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18.03.2003
AUSSENSTäNDE
AKTUELL
„Vertrag kommt von Vertragen“
Lemmer
Eine Fortbildungsveranstaltung als Spiegel der Zahlungsmoral in Deutschland: handwerk.com hat ein Seminar des Bauvertragsexperten Professor Herbert Lemmer besucht.

Der Blick auf die Teilnehmerliste des Seminars erstaunt. Wesentlich anders würde eine öffentliche Diskussionsrunde, die über Maßnahmen gegen die schlechte Zahlungsmoral in Deutschland streiten würde, auch nicht aussehen. Neben den Chefs und leitenden Mitarbeitern zahlreicher Hoch- und Tiefbaufirmen haben sich Banker und sogar zwei Vertreter einer Baubehörde im Raum B 104 der Fachhochschule Holzminden versammelt.

„Warum wir uns die Höhle des Löwen gewagt haben? Ganz einfach, wir arbeiten mit den unterschiedlichsten Auftragnehmern zusammen. Da muss man wissen, was los ist und immer auf dem neuesten Stand des Vertragsrechts sein“, sagt der Stellvertrende Leiter eines niedersächsischen Bauamtes. Dass Unternehmen in Liquiditätsschwierigkeiten kommen können, wenn Nachtragsangebote zögerlich bearbeitet werden, sei ihm und seinen Kollegen bewusst. Daher sei die Fortbildung für die Arbeit in den Amtsstuben extrem wichtig: „Sonst würden wir noch weiter hinterherhinken.“

Die Verzögerung ist der Normalfall

Und dennoch: Die Stimmung, die sich gegenüber Behörden aufgebaut hat, können auch die einsichtigen Beamten nicht verbessern. Gleich zu Beginn des Seminars werden die beiden zur Zielscheibe bitterer Vorwürfe. „Seit drei bis vier Jahren ist das ein Krampf ohne Ende, die Planer der öffentlichen Hand sind scheinbar total überfordert“, lautet ein entnervter Zwischenruf. Dass die Bauabwicklung – und damit auch der Geldfluss – künstlich verzögert werden, sei der Normalfall.

Herbert Lemmer verfolgt die Diskussion mit einem angedeuteten Lächeln. Dann hebt er beschwichtigend die Arme und sagt mit einer Stimme, die den ganzen Raum ausfüllt: „Wenn Sie die gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpfen und richtig anwenden würden, dann hätten sie keine Probleme. Und genau darum sind Sie hier.“ Klang und Inhalt des Gesagten zielen in die gleiche Richtung, sie sollen beruhigend auf die Seminarteilnehmer wirken. Lemmers oberstes Gebot: „Vertrag kommt von Vertragen.“

Aus den Möglichkeit Wert schöpfen

Die lockere Haltung des Professors ändert sich auch nicht, als seine „Studenten“ immer neue Fragepfeile auf ihn abschießen. Abschlagsrechnung, Nachfrist, förmliche Abnahme, Bauhandwerkersicherung, Teilabnahme, BGB, VOB – Lemmer scheint auf alles die richtige Antwort zu finden. Damit sich seine Zuhörer bei soviel Theorie nicht langweilen, würzt er seine Betrachtungen mit Geschichten aus seiner Arbeit als Baugutachter. Ob er sich mit dem Vorstand der Karstadt AG streitet, mit den Verantwortlichen des Hansaparks in Magdeburg oder sogar mit VW – die Seminarteilnehmer verfolgen seine Anekdoten mit einem Leuchten in den Augen.

Die Mitarbeiterin eines nordrhein-westfälischen Rohrbau-Unternehmens kann sich in der Mittagspause ein Seufzen trotzdem nicht verkneifen: „Für Abläufe, die wir früher ganz normal regeln konnten, gibt es heute ganze Gesetzeswerke.“ Das kann Lemmer so nicht durchgehen lassen. Noch auf dem Weg in die Mensa der Fachhochschule lässt er nicht locker: „Na gut, die Möglichkeiten sind komplizierter geworden. Aber daraus können Sie gleichzeitig Wert schöpfen.“

Es ist die Standardfrage in Lemmers Seminaren: “Wie können wir erreichen, dass unsere Nachforderungen, die durch geänderte oder zusätzliche Leistungen entstanden sind, nicht erst mit Abschluss der Baumaßnahmen bezahlt werden?“ Die Antwort hat der Fachhochschulprofessor für handwerk.com in vier „goldenen Regeln“ zusammengefasst.

Weitere Informationen zu den Seminaren:
  • Fachhochschule Holzminden

  • (sfk)


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