Solarstrom-Handwerk steht im Regen
Der Gesetzgeber will die Förderung von Solarstrom stark senken. Kalt erwischen könnte es auch den Wärmemarkt.
Wird aus dem warmen Regen ein kalter Schauer? Elektrohandwerker bekommen schon jetzt eine Gänsehaut: Um bis zu 9,8 Prozent plant der Gesetzgeber die Förderung von Solarstrom 2009 zurückzuschrauben. Bisher dreht er den Geldhahn jährlich um fünf Prozent zu.
„Das gibt einen Knall“, sagt Jörg Tuguntke. Für Betriebe, die sich auf das „Standbein Solarstrom“ verlassen, sieht der Elektrotechnik-Spezialist aus Bremerhaven schwarz. Heikel werde es auch für all jene, die vor ein paar Jahren auf den Markt begeben haben "ohne den nötigen fachlichen Hintergrund“. Dass die Politik die Mittel so massiv kürzt, dafür hat der Unternehmer kein Verständnis: „Italien, Frankreich, Spanien – diese Länder haben tolle Programme. Wir werfen unseres weg“, kritisiert er.
Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) und der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) wollen der Bundesregierung einheizen. Eine zu abrupte Absenkung der Förderung gefährde den heimischen Markt für Solarstrom, warnt ZVEH-Vorstandsmitglied Wolfgang Schmitt. Tausende von Arbeitsplätzen könnten verloren gehen. Jeder dritte Elektrobetrieb beackere dieses Geschäftsfeld. Und das mit hoher Effizienz: 25 bis 30 Prozent der Gesamtkosten einer Photovoltaikanlage entfielen auf handwerkliche Leistungen. Bei dieser Kostenstelle ließe sich kein Cent mehr sparen, stellt Schmitt klar.
Auch der Geschäftsführer des BSW-Solar sieht keinen Spielraum. „Ein erheblicher Teil, der durch Wachstums- und Rationalisierungsfortschritte erzielten Einsparungen, wird durch explodierende Rohstoffkosten und verschlechterte Finanzierungskonditionen wieder aufgefressen“, erklärt Carsten Körnig.
Das Bundesumweltministerium kann die Aufregung nicht nachvollziehen. „Die Degression der Fördersätze trägt der Prognose für die Marktentwicklung Rechnung“, sagt ein Sprecher. Bliebe es bei fünf Prozent, käme es zu einer Überförderung des Marktes. Gleichzeitig schaffe man vor 2009 einen „Anreiz für Kunden zu investieren“, betont er. Die Stellschrauben an denen man drehe, seien von Anfang an im „Erneuerbaren-Energien-Gesetz“ (EEG) verankert. Und von den Schrauben zeigt sich das Ministerium überzeugt. So überzeugt, dass es mit ihnen noch mehr regulieren will: „Wir wollen das EEG auf den Solarwärme-Markt übertragen.“
Die Gemüter im Handwerk sind erregt. Der ZVEH und BSW-Solar fordern eine deutliche Nachbesserung bei der Novellierung des EEG. Im Vertrauen auf verlässliche Rahmenbedingungen hätten Elektrohandwerker sich für die Installation von Photovoltaikanlagen qualifiziert und viel Geld investiert, sagt Schmitt. „Die Politik darf uns jetzt nicht im Regen stehen lassen.“ Jörg Tuguntke ärgert sich über die geplante Novelle noch aus einem weiteren Grund: „Die Förderung von Photovoltaik hat keinen Cent Steuern gekostet. Konzerne wie Nokia aber erhalten Millionen vom Staat – und verabschieden sich ins Ausland.“
(mfi)