Vorsicht Falle: Für Geschichten über Handwerkerpfusch suchen Medien neue Opfer. Das kratzt am Image.
Für eine Geschichte ist das Handwerk immer gut. Nicht immer ist es eine gute: Die Handwerksschelte gehört fast schon so fest zum Programm wie die Nachrichten. Mal geht es um „Werkstattwucher“ oder „Deutschlands teuerste Waschmaschine“, oft ist es der „Pfusch am Bau“.
Die Folgen bekommen solide Unternehmen zu spüren. „Ich habe das Gefühl, dass sich manche Kunden regelrecht von diesen Sendungen aufhetzen lassen“, sagt Ingo Hinz, Chef der Schwabe GmbH in Bispingen. Dass es sich bei solchen Betrieben um „einzelne schwarze Schafe“ handelt, sei vielen Kunden nicht klar, glaubt der Metallbaumeister. Während es die Betroffenen auf der Mattscheibe mit schwersten Mängeln zu tun haben, suchten ihre Nachahmer „regelrecht nach kleinsten Abweichungen“, um den Preis zu drücken.
Und die Medien lassen nicht locker. Redakteure und TV-Produktionsfirmen sind auf der Suche nach immer neuen Geschichten: Zum Beispiel im Internet auf der Seite www.fusch-am-bau.de. „Dringend“ und „schnellstmöglich“ suchen sie Opfer von „Baupfuschern“. Private Produktionsfirmen recherchieren hier ebenso wie öffentlich-rechtliche Sender. Je spektakulärer, desto besser. So sucht ein Sender Bauherren, die „körperlich, psychisch und finanziell ruiniert“ sind, „nur weil ihre Baufirma den Hausbau verpfuscht hat“. Kandidaten gibt es genug, einer bietet sich gleich mehrfach an: „Falls mal wieder Bedarf besteht ... wir waren schon Anfang des Jahres bei Pro7.“
Am TV-Spektakel dürfte sich vorerst kaum etwas ändern: „Die Medien - und da vor allem die Privaten - haben diesen riesigen Markt richtig erkannt“, erläutert Rainer Thumann von der Medienberatung „2media consult“ in Buxtehude. „Die Sender wissen, dass viele Menschen nicht mehr so viel Geld in der Tasche haben wie früher und sich darum sehr für solche Geschichten interessieren.“ Dass es einen Zusammenhang zwischen Preisdruck, Billiganbietern und Qualitätsmängeln gibt, fällt dabei leicht unter den Tisch. „Für eine ausgewogene Berichterstattung ist der Quotendruck zu groß“, weiß Thumann, „viele Leute schalten doch nur ein, wenn es richtig kracht.“
Trotz dieses Hintergrunds sollten Handwerker auch vermeintlich unberechtigte Reklamationen ernst nehmen, empfiehlt Dr. Lothar Haas von der Niedersächsischen Bauschlichtungsstelle in Hannover. „Nach meiner Erfahrung ist nur selten eine Seite alleine im Unrecht.“ Bei Mängeln gehe es meist nicht um technische Fehler, sondern es sei unklar, was vereinbart war. Oft würden Konflikte schon früh ausgelöst, „wenn sich zum Beispiel eine Partei nicht Ernst genommen oder ausgenutzt fühlt“. Haas rät zwar dazu die wichtigsten Absprachen schriftlich festzuhalten. Ebenso wichtig sei es jedoch, „noch viel mehr mit den Kunden zu reden - sofort, wenn Probleme auftauchen“.
Mittelfristig könnten die Betriebe auch selbst an ihrem Image arbeiten. Thumann empfiehlt Handwerkern und Verbänden, mit den Medien zusammenzuarbeiten wie es beispielsweise in Schleswig-Holstein schon mit dem NDR realisiert wird. Ein Markt für seriöse und trotzdem spannende Verbraucherinformationen sei vorhanden. „Das sieht man an Sendungen, in denen Handwerker vor laufender Kamera Wohnungen und Häuser renovieren und verschönern.“ Selbst im Kleinen, in der eigenen Lokalzeitung, ließe sich etwas bewegen. „Aber da muss man sich schon etwas interessantes überlegen, vielleicht auch in Zusammenarbeit mit Verbraucherberatungsstellen.“ Nur eines gehe gar nicht, weiß Thumann: „Vermeiden Sie um jeden Preis billige Reklame.“
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