Genussrechte als Finanzspritze: Das klingt lecker, doch wer nicht aufpasst, verdirbt sich den Magen.
von Jörg Wiebking
Brötchen gibt's beim Bäcker und Geld bei der Bank? Diese Zeiten sind für Andreas Schomaker vorbei. Für die Brötchen ist der Biobäcker aus Rheurdt zwar immer noch zuständig, doch seit er Genussrechte anbietet, können seine Kunden bei ihm auch ihr Geld anlegen und Zinsen kassieren. Für seine Idee wurde der Unternehmer 2007 sogar von der Initiative "Mutmacher der Nation" ausgezeichnet. Denn als der Unternehmer vor vier Jahren in seine Bäckerei investieren wollte, bekam er von seiner Hausbank nur eine Absage, heißt es in der Begründung für die Auszeichnung. Doch Schomaker habe nicht aufgegeben, sondern seinen Kunden Genussrechte angeboten. Schnell seien 180 000 Genussrechte verkauft gewesen - Geld für die ökologische Erweiterung seines Unternehmens.
Frisches Kapital und Kundenbindung in einem Durchgang - warum machen das nicht mehr Handwerker? "Weil Genussrechte meist nur für solche Betriebe Sinn machen, die für Endkunden arbeiten und deren Zahl groß genug ist, um eine nennenswerte Summe zu platzieren", erläutert Michael D. G. Wandt vom Bundesverband Kapital für den Mittelstand. Auch als Instrument, um Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten zu binden, eigneten sich Genussrechte. Allerdings kann es etwas dauern, bis das Kapital zur Verfügung steht. Für kurzfristige Investitionen seien Genussrechte daher ungeeignet. "Die Platzierung dauert oft ein Jahr und länger." Wer eine kleinere Summe erzielen will, kann das mit relativ wenig bürokratischem Aufwand erreichen. Wer jedoch innerhalb von zwölf Monaten Genussrechte für mehr als 100 000 Euro anbieten will, muss in der Regel ein Prospekt erstellen und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) vorlegen.
Überzogene Versprechen enttarnen
Zur Vorsicht rät Wandt allerdings, wenn Berater überzogene Finanzierungsversprechen machen: "Genussrechte werden von interessierter Seite gelegentlich völlig überzogen als Heilslösung propagiert", warnt Wandt. Das habe oft weniger mit realen Finanzierungschancen zu tun als mit den Honoraren der beteiligten Berater. "Mit acht bis 15 Prozent Kosten sollte man rechnen." Und das ist erst der Anfang: "Je größer die Summe ist, desto größer ist auch der Werbeaufwand, um die Anlage zu platzieren", warnt Wandt.
Und auch die Werbung hat ihre Fallstricke: Wer Anlegern das Blaue vom Himmel herunter verspricht, muss mit aufmerksamen Verbraucherschützern rechnen. Die haben ein kritisches Auge auf jene Genussrechte, die zum ungeregelten und unkontrollierten Grauen Kapitalmarkt zählen. "Auf dem Grauen Kapitalmarkt gibt es viele Gefahren", berichtet Volker Pietsch vom Deutschen Institut für Anlegerschutz (DIAS). Ein Prospekt und das Zertifikat von der Bafin seien kein Nachweis für die Seriosität einer Anlage. Das DIAS weise Anleger immer wieder darauf hin, dass die Bafin nicht Anlagestrategie und Renditeaussichten prüft, sondern nur kontrolliert, ob der Prospekt allen gesetzlichen Anforderungen entspricht.
Bilanzen unbedingt einsehen
Von vielen Angeboten rate das DIAS ab. Das gelte vor allem für Offerten, deren Anbieter ihre Aufklärungspflichten nicht erfüllen, indem sie mit "utopischen Gewinnversprechen" werben und das Risiko eines Verlustes kleinreden. Das DIAS empfehle, nur solche Anlagen zu wählen, deren Anbieter mit offenem Visier spielen und ihre Bilanz vorlegen.
Die Kunden von "Mutmacher" Andreas Schomaker wissen jedenfalls, was auf sie zukommt, wenn ihr Bäcker Gewinn macht: Drei bis acht Prozent Dividende im Jahr können sich die Anteilseigner in bar oder in Form von Bons auszahlen - und für die gibt es dann wieder Backwaren von Schomaker.
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03.07.2008
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