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28.02.2007
PERSONAL
AUSBILDUNG
Nass, schmutzig und „saucool“
LachendeKids
Auf der Suche nach dem perfekten Azubi kämpfen Betriebe auch mit dem Negativ-Image ihrer Branche. Sie kämpfen nicht alleine.

von Jörg Wiebking und Heiner Siefken

Die Ausbildungssituation 2007: Zwischen der Realität und der Statistik klafft eine riesige Lücke. Täglich vermelden Medien, dass es nicht genügend Lehrstellen gibt. Gleichzeitig suchen Betriebe verzweifelt nach dem passenden Auszubildenden. Der Oldenburger Maurermeister Günter Czichy kennt die Ursache: „Das liegt am Image.“ Die Vorurteile über seine Branche halten sich hartnäckig. Mal ist es kalt, mal heiß, oft ist es nass, und immer ist die Ausbildung anstrengend. Dabei sehe der Alltag auf dem Bau längst anders aus, sagt Czichy. Der Unternehmer hat gute Argumente auf seiner Seite: Viele neue Techniken zum Bohren, Schneiden und Heben würden die Arbeit erleichtern. „Und man braucht Köpfchen, um die Maschinen richtig einzusetzen und zu bedienen.“ Ganz zu schweigen von Kundenberatung, Zusammenarbeit mit Architekten und der Entwicklung ganzer Sanierungskonzepte. „Da müssen wir uns ständig fortbilden, und es gibt Aufstiegschancen.“ Ein Problem: Die Botschaft kommt bei Schülern nicht an.

„Längst nicht alle Lehrer und Eltern haben die aktuellen Veränderungen im Handwerk registriert“, sagt Friedrich Wilhelm Fimmen von der Handwerkskammer Oldenburg. Allerdings könnten die Betriebe die Chancen, die das Handwerk bietet, positiv verkaufen. „Und wenn die Schüler nicht in die Unternehmen kommen, dann müssen die Betriebe zu den Schülern gehen.“ Gelegenheit dazu gebe es (siehe Checkliste). Wichtig sei zudem, die Eltern, die bei der Berufswahl ihrer Kinder ein gehöriges Wort mitsprechen, zu überzeugen.

Imagekampagnen sollen die Betriebe in ihrem Kampf an der Klischee-Front unterstützen. Die PR-Agenturen, die Anzeigen oder Fernsehspots entwerfen, haben allerdings keinen leichten Stand. Denn: Ihre Kampagnen müssen sich gegen angesagte Serien wie „Gute Zeiten – Schlechte Zeiten“ behaupten. Und unter den TV-Helden ist der Anteil der Fleischer, Reinigungsfachkräfte und Bauarbeiter verschwindend gering.

„Wischen ist Macht!“ Patrick Schaab hat für den Bundesverband der Gebäudereiniger-Innungen eine Kampagne entworfen, die sich eng an der Jugendästhetik orientiert. Der Chef der „Schaab PR“ in Siegburg „sprengt“ die Klischees mit witzigen Fotomotiven und frechen Sprüchen. Doch bleibt – um in der Sprache der „Kids“ zu bleiben – der Beruf des Gebäudereinigers im Vergleich zu vielen anderen Berufen nicht trotzdem uncool? „Nein“, sagt Schaab, „die Aufstiegschancen sind cool, die Weiterbildungsangebote sind cool.“ Und später selbst Unternehmer werden sei allemal cooler als studieren und auf der Straße stehen: „Das haben wir vermittelt.“

„Leider sind bei zu vielen jungen Leuten die Kampagnen der Verbände und Kammern unbekannt“, sagt Fimmen. Schon deshalb sei es wichtig, dass Unternehmer, die ausbilden wollen, selbst aktiv werden.

Weiterlesen:
  [Nass, schmutzig und „saucool“]
  [Aktiv werden]


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