Die Jagd nach den Schnäppchen soll ja out sein, berichten Marktforscher immer wieder. Schade, dass sich das nicht immer bis zu den Kunden herumspricht. Aber vielleicht können Sie den Schnäppchenjägern ja ein wenig den Appetit verderben, wenn Sie ihnen erzählen, was sich manchmal hinter "billig" verbirgt.
Denn es klingt menschenverachtend und es klingt ekelig, was Enthüllungsjournalist Günter Wallraff für einen Artikel im ZEIT-Magazin in einer deutschen Backfabrik recherchiert hat: Einen Monat lang hat Wallraff für einen großen Discounter Aufbackbrötchen produziert. Nicht in Indien oder Rumänien, sondern im Hunsrück. Seine Erfahrungen:
- Arbeitssicherheit: Verletzungen wie Schnitte und Verbrennungen gehören laut Wallraff zur Tagesordnung, Verbesserungen seien gar nicht erwünscht: "Ihr seid billiger" zitiert Wallraff einen Schichtleiter.
- Hygiene: Spiele keine Rolle, so sei zum Beispiel Schimmel in der Ware kein Zufall, da für gründliche Säuberungen niemand Zeit habe.
- Verträge: Gearbeitet werde nach Auslastung. Das bedeute Arbeit auf Zuruf und unbezahlte freie Tage. Dieses System funktioniere problemlos, da es ja auch keine Arbeitsverträge gebe.
- Gehalt: Löhne würden häufig zu spät gezahlt, so dass manche Arbeiter vor Weihnachten schon mit der Pfändung zu kämpfen gehabt hätten.
Die Geschäftsführung der Backfabrik weist indes alle Vorwürfe zurück: Sicherheitsstandards und Hygienevorschriften würden eingehalten, unzutreffend sei auch der Vorwurf verspäteter Lohnzahlungen.
Wallraff rät übrigens zum Boykott von Discountern, die solche Produkte auf den Markt bringen. Und was raten Sie Ihren Kunden? Schreiben Sie uns einen Leserbrief .
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(jw)







