eines Insolvenzverfahrens dringend notwendig. Im Gegensatz zur alten
Konkursordnung sieht die Insolvenzordnung die Möglichkeit vor, bereits bei
drohender Zahlungsunfähigkeit das Insolvenzverfahren zu eröffnen. Die Gründe liegen auf der Hand, denn durch die rechtzeitige Neustrukturierung eines Unternehmens bleiben Arbeitsplätze erhalten. Außerdem können die
Gläubigerinteressen berücksichtigt werden.
Soviel zur Theorie.
Die Praxis scheint anders auszusehen. "Unser Handwerksunternehmen wurde
durch mehrere Insolvenzen von Kunden und Mietern arg in Mitleidenschaft
gezogen. Wir hegen den Verdacht, dass sich die Insolvenzverwalter zunächst
einmal selbst bedienen und die Gläubiger mit einer lächerlichen Quote
abgespeist werden", schreibt Hans-Peter Curdt, Chef der "Curdt Bauelemente"
in Göttingen. Die treuhänderische Verwaltung der verbleibenden
Insolvenzmasse lässt nach seiner Erfahrung "sehr zu wünschen übrig".
Der anonyme Insolvenzverwalter kennt den Grund für diesen Missstand. Er und
seine Kollegen müssten zum Partner des insolventen Unternehmens werden, man
dürfe sich nicht scheuen, mit der Geschäftsleitung, der Belegschaft, dem
Betriebsrat, den Banken und den Gläubigern zu sprechen und zu verhandeln."
Doch damit sei eine Menge vergleichsweise schlecht bezahlter Arbeit
verbunden. "Schlicht die Interessenlosigkeit eines Insolvenzverwalters" sei
schuld daran, dass sich Verfahren jahrelang dahinschleppen würden.
Hans-Peter Curdt: "Das Thema Insolvenzverwalter und
Insolvenzrecht ist Dynamit für jeden, der damit einmal zu tun hatte. Die
Schuldner werden geschützt, die Insolvenzverwalter kassieren ab und die
Gläubiger werden für dumm verkauft."