Schreibtischtäter trifft Praktiker: So unterschiedlich bewerten Immobilienexperten und Handwerker die Baukonjunktur.
"Die Konjunkturbelebung schlägt jetzt auch auf die Tarifverträge und damit auf die Haushaltseinkommen durch", zitiert das
Handelsblatt den Immobilienexperten der Deutsche Bank Research, Tobias Just. Und auch Renate Szameitat vom Research-Institut Gewos sehe "Eigentum im Aufwind".
Die meisten Bauhandwerker reiben sich bei diesen Einschätzungen erstaunt die Augen. In der aktuellen handwerk.com-Umfrage zur Konjunktur des ersten Halbjahres 2008 äußern sich gerade mal 11 Prozent der Betriebe "begeistert" über die bisherigen Geschäfte. Während 27 Prozent ganz "zufrieden" sind, zeigen sich 36 Prozent enttäuscht. Und: Für 26 Prozent sind die zurückliegenden sechs Monate derart mies gelaufen, dass sie um ihre Existzenz fürchten: "Ich bin bald pleite."
"Privatleute trauen sich kaum noch an längerfristige Investionen", sagt der Chef der Kreishandwerkerschaft Nordwestmecklenburg/Wismar, Eckard Gauer. Seine Begründung laut
Lübecker Nachrichten: "Ständig steigende Lebenshaltungskosten." Gleichzeitig würden die Unternehmen mit den "Preisexplosionen beim Sprit und Stahl kämpfen".
Spiegel Online bestätigt Gauers Einschätzung: "Die Deutschen verdienen mehr -–aber sie kommen materiell nicht voran." Der durchschnittliche Bruttoverdienst von Vollzeitkräften sei auf 3.064 Euro pro Monat gestiegen. Aber: "Die Preise für Energie, Lebensmittel und andere Waren legten schneller zu."
Gibt es einen Ausweg aus der Situation? Wenn die Bundesregierung dem Handwerk helfen wolle, sollte sie endlich die Mehrwertsteuer auf Handwerkerleistungen um die Hälfte reduzieren, antwortet Kreishandwerkerschafts-Geschäftsführerin Antje Lange.
(sfk)