Diese Schatzkammern stehen sperrangelweit offen: Auf Deutschlands Baustellen ist die Welt zu Gast bei (häufig leichtfertigen) Freunden. Die Kripo spricht von "festen Lieferschienen bis nach Asien".
Von Manfred Fischer
Sie wissen genau, was wertvoll ist. Und sie holen es sich mit brachialer Gewalt. „Diebe haben alle Stromleitungen zwischen Verteilerkästen und Maschinen auf unserer Baustelle in Braunschweig herausgeschnitten“, schildert Wolfgang Bade. Schlimmer noch: Die Steuerkabel am Kran wurden „gekappt“. Eine Woche konnten der Bauleiter der Konrad Leymann GmbH und seine Männer nicht weiterarbeiten. So lange dauerte es, bis neue „Spezialkabel“ für den Stahlriesen besorgt waren. Schaden für das Unternehmen aus dem niedersächsischen Sulingen: „10 000 Euro.“ Alltag auf Deutschlands Baustellen.
Buntmetalle ziehen Diebe an wie seit Jahrzehnten nicht. Das Kilogramm Kupfer bringt ihnen vier Euro und mehr. Und so wie sie vorgehen, haben sie einige hundert Kilogramm schnell beisammen. „Neubauten, Altbauten, Lagerhallen, Schuppen – überall wird geklaut“, berichtet der Braunschweiger Polizeisprecher Wolfgang Klages. Nicht nur freiliegendes Material wie Kabelrollen oder Bleche verschwinde von Baustellen. Elektrische Leitungen würden auch aus dem Putz gezerrt, Wasser- und Heizungsrohre aus der Wand gestemmt.
Fragt sich: Wer macht das Geschäft? Steckt eine Metall-Mafia dahinter? „In den meisten Fällen handelt es sich um ortsansässige Täter“, sagt der niedersächsische LKA-Sprecher Frank Federau. Sie entwendeten kleinere Mengen Buntmetalle. Ihre Beute verkauften sie entweder selber oder über Dritte auf dem Schrottplatz. Dort sei es schwierig, Diebesgut „zweifelsfrei“ abzugrenzen und zuzuordnen.