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22.08.2007
INNOVATIVE SERVICES
AUS DER PRAXIS
Vom Erfinder zum Gründer
Zahnrad
Mit Innovation erfolgreich in die Selbstständigkeit? Wer dabei Erfolg haben will, darf sich nicht alleine auf seine Idee verlassen.

von Jörg Wiebking

Andreas Tomkötter ist Augenoptikermeister und Existenzgründer. Seit einigen Monaten bietet der 39-Jährige seine Leistungen in zentraler Lage mitten in Oldenburgs Fußgängerzone an. So wie ein Dutzend Wettbewerber, darunter zwei große Filialisten, ganz zu schweigen von einem weiteren Dutzend im übrigen Stadtgebiet, die alle zusammen den knapp 160.000 Oldenburgern reichlich Auswahl bescheren. Sorgen bereitet das Tomkötter nicht, denn mit Innovation, High-Tech und individueller Beratung sieht er sich in einer besonderen Position: „Ich wurde 2006 als einer von zwei Augenoptikern bundesweit von der Firma Carl Zeiss für die Anpassung von individuellen Gleitsichtgläsern ausgezeichnet.“ Diesen Weg will der Gründer konsequent weiter beschreiten: „Ein zentraler Baustein ist dabei eine Software, die ich selbst entwickelt habe.“ Sie erleichtere es, Gleitsichtgläser exakt auf jeden Kunden individuell abzustimmen und so komfortabel wie möglich anzupassen „Das gibt es bundesweit so noch nicht“, ist sich der Unternehmer sicher.

Unter den Gründern ist Tomkötter eine Ausnahmeerscheinung: Als „innovativ und wissensintensiv“ würde die KfW seine Gründung wohl bezeichnen – und das sind einer Umfrage der Förderbank zufolge nur fünf Prozent aller Existenzgründungen in Deutschland. Dabei seien es gerade die Innovationen, welche die Erfolgsaussichten eines Gründers erhöhen würden, heißt es im Gründungsmonitor 2007 der KfW.

Praktiker wie der Innovationsberater Dieter Mester von der Handwerkskammer Oldenburg sehen das etwas zurückhaltender: Innovationen alleine machen noch keine erfolgreiche Gründung aus. "Der Mix ist wichtig: Wer sich selbstständig macht, braucht auch eine Brot- und Butter-Tätigkeit, die seine Grundversorgung sichert.“ Auch als zweites Standbein oder als ein Baustein in der Unternehmensstrategie sollte eine Innovation entsprechend durchdacht sein: Gibt es überhaupt einen Bedarf? Wie lassen sich die Kunden erreichen? Wie schnell kann der Wettbewerb reagieren? Wie hoch ist der Finanzbedarf und wie kann er gedeckt werden? Nur wer Antworten auf diese Fragen hat, kann bei Banken und Lieferanten das notwendige Vertrauen aufbauen. “Sonst gibt es weder Material noch Kredit“, warnt Mester.

Kein Problem für Andreas Tomkötter: Er hat 20 Jahre Berufserfahrung, ein Konzept, Kontakte, ... Der Handwerksmeister paart High-Tech – er arbeitet zum Beispiel mit Videomessungen, 3-D-Bildern der Hornhaut und CNC-Fertigung – mit individueller Beratung und Ruhe. Termine statt Laufkundschaft, typ- und stilgerechte Beratung bei der Wahl der Fassung.“ Eine Brille ist eine sehr persönliche Sache“, weiß Tomkötter, "das verträgt sich nicht mit einer Supermarktatmosphäre voller Geräusche, Zuschauern und Störungen.“ Seine Software sei zwar ein zentraler Baustein seiner Gründung, jedoch nicht der einzige. Optiker mit einer vergleichbaren Kombination aus Know-how, Service und Konzept gebe es „nur drei“ in ganz Deutschland.

Link: www.tomkoetter.de

Weiterlesen:
  [Vom Erfinder zum Gründer]
  [Erfolgreich gründen]


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