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12.08.2008
HANDWERK
AKTUELL
Tango korrupti in der Marzipan-Metropole?
Korruption-Dirk
Bürger und Betriebe in Lübeck wehren sich gegen eine Gewerbeansiedlung. Papiere, die ihnen zugespielt worden sind, weisen offenbar Merkwürdigkeiten auf.

Hat sich die Kommune verführen lassen? Nicht nur die Bürgerinitiative, die sich gegen das Bauvorhaben im Stadtbezirk Schönböcken stemmt, schöpft Verdacht. "Wir haben ein nichtöffentliches Dokument erhalten und Hinweise aus der Bevölkerung", sagt der Sprecher der Initiative, Bodo Olschewski. Das Material haben er und seine Mitstreiter "vom Antikorruptionsbeauftragten des Landes prüfen lassen". Ergebnis: "Der hat uns nahegelegt, die Staatsanwaltschaft einzuschalten."

Handwerker in der Klemme
Ob Politikern oder Beamten Entscheidungen möglicherweise finanziell versüßt worden sind, dazu will sich Olschweski nicht äußern. "Wir warten ab, was die Staatsanwälte feststellen." Fest steht für die Bürgerinitiative aber, dass die geplante Gewerbeansiedlung nicht in das Gebiet passe. Bis jetzt gebe es dort nur kleinere Gebäude, das längste sei 40 Meter lang. Laut Plan sollen neben anderen Bauten ein Hochregallager und ein Baumarkt aus dem Boden gestampft werden. Olschewski, der ein IT-Systemhaus betreibt, und die Chefs benachbarter Firmen – darunter mehrere Handwerker – befürchten negative Folgen für ihre Geschäfte.

Schlimm treffen würde es nach Einschätzung der Bürgerinitiative die Bewohner der nahe gelegenen Pflegeheime. Der Schallschutzplan sei kurios, heißt es. Zehn Brummis sollen künftig zwischen sechs und sieben Uhr morgens beladen werden. Der Lärmpegel sei sehr knapp kalkuliert in dem Plan, "völlig außer Acht gelassen" habe man den Lärm von Gabelstaplern. "Das ist doch menschenverachtend", schimpft Olschewski.

Dazu kommt der Baulärm. Seit vergangener Woche rollen die Bagger. "Wir können hier kaum noch arbeiten", klagen Unternehmer. Ein Antrag auf Baustopp sei eingereicht.

Eingeschaltet hat die Initiative auch die Kommunalaufsicht des Innenministeriums. Dabei geht es um den Preis für eine Teilfläche. Die Aufsicht sei gebeten worden zu prüfen, "ob es sich bei dem Verkauf von 7000 Quadratmetern Fläche zum Grünflächenpreis um eine versteckte kommunale Subvention handelt", sagt Olschewski. Der Stadtkasse entstünden "aufgrund des Verkaufs als Grünfläche Mindereinnahmen von bis zu 350.000 Euro". Andere Anlieger dagegen hätten nicht überbaubare Grünflächen zum regulären Preis erwerben müssen.

Wer benötigt so viel neuen Platz in Lübeck? "Ein großer Holzhändler will umsiedeln."

(mfi)


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