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03.07.2008
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Genussscheine ohne schlechten Beigeschmack
Genussrechte als Finanzspritze: Das klingt lecker, doch wer nicht aufpasst, verdirbt sich den Magen.
von Jörg Wiebking
Brötchen gibt's beim Bäcker und Geld bei der Bank? Diese Zeiten sind für Andreas Schomaker vorbei. Für die Brötchen ist der Biobäcker aus Rheurdt zwar immer noch zuständig, doch seit er Genussrechte anbietet, können seine Kunden bei ihm auch ihr Geld anlegen und Zinsen kassieren. Für seine Idee wurde der Unternehmer 2007 sogar von der Initiative "Mutmacher der Nation" ausgezeichnet. Denn als der Unternehmer vor vier Jahren in seine Bäckerei investieren wollte, bekam er von seiner Hausbank nur eine Absage, heißt es in der Begründung für die Auszeichnung. Doch Schomaker habe nicht aufgegeben, sondern seinen Kunden Genussrechte angeboten. Schnell seien 180 000 Genussrechte verkauft gewesen - Geld für die ökologische Erweiterung seines Unternehmens.
Frisches Kapital und Kundenbindung in einem Durchgang - warum machen das nicht mehr Handwerker? "Weil Genussrechte meist nur für solche Betriebe Sinn machen, die für Endkunden arbeiten und deren Zahl groß genug ist, um eine nennenswerte Summe zu platzieren", erläutert Michael D. G. Wandt vom Bundesverband Kapital für den Mittelstand. Auch als Instrument, um Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten zu binden, eigneten sich Genussrechte. Allerdings kann es etwas dauern, bis das Kapital zur Verfügung steht. Für kurzfristige Investitionen seien Genussrechte daher ungeeignet. "Die Platzierung dauert oft ein Jahr und länger." Wer eine kleinere Summe erzielen will, kann das mit relativ wenig bürokratischem Aufwand erreichen. Wer jedoch innerhalb von zwölf Monaten Genussrechte für mehr als 100 000 Euro anbieten will, muss in der Regel ein Prospekt erstellen und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) vorlegen.
Überzogene Versprechen enttarnen
Zur Vorsicht rät Wandt allerdings, wenn Berater überzogene Finanzierungsversprechen machen: "Genussrechte werden von interessierter Seite gelegentlich völlig überzogen als Heilslösung propagiert", warnt Wandt. Das habe oft weniger mit realen Finanzierungschancen zu tun als mit den Honoraren der beteiligten Berater. "Mit acht bis 15 Prozent Kosten sollte man rechnen." Und das ist erst der Anfang: "Je größer die Summe ist, desto größer ist auch der Werbeaufwand, um die Anlage zu platzieren", warnt Wandt.
Und auch die Werbung hat ihre Fallstricke: Wer Anlegern das Blaue vom Himmel herunter verspricht, muss mit aufmerksamen Verbraucherschützern rechnen. Die haben ein kritisches Auge auf jene Genussrechte, die zum ungeregelten und unkontrollierten Grauen Kapitalmarkt zählen. "Auf dem Grauen Kapitalmarkt gibt es viele Gefahren", berichtet Volker Pietsch vom Deutschen Institut für Anlegerschutz (DIAS). Ein Prospekt und das Zertifikat von der Bafin seien kein Nachweis für die Seriosität einer Anlage. Das DIAS weise Anleger immer wieder darauf hin, dass die Bafin nicht Anlagestrategie und Renditeaussichten prüft, sondern nur kontrolliert, ob der Prospekt allen gesetzlichen Anforderungen entspricht.
Bilanzen unbedingt einsehen
Von vielen Angeboten rate das DIAS ab. Das gelte vor allem für Offerten, deren Anbieter ihre Aufklärungspflichten nicht erfüllen, indem sie mit "utopischen Gewinnversprechen" werben und das Risiko eines Verlustes kleinreden. Das DIAS empfehle, nur solche Anlagen zu wählen, deren Anbieter mit offenem Visier spielen und ihre Bilanz vorlegen.
Die Kunden von "Mutmacher" Andreas Schomaker wissen jedenfalls, was auf sie zukommt, wenn ihr Bäcker Gewinn macht: Drei bis acht Prozent Dividende im Jahr können sich die Anteilseigner in bar oder in Form von Bons auszahlen - und für die gibt es dann wieder Backwaren von Schomaker.
