"Ich nehme mir einen Strick"
Die Realität schreibt das Drehbuch: Kabel1-Mann Stefan Hagen will marode Betriebe vor dem Abgrund retten. Doch hilft Hagen tatsächlich?
Im Wohnzimmer der Bärmanns wird Tacheles geredet. TV-Unternehmensberater Stefan Hagen (Foto) hat die Verbindlichkeiten der Brandenburger Bäckerfamilie addiert und verkündet eine Zahl, die das Fernsehpublikum zusammenzucken lässt: „151800 Euro.“ Das Ergebnis schreibt er in extragroßen Ziffern auf eine Tafel. Hilmar Bärmann und seine Mutter Helga haben diesen Tiefschlag kaum weggesteckt, da reicht Hagen noch die Ursache für den Schuldenberg nach. Die Bäckerei setzt monatlich nur 1200 Euro um, gibt aber 1700 Euro aus. Der Bäckermeister starrt sinnentleert die Stubenwand an, seine Mutter flüstert: „Ich nehme mir einen Strick.“ Das Drama, das hier über die Mattscheiben der Nation flimmert, ist nicht inszeniert. Es spielt sich in in vielen Orten und vielen Betrieben in Deutschland ab. Jeden Tag.
Ein Glück für die Bärmanns: Die Sendung heißt „Hagen hilft“. Nüchtern analysiert der Kabel1-Mann den Zustand der Bäckerei, seine ersten Anmerkungen sind naheliegend. Da ist das Firmenauto, das den Blick auf die Bäckerei versperrt. Da sind die beschlagenen Schaufensterscheiben, die den Blick in die Bäckerei unmöglich machen. Im Geschäft zeigen die Kameras eine trostlose Atmosphäre. Leerer Laden, leere Auslagen, leere Kasse – reichlich Ansatzpunkte für Verbesserungen.