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21.05.2008
UMWELT & MENSCH
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Der Preis ist heiß
strommasten
Haben Sie auch die Nase voll von steigenden Energiepreisen und unverschämten Stromversorgern? Dann wird es Zeit für einen Wechsel: Zwei Handwerker zeigen, wie Sie Strom und Wärme für den Betrieb selbst produzieren können.

Immer mehr Handwerker machen aus der Not mit den steigenden Energiepreisen einen Tugend. Energiespartechnik ist der Renner - um Kosten im Betrieb zu senken und um neue Kunden zu gewinnen.

Lösung I: Windkraft für Handwerksbetriebe und Verbraucher
Wie zum Beispiel die Lehmkuhl AG in Ganderkesee. Jahrzehnte hat das Metallbauunternehmen mit Aluminium sein Geld verdient. Diese Zeiten sind vorbei: Die starke Nachfrage nach dem Metall auf dem Weltmarkt und der große Energieverbrauch in der Alu-Produktion treiben die Preise. Weitergeben kann das Unternehmen diese Kosten nicht, "der Wettbewerb ist absolut ruinös", berichtet Betriebsleiter Jürgen Lehmkuhl (44, Foto). Darum sattelt die Firma um: auf die Herstellung von Windkraftanlagen. Mit "Ganwind" hat Lehmkuhl ein Windrad für jedermann entwickelt und zum Patent angemeldet. Zwei, fünf oder 20 Kilowatt erzeugt Ganwind, je nach Kapazität kommt die Anlage auf zehn bis 23,5 Meter Höhe und soll ideal sein für kleinere Abnehmer wie Handwerksbetriebe und Eigenheimbesitzer. "Ganwind kann auch ins Netz einspeisen, doch die Anlage soll vor allem für den eigenen Verbrauch produzieren." Andere Stromquellen könne sie zwar nicht komplett ersetzen, doch in acht bis zwölf Jahren soll sich diese Investition amortisieren, und eine Kombination mit anderen alternativen Energiequellen sei möglich. Die Nachfrage ist groß, berichtet der Unternehmer. "Bis Jahresende sind wir ausgelastet." Für Lehmkuhl ist Windkraft die Zukunft, "die Energiepreise sinken nicht mehr".

Lösung II: Ein Leben ohne Heizkosten
Neue Fundamente hat er gegossen, die Finanzierung geregelt und 57.000 Euro investiert. Für einen "Tag der offenen Tür" hat Werner Harms (54) ziemlich viel Aufwand betrieben: Denn der SHK-Meister aus Oldenburg will seinen Kunden und Gästen eine "HTP-Solar Powerstation" präsentieren, eine Kombination aus Sonnenkollektoren, Luft-Wasser-Solar-Wärmepumpe und Thermowandler, die Eigenheimbesitzern ein "Leben ohne Heizkosten" bescheren soll. Das verspricht zumindest der Hersteller HTP-Solar, deren Vertriebspartner Harms ist. Die Anlage kommt für Harms gerade rechtzeitig zur "Woche der Sonne" vom 16. bis zum 25. Mai, einer Image-Kampagne des Bundesverbandes Solarwirtschaft. "Alle Kunden interessieren sich das Thema Heizkosten", berichtet Harms. Dafür sei die Anlage die richtige Lösung und die Solarkampagne die passende Gelegenheit, Kunden anzusprechen. Als exklusiver Vertriebspartner hat Harms tatsächlich etwas vorzuzeigen. Aber ist das nicht dennoch etwas viel Aufwand für eine Imagemaßnahme? Der Handwerksmeister rechnet anders: Die Investition lohne sich auch dann noch, wenn er keinen einzigen Abnehmer für die Powerstation fände. "Bei dem Wärmeverbrauch in unserem Betrieb und im Wohnhaus müsste ich den Energieriesen in den nächsten 20 Jahren 180.000 Euro in den Rachen stecken, das sehe ich nicht ein. Da rechnet sich die Anlage in jedem Fall." Den Beweis dafür will er auch gegenüber seinen Kunden antreten. "Wir testen die Anlage ausgiebig, und erst wenn alles wie geplant läuft, können wir sie guten Gewissens unseren Kunden anbieten."

Voll im Trend
Der Trend arbeitet für Harms und Lehmkuhl: DOb Energieträger, Metalle oder Agrarprodukte - die Preise steigen. "Wir erleben einen strukturellen Wandel: Selbst im Abschwung bleiben viele Preise auf Höchststand", berichtet Stephan Werner, Rohstoffexperte der Fondsgesellschaft DWS in Frankfurt. Daher dürften sich viele Rohstoffpreise dauerhaft "auf hohem Niveau stabilisieren".

Strategiewechsel ist nötig
Da natürlich nicht alle so schnll umsteuern können wie Lehmkuhl, ist es höchste Zeit, die zögerliche Haltung gegenüber den Kunden aufzugeben. Die Angst vor der Preiserhöhung sei meist unbegründet, meint Strategieberaterin Kerstin Friedrich aus Dünsen. "Viele Kunden haben ganz andere Probleme, die brauchen Sicherheit und wollen gut beraten werden. Für diese Kunden sind solche Preiserhöhungen zweitrangig." Zugleich rät Friedrich, die Chancen zu nutzen, die hohe Energie- und Rohstoffpreise bedeuten. Nicht jeder Betrieb müsse nun selbst neue Produkte entwickeln, "da kommt auch vieles aus der Industrie". Doch egal ob Eigenentwicklung oder eingekaufte neue Produkte: "Die Betriebe müssen bereit sein dazu zu lernen, selbst aktiv zu werden und ihre Kunden mit den neuen Produkten an die Hand zu nehmen - dann bietet dieser Trend neue Umsatzchancen."

(jw)




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