Kriminalkommissare, die eingestehen müssen, dass es „bei der Polizei schwarze Schafe gibt“. Pressemitteilungen, die davor warnen, dass Polizeiverlage Unternehmer „hinters Licht führen“. Was ist da bloß los?
von Heiner Siefken
Bevor er sein Geld investiert, überlegt Ralf Heyn ganz genau. Bei jedem Euro. Das gilt auch und vor allem für Werbemaßnahmen. Denn der Existenzgründer sieht zwar optimistisch in die Zukunft, muss seine Geschäfte aber erst noch auf solide Beine stellen. Als jetzt das Telefon in seinem Betrieb in Banteln (nahe Hildesheim) klingelte, geriet die Sparphilosophie des Elektrotechnikmeisters ins Schwanken: „Ich dachte, dass mich die örtliche Polizei anruft. Der Mann sprach von einer Zeitschrift, von wichtigen Informationen zum Thema Kindesmissbrauch. Und ob ich das nicht mit einer Anzeige unterstützen wolle. Das klang erst einmal seriös.“
Nachdem Heyn nähere Informationen angefordert hatte, flatterte ihm umgehend ein Anzeigenauftrag der „Schriftenreihe Sicherheit Heute“ ins Haus. Im Briefkopf, in großen Buchstaben: „Die Polizei, Garant ihrer Sicherheit.“ Daneben ein Polizeistern. In dem Anschreiben teilt die Hanseatische Verlagsholding (HVH) mit, dass für Heyn in einer der nächsten Sicherheit Heute-Ausgaben eine Anzeigenfläche von 90x90 mm reserviert sei, zum Preis von 298 Euro netto. „Die Auflage der Zeitschrift machte mich stutzig. Nur 1000 Exemplare“, erläutert Heyn. Er erhielt noch diverse Anrufe, hat aber nicht unterschrieben. Eine Frage ließ dem Unternehmer aber keine Ruhe: „Steckt wirklich die Polizei hinter Sicherheit Heute?“