Vertrauensvoll in die Insolvenz: Zahlreiche Betriebe sind auf die Tricks einer Bauträgergesellschaft in Niedersachsen hereingefallen. Der schludrige Umgang mit notwendigen Nachtragsangeboten erwies sich als erstes Warnsignal.
„Bauen mit Vertrauen“ steht an der Tür des Bürogebäudes in Dörpen, einem kleinen Ort nahe der holländischen Grenze. Doch unter den Bauhandwerkern der Region sorgt das Motto der Bauträgergesellschaft E & M allenfalls für spöttische Kommentare. „Bislang habe ich 18 Betriebe gefunden, die vergeblich auf Geld von denen warten“, sagt der Bauunternehmer Herbert Kruse handwerk.com. Ihn habe es am Ärgsten erwischt. Außenstände von 105.000 Euro brachen seinem Betrieb das Genick und sorgten für acht neue Arbeitslose.
Wie konnte es so weit kommen? „Der E & M-Chef hat an sein eigenes Motto geglaubt, der Mann hatte ein extrem vertrauensseliges Auftreten“, erinnert sich Kruse. Er sei auf den klassischen Trick hereingefallen, denn die ersten Aufträge seien reibungslos über die Bühne gegangen.
Eines ist Kruse erst im Nachhinein so richtig klar geworden: Er hätte konsequenter darauf bestehen müssen, dass seine Nachtragsforderungen fixiert und erfüllt werden. „In den Leistungsverzeichnissen waren längst nicht die Massen enthalten, die wir letztlich auf der Baustelle verarbeiten mussten.“ Entsprechende schriftliche Nachtragsangebote seien von den E & M-Verantwortlichen nur mit dem Spruch „Quatsch, Herbert, das brauchen wir doch nicht“ quittiert worden.
Ein Statement der Bauträgergesellschaft zu den Vorwürfen ist nicht zu bekommen, das Unternehmen reagierte weder auf Anrufe des Norddeutschen Rundfunks noch auf Nachfragen der lokalen Tageszeitung. „E & M-Chef Eckhard Müller junior scheint wie vom Erdboden verschwunden. Das Büro ist verwaist“, berichtet der General-Anzeiger in Rhauderfehn. Und auch bei einer Demonstration der Gläubiger und ihrer Mitarbeiter, die „zusätzlich vor das Privathaus Müllers zog“, habe sich niemand gezeigt.
Die Gläubigergemeinschaft, die alle drei Wochen tagt, will ihre Forderungen jetzt mit Hilfe der Gerichte durchsetzen. Für Kruse und seine Mitarbeiter kommt dieser Schritt zu spät. „Auch die Rettungsversuche der Kreishandwerkerschaft für Ostfriesland sind fehlgeschlagen. Wir saßen schon zu tief in der Matsche.“
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