Können amtliche Statistiken überhaupt aussagekräftig sein? Die Abscheu, mit der Unternehmer auf die Meldebögen reagieren, hat Zweifel an der Qualität der Zahlen entfacht.
Formulare eines Meinungsforschungsinstitut. Amtliche Meldebögen. Blitzstatistik einer Unternehmensberatung. In der Masse der Umfragewünsche, die im Wochentakt in der Geschäftspost landen, verlieren Chefs nicht selten die Übersicht. Ist die Umfrage jetzt verbindlich? Oder kann ich die Bögen gleich in den Papierkorb schmeißen?
Doch selbst wenn die wichtigen Umfragen herausgefiltert worden sind: Begeistert ist kein Betriebsinhaber, der sich an einer Statistik beteiligen soll. Wer mit Unternehmern spricht, bekommt so seine Zweifel an der Qualität des Zahlenmaterials. „Viele Betriebe kopieren einfach die Daten vom vergangenen Jahr – ist ja viel einfacher“, sagt Christiane Reinig, Unternehmerfrau in Eberbach (Baden-Württemberg). Eine andere beliebte Methode: Den Praktikanten die Zahlen schätzen lassen.
Wie berichtet beobachten die Interessenvertreter des Handwerks die Statistik-Müdigkeit der Betriebe mit Sorge. Schließlich sind sie sind auf Zahlen angewiesen, mit denen sie auf der politischen Bühne Gesetze beeinflussen können. Wie lässt sich also die Akzeptanz der Unternehmer erhöhen?
"Diejenigen, die sich aktiv an einer Umfrage beteiligen, sollten online eine vernünftige Auswertung der Statistik bekommen“, fordert Frank Ahlborn von der Handwerkskammer Lüneburg-Stade. Ein Unternehmer müsse nachvollziehen können, dass seine Anstrengung nicht ergebnislos verpufft. Kurz: Er muss sehen, dass mit den Daten gearbeitet wird.
Dass „kein Mensch weiß, wofür diese Statistiken gebraucht werden“, bestätigt Heidemarie Werner. Die Parkett- und Bodenbelagsspezialistin in Wesslingen (Nordrhein-Westfalen) geht davon aus, dass mindestens die Hälfte der Angaben nicht exakt errechnet, sondern geraten oder sogar gelogen“ sind.
Als sie kürzlich beim Statistischen Landesamt anrief, weil sie bestimmte Zahlen nicht sofort parat hatte, bekam sie folgende Antwort zu hören: "Schätzen Sie doch einfach!“ Und das, sagt Werner, habe sie schon „stutzig gemacht“.
Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Schreiben Sie der Redaktion! Weitere Leserstimmen finden Sie hier.
Informationen zum Thema:
(sfk)