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16.07.2008
E-BUSINESS
UMSATZ UND STRATEGIE
Katzenklappe vom Schreiner
katze_fauchen
Seit Monaten ist Gerlinde Huber* Kundin eines Auftragsportals. Versprochen hat man ihr lukrative Geschäfte. Doch bis jetzt hat die Chefin einer Schreinerei nur eins: "unnötigen Aufwand".

Das Ergebnis ist frustrierend: 44 Anfragen, null Aufträge. Seit Herbst 2007 lassen sich Gerlinde Huber und ihr Mann von quotatis.de Adressen potentieller Kunden schicken. Und dass sich die beiden bisher nicht dahinter geklemmt hätten, kann man nicht behaupten. "Wir rufen die Leute an, fragen Details ab und schreiben dann Angebote", stellt die Unternehmerfrau klar.

Warum kommen keine Aufträge zustande? "Viele meinen die Anfrage nicht ernst, andere wollen nur den Preis wissen." Dazu kommen Verbraucher mit "seltsamen Vorstellungen".

"Die kaufen ihre Möbel beim Discounter, und vom Schreiner wollen sie eine Katzenklappe", sagt Huber. Die Bewohnerin einer Mietwohnung habe tatsächlich angefragt, ob man ihr eine solche Klappe in die Balkontür einbaue. "Eine, die man mir nichts, dir nichts wieder ausbauen kann", seufzt die Chefin. Nicht minder kurios seien manche Änderungswünsche. "Einmal hätten wir eine Lamellentür schmaler machen sollen, ein andermal einen Schrank um drei Zentimeter kürzer."

Für die Schreinerei in Süddeutschland scheint inzwischen klar: "Der Aufwand lohnt sich nicht", bewertet Gerlinde Huber die Anfragen, die das Portal an sie weiterleitet.

Weshalb fühlen die Portalbetreiber etwaigen Auftraggebern nicht auf Zahn? "Wir prüfen alle Anfragen auf ihre Plausibilität", betont eine Sprecherin von quotatis.de. Postleitzahl, Ortsname, Name des Auftraggebers – wenn die Angaben nicht schlüssig seien, fliege die Anfrage aus der Datenbank. Kontrolliert werde zudem der Eintrag im "Freitextfeld". "Steht da ein Preis, der nicht realistisch ist, leiten wir die Daten nicht weiter", erklärt die Sprecherin.

Nicht auszuschließen sei, dass "in manchen Fällen kein ernstes Interesse besteht, einen Auftrag zu vergeben", räumt sie sein. Wichtig sei, dass der Handwerker den Kunden anruft, bevor er das Angebot schreibt. "Am Telefon kann man heraushören, wie ernst die Anfrage gemeint ist."

Und was, wenn der Kunde herumdruckst? "Wenn wir hören, dass die Anfrage nicht seriös war, schreiben wir dem Handwerker die Vermittlungsgebühr gut. Da zeigen wir uns sehr kulant", sagt die Sprecherin des Auftragsportals.

An Gerlinde Hubers Bilanz ändert das nichts. "Wir haben bis jetzt draufgezahlt", sagt sie über diese Art der Kundenakquise.

* Name von der Redaktion geändert

(mfi)


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