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21.03.2007
HANDWERK
AKTUELL
Der Hingucker
hingucker
Ein Baugutachter muss zahlreiche Fragen klären – und dabei geht es nicht immer nur um technische Details.

von Heiner Siefken

Ortstermin in Hannovers Oststadt. Der Flur im Erdgeschoss eines Wohn- und Bürokomplexes dient als Konferenzzimmer. Eine Anwältin, ein Anwalt und der Baugutachter Rainer Lorenz orientieren sich in den Bauplänen des Gebäudes. Die strittigen neun Mängel, die nach Ansicht der Eigentümergemeinschaft behoben werden sollen, verteilen sich über vier Stockwerke und die Tiefgarage. „Sorry“, sagt die Anwältin, „aber der Bauleiter wird nicht dabei sein.“

Offensichtlich schmeckt Lorenz diese Information nicht, aber er versteckt einen Anflug von Stirnrunzeln hinter einem mimischen Vorhang aus guter Laune. Im Hintergrund spricht der Anwalt energisch auf die Mobilbox einer Mieterin: „Bei Ihnen öffnet niemand. Ich bitte dringend um Rückruf.“ Der Gutachter wartet lächelnd, bis der Anwalt sein Handy verstaut hat. Dann schlägt er vor, dass „wir uns von oben nach unten durcharbeiten – sonst wird das ein irres Gerenne“. Jetzt lächeln auch die Anwälte. Die Besichtigung kann beginnen.

Ein Gutachter muss eine Situation schaffen, in der die Parteien „locker miteinander umgehen können“, sagt Lorenz später in seinem Büro. „Je verbissener ich mich gebe, um so eher vergifte ich die Atmosphäre.“

Dass er diesen Teil seiner Aufgabe im aktuellen Fall erledigt hat, zeigt sich im dritten Stockwerk. Dort soll eine Anschlussfuge über dem Fahrstuhl vergilbt sein. „Für mein Auge ist das kaum sichtbar“, meint die Anwältin und sieht ihren Kollegen skeptisch an. Der erwidert ihren skeptischen Blick und sagt: „Bedenken Sie das Licht, wenn es hier heller wäre, sähe das ganz anders aus.“ Lorenz beendet den Disput mit einer freundlich vorgetragenen, aber eindeutigen Feststellung: „Nein, das ist eine Bagatelle.“ Die Anwälte sehen ein, dass jede weitere Diskussion überflüssig ist und folgen Lorenz in das zweite Stockwerk.



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