Weiterlesen:
[Genussscheine ohne schlechten Beigeschmack ]
[Genussrechte im Überblick]


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24.04.2008
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Die stille Alternative
Keine Angst vor Investoren: Kapital gibt es von den Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften - ganz ohne Heuschreckenalarm!
von Jörg Wiebking
Ingolf Schwarzbäcks Partner hat viel Geld in seine Firma gesteckt. Wie viel genau, das verrät der 51-Jährige Chef der EW Elektrobau GmbH Wolmirstedt nicht. Nur soviel: "Der Anteil liegt unter 50 Prozent." Viel wichtiger ist für Elektromeister eine andere Information: dass er noch immer Herr im eigenen Haus ist. Denn sein Kapitalgeber ist keine gierige "Heuschrecke" sondern eine Förderbank: die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen-Anhalt (MBG). Die MBG kam ins Spiel, als das Zusammenspiel mit Schwarzbäcks früherem Partner nicht mehr so gut lief. Um den Gesellschafter auszulösen, empfahl man ihm dort, sich an die MBG zu wenden. Die sah die Zukunft des 30-Mann-Betreb, der für Energieversorger und im Bergbau tätig ist, positiv und stieg ein. "Wir haben eine partnerschaftliche Zusammenarbeit entwickelt", sagt Schwarzbäck. Die Zusammenarbeit beschränkt sich ein Reporting im Quartal und ein jährliches Beteiligungsentgelt. "Aber in die Firmenleitung redet mit niemand hinein."
Das zählt zu den besonderen Eigenschaften jeder Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften, die es auch in Niedersachsen und in anderen Bundesländern gibt: Sie vergeben in der Regel nur typische stille Beteiligungen. Mit diesem Anteil verbinden sie lediglich Kontrollrechte, also zum Beispiel Einblick in den Jahresabschluss., jedoch keine Mitspracherechte.
"MBG-Beteiligungen sind in erster Linie für wachstumsorientierte Unternehmen geeignet", erläutert Betriebsberaterin Gertraude Lorcy-Groß von der Handwerkskammer Magdeburg. Auch wenn es um Betriebsnachfolgen oder - wie in Schwarzbäcks Fall - um das Herauslösen eines Gesellschafters geht, sei eine MBG-Beteiligung geeignet. "Aber für Sanierungsfälle kommt sie nicht in Frage." Eine weitere Voraussetzung sei, dass die MBG eine geplante Investition nicht alleine schultern muss: "Da muss man selbst mit im Boot sein oder eine Bank." Alternativ kämen auch andere Förderprogramme in Frage, etwa KfW-Kredite. "Aber die Beteiligung hat den Vorteil, dass sie bilanziell wie Eigenkapital behandelt wird und so das Rating bei den Banken verbessert", erläuter die Betriebsberaterin.
Trotz der Vorteile sei die Nachfrage im Handwerk noch verhalten, berichtet Wolf-Dieter Schwab. Geschäftsführer der MBG Sachsen-Anhalt. Ein Fünftel ihrer Beteiligungen halte seine MBG derzeit in Handwerksbetrieben. Als Ursache sieht Schwab "die Sorge, dass wir dann der Geschäftsführung hineinreden, dabei nehmen wir keinen Einfluss auf das operative Geschäft". Auch sei vielen nicht bekannt, dass sich die MBG schon mit Beträgen ab 25.000 Euro beteilige. "Im Handwerk liegt die Summe durchschnittlich allerdings höher, bei etwa 100.000 bis 150.000 Euro." An den Kosten könne es hingegen nicht liegen. Als öffentlich geförderte Beteiligungsgesellschaft darf eine MBG nicht so viel nehmen wie private Investoren. Und ein scheinbar günstigeres Darlehen habe Nachteile gegenüber Beteiligungskapital beim Banken-Rating, was sich auf Dauer auch finanziell bemerkbar mache.
Vielleicht liegt es aber auch an der Sorge der Unternehmer vor dem, was später folgt: Denn irgendwann, in der Regel nach zehn Jahren, will die MBG ihr Geld zurück. "Aber über die Rückzahlungsmodalitäten kann man sprechen", sagt Schwab, bei Bedarf könne der Betrieb den Anteil in Raten über mehrere Jahre zurückzahlen.
