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29.08.2003
HANDWERK
AKTUELL
Psychologie des Überredens
„Wir haben nie etwas anderes behauptet. Architekten und Bauherren schicken uns ihre Auftragsnachfragen, die von Handwerksbetrieben in allen Teilen Deutschlands erledigt werden müssen. Das ist eine reine Dienstleistung, eine Informationsveredelung“, nimmt Harald Kreis, bei Locat für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, zu den Vorwürfen Stellung. Es sei für einen Architekten ungemein schwierig zu recherchieren, welcher Betrieb in einer bestimmten Region für ein bestimmtes Vorhaben geeignet ist: „Wir selektieren und prüfen das gezielt im Vorfeld – und ersparen damit allen Beteiligten eine Menge Ärger.“

Der ehemalige Locat-Akquisiteur A. C. (Name ist der Redaktion bekannt) hat sich jetzt gegenüber der Handwerkskammer Hannover offenbart. Weil er arbeitslos war, hatte er sich „aus lauter Verzweiflung“ bei Locat in der „Psychologie des Überredens“ schulen lassen. Als C. merkte, worauf er sich einließ, ist er sofort wieder ausgestiegen: „Ich hatte das Gefühl, ich könnte mich irgendwann vor Gericht wiederfinden.“ Die Bewerbungsunterlagen, die Locat an die Handwerker weitergebe, seien absichtlich kompliziert gestaltet und enthielten unsinnige Fragen: „Es ist für die Betriebe fast unmöglich, das korrekt auszufüllen. Das zieht dann eine längere Korrespondenz nach sich – und die vermeintlichen Aufträge sind weg.“ Die Schuld daran werde dann den Handwerkern gegeben.

„Neben den Honoraren verdienen wir auch prozentual, wenn ein Auftraggeber die Betriebe bezahlt. Deshalb liegt es in unserem ureigensten Interesse, dass alle Beteiligten – Bauherren, Architekten, Handwerker – mit unserer Dienstleistung zufrieden sind“, erwidert Kreis. Dem entgegen bezweifelt C., dass Unternehmen wie Locat tatsächlich über sehr viele Auftragsnachfragen verfügen können: „Da sitzen zwar Schüler und Studenten, die Anfragen an Architekten schicken. Ich schätze aber, das ist nur eine Absicherung, falls jemand das Unternehmen verklagen will.“ Was C. auf die Palme bringt: „Die 2800 Euro gelten nur für normale Opfer. Besonders leichtgläubigen Handwerkern sollte ich 3300 Euro abknöpfen.“


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