Sie brauchen eine neue Limousine? Dann seien Sie vorsichtig! Denn das Chefauto entscheidet mit über Ihren Erfolg beim Kunden.
von Torsten Hamacher
Das dumpfe Grollen des Zehnzylinders lässt schon im Stand erahnen, wozu die brummelnde Bestie unter der Motorhaube jederzeit in der Lage wäre. Das dicke, angenehm beheizte Lenkrad liegt gut in der Hand. Tacho, Drehzahlmesser, Bordinstrumente, Navigationsgerät – alles ist in feinstes Leder gehüllt. Zusammen mit gebürstetem Aluminium ergibt sich ein sportlich, stilvolles Ambiente, das die äußere Form elegant in den Innenraum trägt. Mit solch einem automobilen Traum macht der Weg zum Kunden noch einmal so viel Spaß. Doch welchen Eindruck hinterlässt man damit?
„Gönnen Sie sich etwas, ohne es dem Kunden zu zeigen.“ Auf diese einfache Faustformel bringt Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer die Antwort auf die Frage nach dem „idealen Chefauto“ in mittelständischen Betrieben. Auf alle Fälle sollte es sich um ein Fahrzeug handeln, das beim Kunden nicht übermäßig auffällt – weder im positiven noch negativen Sinn, rät Dudenhöffer. Der Geschäftsführer des Prognose-Instituts B&D-Forecast und Leiter des Centers of Automotive Research an der Fachhochschule Gelsenkirchen gilt als einer „der“ Experten, wenn es um Automobile geht. Dudenhöffer empfiehlt Fahrzeuge, die ihren Wert und ihre Leistung, nicht plakativ zur Schau tragen. „Sonst denkt der Kunde, dass Sie zu hohe Preise für Ihre Leistung verlangen. Das Äußere sollte so schlicht wie möglich sein.“
Allerdings muss der automobile Untersatz für den erfolgreichen Mittelständler auch etwas hermachen. „Fahren Sie mit der letzten Gurke zum Kunden, fragt der sich insgeheim, wie lange es Ihrem Unternehmen wohl noch gut geht“, sagt Dudenhöffer. Eine alte Rostlaube werfe die Frage auf, ob es sich überhaupt lohnt, mit dem Fahrer Geschäfte zu machen. Auch Fahrzeuge wie der Mini oder der Smart, die weitgehend aus den herkömmlichen Bewertungsmaßstäben herausfallen, seien eher nichts für den Chef. „Beides sind Fahrzeuge für die Unternehmerfrau oder vielleicht noch den Juniorchef.“
Und was sollten sich Chefs kaufen? 5er BMW, Mercedes E-Klasse und gern auch mal ein SUV, also ein so genanntes Sports Utility Vehicle, sagt Dudenhöffer. Dabei gebe es ein klares Nord-Süd-Gefälle: Im Schwäbischen gehe es nicht ohne den „Benz“. Der gehöre zu einem erfolgreichen Unternehmer ganz einfach dazu. Wer es etwas sportlicher mag, sei bei den größeren Modellen von Alfa Romeo gut aufgehoben, sagt Dudenhöffer. „Die sind nah dran an BMW.“ Gleichzeitig tragen die Modelle aus Mailand keine Angeberei zur Schau, sondern stehen für sachliche Sportlichkeit. Auch der A6 von Audi kommt gut an. Gerade als Kombi sei der allerdings eher bei Vertretern und Handlungsreisenden beliebt.
Wer sich wirklich etwas gönnen wolle, sollte sich bei den Werkstunern umschauen, rät der Experte. Ob AMG, die S-Linien beim Audi oder die leistungsgesteigerten M-Versionen aus München – hier kommen Autofans auf ihre Kosten, ohne beim Kunden negativ aufzufallen.
Von exotischeren Marken wie Jaguar und Lancia rät der „Autopapst“ ab. Der Katze aus England hafte nach wie vor das „Landlordsyndrom“ an und Lancia sei ganz einfach zu exotisch. Auch Oldtimer seien problematisch: „Schließlich wollen Sie beim Kunden als ein Unternehmer ankommen, der mitten im Leben steht, und nicht wie ein Träumer.“ Gleiches gelte auch für ausgewachsene Sportwagen. Ferrari? „Das geht höchstens in der Werbebranche“, findet Dudenhöffer. Auch Porsche sei nur bedingt geeignet. „Wenn, dann schon der Cayenne. Der 911er steht doch eher für Freizeit und Vergnügen.“