Mitarbeiter als Innovatoren: Die Ideen sprudeln jedoch erst, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
von Jörg Wiebking
Die passenden Ideen zur richtigen Zeit? Kreativität lässt sich nicht auf Kommando entfachen und nur schwer lenken. Die Erfahrung hat auch Ingo Langer, Chef der Langer E-Technik GmbH in Varel gemacht. Aus einem Innovationsseminar mit seinen Mitarbeitern konnte der 54-Jährige Honig saugen. „Ideen gab es viele, die meisten drehten sich um das Privatkundengeschäft.“ Sie sind zwar nicht die Zielgruppe des 85-Mann-Betriebs, doch verzichten würde der Mittelständler trotz dieser Erfahrung jedoch nicht auf die Kreativität seiner Mitarbeiter, vor allem nicht auf „Ideen, durch die sich betriebliche Prozesse vereinfachen lassen“. Und auch aus kleinen Ideen können Aufträge entstehen. „Ein konkretes Ergebnis dieses Seminars war der Kauf einer termographischen Kamera.“ Diese Technik ermöglicht es, mittels Wärmebildern frühzeitig Gefahrenpotenziale in Schaltanlagen zu entdecken, was wiederum zu Folgeaufträgen führt - zumal es in seiner Region keine anderen Handwerksbetriebe gebe, die so etwas anbieten. Die Ergebnisse bestätigen den Unternehmer: Es lohne sich, Kreativität zu fördern.
Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Vergleichsstudie einhundert innovativer Mittelständler. Demnach erzielten die beteiligten Unternehmen zwei Drittel ihres Umsatzes und Gewinns mit Innovationen und innovativen Verbesserungen der vergangenen drei Jahre. Diese Unternehmen würden sich unter anderem „durch das Öffnen des Innovationsprozesses nachhaltige Wettbewerbsvorteile verschaffen“, berichtet Studienleiter Nikolaus Franke von der Universität Wien. Demnach mache es wenig Sinn, Innovation als Aufgabe auf wenige, festgelegte Mitarbeiter zu konzentrieren. Ideen kämen überwiegend von Kunden, Lieferanten und Kooperationspartnern ebenso wie aus der gesamten Belegschaft. So reichte in den befragten Betrieben jeder Mitarbeiter durchschnittlich fünf bis sechs Ideen im Jahr ein. Ob sich diese Ergebnisse so auf kleine und mittlere Handwerksbetriebe übertragen lassen, bezweifelt Innovationsberater Dieter Mester von der Handwerkskammer Oldenburg: „Im Handwerk hängt immer noch viel vom Unternehmer ab, oft gehen Innovationen von ihm aus.“ Unterschätzen sollten Handwerker die Kreativität der Mitarbeiter allerdings auch nicht. Wer sie jedoch wecken wolle, sollte ihnen Freiräume einräumen und für die Motivation sorgen.
Das ist in der Praxis oft gar nicht so einfach. „Die Gefahr ist groß, dass der Ideenfluss versiegt, wenn man nicht richtig reagiert“, berichtet Ingo Langer. Für ihn bedeute das, immer wieder Feedback zu geben, auch dann, wenn ein Vorschlag nicht in die Praxis umgesetzt wird. Doch nicht bei jeder Idee müssen die Mitarbeiter erst auf sein OK warten: „Unsere Mitarbeiter arbeiten in Teams und können daher viele Prozesse selbst verändern“, betont der Unternehmer. „ Wichtiger als Regularien sind uns Ergebnisse."
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28.08.2007
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