Ingolf Schwarzbäck blickt diesem Augenblick gelassen entgegen. "Wir haben noch zwei Jahre Zeit und haben das alles schon mit unserer Hausbank besprochen." Die Bank werde dann das tun, wozu sie vor zehn Jahren noch nicht bereit war: die Beteiligung ablösen. "Das ist doch ein Zeichen, dass wir uns gut entwickelt haben", weiß Schwarzbäck.
Weiterlesen:
[Die stille Alternative]
[So kommen Sie ans Geld]


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19.12.2007
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Kleiner Hebel mit großer Wirkung
Frisches Geld für neue Ideen: Auch Handwerksbetriebe haben eine Chance, Beteiligungskapital für sich zu gewinnen. Einem Tischlermeister eröffnet die Kapitalspritze nun ganz neue Märkte. von Jörg Wiebking
Es wird investiert, und das nicht zu knapp – rund 1,6 Milliarden Euro steckte Beteiligungsgesellschaften alleine im dritten Quartal 2007 in die deutsche Wirtschaft, vermeldet der Bundesverband Deutscher Kapitalgesellschaften. Handwerksbetriebe bekommen davon allerdings wenig zu spüren. "Echte Beteiligungen sind die absolute Ausnahme", berichtet Finanzierungsexperte Wolfgang Miethke von der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen. Das liege nicht nur an der Skepsis gegenüber neuen Partnern, sondern auch an den Größenordnungen, die für solche Investoren interessant sind: Durchschnittlich 4,9 Millionen Euro steckten sie in jedes ihre Engagements.“Kleine Beteiligungen sind viel schwerer zu finden", berichtet Miethke. Dabei sind es gerade die kleineren Beteiligungen, die Handwerkern die gesamte Finanzierung erleichtern können. Diese Erfahrung machte auch Tischlermeister Bernd S.: Erst “ein mittlerer fünfstelliger Betrag" von einer Beteiligungsgesellschaft hat ihm bei seiner Bank einen Kredit verschafft. Zunächst wollten die Banker seinem Vorhaben nichts wissen, mit seinen selbst entwickelten schmalen Fensterprofilen mit filigranen Verzierungen einen neuen Markt zu erschließen.“Ich habe da etwas mit einem riesigen Bedarf im Auge", berichtet der 47-Jährige. Die Bank überzeugte der Businessplan zunächst nicht, doch dafür den Investor – und nach dessen Zusage stieg auch die Bank endlich ein. Dass jetzt ein Teil seines Zwölf-Mann-Unternehmens einem Investor gehört, der regelmäßig Einblick in Entscheidungen und Bilanzen verlangt, stört S. nicht: “Bei der Bank wäre ich nicht weniger abhängig – dass ich jetzt noch eine zweite Meinung einholen muss, ist für mich nicht nachteilig."
Die zweite Meinung, die nun zählt, ist die von Franco Mathias von der HCM Capital Management Ltd. (www.hcminfo.de) in Quickborn. Mathias hat sich auf die Beratung und Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen spezialisiert.“Wir konzentrieren uns auf Beteiligungen zwischen 10000 und 100.000 Euro", berichtet er. In diesem Bereich gebe es kaum Angebote, dabei könnten schon kleinere Anschubfinanzierungen eine große Hebelwirkung entfalten: Banken bevorzugten gerade im Handwerk eine breitere Verteilung des Risikos, bevor eine Kreditentscheidung gefällt wird. Es gehe um ein „Signal, dass andere bereit sind, ein Risiko einzugehen, bevor sie sich beteiligen. Da können ein paar Tausend Euro zu einem ausschlaggebenden Baustein in der Finanzierung werden", erläutert Mathias. Denn das Eigenkapital vom Investor erhöht nicht nur die Liquidität, sondern auch das Rating und die Bonität. HCM investiert selbst oder vermittelt und bündelt Gelder privater Investoren. Das hat allerdings einen Preis: Tischlermeister S. zahlt für seine Beteiligung zehn Prozent jährlich fest, inklusive Gewinnbeteiligung werden es 15 bis 17 Prozent. Hinzu kommt ein Beraterhonorar, denn die HCM verbindet ihre Investition mit betriebswirtschaftlichem Rat.“Keine Beratung – keine Beteiligung, nur so können wir sicher gehen, dass wir gut investieren", betont HCM-Chef Mathias.
Weiterlesen:
[Kleiner Hebel mit großer Wirkung ]
[Prüfen Sie ihre Beteiligungsoptionen]

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