20.08.2013
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Reportage: Der Horror der Normalität

Wohnungsgesellschaften, die knapp kalkulieren, Generalunternehmer, die noch knapper kalkulieren, Subunternehmer, die menschenverachtend kalkulieren: Das letzte Glied in der Auftragskette am Bau sind oft Billiglöhner aus Osteuropa. Warum klappt das – so einfach?

von Manfred Fischer

Ein Bauunternehmer und seine Faustformel
Ein Bauunternehmer und seine Faustformel - Sven Warner sagt: "Wer schnell ist, verdient Geld, wer langsam ist, verdient kein Geld."
Sven Warner sagt: "Wer schnell ist, verdient Geld, wer langsam ist, verdient kein Geld."
Foto: Siefken

Salzgitter, Hasenwinkel 11, drittes Obergeschoss. Die Wohnung auf der rechten Seite ist frisch saniert. Für 645 Euro. Laut Rechnung. Für 645 Euro sind die alten Tapeten entfernt, die Wände gespachtelt und gestrichen worden, insgesamt 160 Quadratmeter. Außerdem im Preis inbegriffen: 55 Quadratmeter Laminat verlegen, zwei Fenster lackieren, Kleinarbeiten. Säuberlich dröselt der Subunternehmer den Arbeitsaufwand in seiner Rechnung auf. So wie auch in den anderen Rechnungen. Dutzende Wohnungen hat er in Salzgitter saniert – zu ähnlich kalkulierten Preisen. Sein Auftraggeber spricht von marktüblichen Preisen.

"Wohnungsgesellschaften zahlen nicht viel Geld – alle, durch die Bank", sagt Sven Warner. "Da bleibt auch für uns nicht viel übrig." Warner ist Inhaber einer Baufirma in Herne, spezialisiert auf Wohnraumsanierung und Gebäudemanagement. In Salzgitter fungiert er als Generalunternehmer für einen bundesweit tätigen Immobilienkonzern. Die Aufträge dort kalkuliere er anhand einer Festpreisliste, die die Wohnungsgesellschaft des Konzerns vorgebe, sagt er. Warner nagelt seine Subunternehmer auch auf Preise fest. Sie sollen auf der Basis seiner Festpreise ihre "Handwerker ordentlich bezahlen können". Was heißt ordentlich? "Ich sag' mal so: Wer schnell ist, verdient Geld, wer langsam ist, verdient kein Geld", lautet seine Faustformel.

Marktübliche Preise, ordentliche Löhne. Am Bau ist das sehr oft gleichbedeutend mit billig. Und aus billig wird immer wieder brutal billig. Ausbeutung am Ende der Auftragskette ist Normalität in Deutschland. Die Gewerkschaft IG Bau schätzt, dass in der Baubranche 300.000 Menschen – ein Drittel aller Beschäftigten – als Billiglöhner schuften. Vor allem Menschen wie jene, die in den Wohnungen in Salzgitter gearbeitet haben. So genannte Arbeitsmigranten.

Warum funktioniert Ausbeutung in dem Ausmaß? Wo bleibt das Recht? Eine Erklärung erhält man in Köln.

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6 Kommentare zu "Reportage: Der Horror der Normalität "

  1. monica - 10.11.2016, 18:15 Uhr (Kommentar melden) Antworten

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  3. Dany - 25.08.2016, 20:14 Uhr (Kommentar melden) Antworten

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  4. Waldemar Merker - 21.08.2013, 14:46 Uhr (Kommentar melden) Antworten

    Ich arbeite seit über eineinhalb Jahren für die TAG/meineSzitty. Bisher klappt das gut ich bin zufrieden. Ich habe meine Preise. Für die Arbeitsstunde kalkuliere ich 35 bis 37 Euro. Damit komme ich hin. Wer arbeitet, muss auch seinen Lohn bekommen.
    Waldemar Merker, Fliesenlegermeister

  5. Michael Kellner - 21.08.2013, 14:26 Uhr (Kommentar melden) Antworten

    Ihr Newsletter zeigt, daß das Lohndumping am Bau noch lange nicht trotz aller Kontrollen vorbei ist. Auch meine Beobachtung ist, daß die Nutznießer gerne wegschauen bzw. die billigste Lösung für eine gewisse Klientel immer die Beste ist, insbesondere bei den sog. Besserverdienenden. Die Wertschätzung für eine Arbeit zum fairen Preis und gute Arbeitsbedingungen ist nach meiner Erfahrung gerade bei der Kundschaft, die sonst jeden Cent umdrehen muß, um ihre Immobilie instandzuhalten, am höchsten.
    Michael Kellner Hannover