Lohnsklaven am Bau
Dass es Bauunternehmer gibt, die den vorgeschriebenen Mindestlohn nicht zahlen, ist nichts Neues. Doch welches Ausmaß die Lohnsklaverei angenommen hat, das überrascht.
Bald jede Stichprobe ein Treffer, anders ist die Zahl kaum zu erklären: 1708 Verfahren haben die Schwarzarbeitsfahnder des Zolls in den zurückliegenden neun Monaten wegen Lohndumping in die Wege geleitet. Das geht aus Recherchen des ARD-Magazins "Bericht aus Berlin" hervor.
Oft speisen Unternehmen ihre Arbeiter mit regelrechten Hungerlöhnen ab. Und das auf prominenten Baustellen. Beispiel BMW-Welt: 2,89 Euro galt dort unter schwarzen Schafen als Spitzensatz, wie der Zoll berichtet. Bei der neuen Messe in Stuttgart war bei vier Euro das Ende der Fahnenstange erreicht.
Die gesetzlichen Vorgaben sehen ganz anders aus. Im Westen müssen Unternehmen ihren Arbeitern mindestens 12,50 Euro zahlen. Im Osten sind es 9,80 Euro. Darauf haben sich die Bauarbeitgeber und die IG Bau geeinigt. Die Gewerkschafter fordern laut ARD jetzt vehement "mehr Kontrollen und schärfere Strafen". IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel will unbedingt, dass die Bußgelder nach oben geschraubt werden.
Politker winken ab. "Ich bin dafür, dass wir das Schwert, das wir haben, auch benutzen, ehe wir über weiterreichende Maßnahmen nachdenken", sagte Finanzminister Peer Steinbrück gegenüber dem Fernsehen. Was er aber für zwingend notwendig hält: mehr Selbstverpflichtungen von Arbeitgebern.
(mfi)