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27.05.2008
E-BUSINESS
UMSATZ UND STRATEGIE
"Wir setzen unsere Preise durch"
Geldmuenzen_Maennchen
Malermeister Uwe Thönsing nutzt ein Portal, das Adressen von Kunden vermittelt – keine Aufträge versteigert. Er kauft "die Katze im Sack", wie er selber sagt. Das lohnt sich?

Neun Euro zahlt er für jede Adresse. Was sie wirklich wert ist, erfährt Thönsing vorher nicht. Er weiß nicht, wie groß der Auftrag ist, der dahinter steckt. Und er weiß nicht, ob er überhaupt den Zuschlag erhält. Denn die Portalbetreiber verkaufen Adressen von Kunden, die einen Handwerker suchen, immer gleichzeitig an fünf Betriebe. Doch all das ficht Thönsing nicht an. "Wir machen 95 Prozent unseres Umsatzes mit den Adressen", sagt der Betriebsleiter der AMS Ausbau und Malerservice GmbH im brandenburgischen Dahlwitz-Hoppegarten.

Der 48-Jährige ist Kunde von Quotatis.de. Seit der Firmengründung im Jahr 2006 kurbelt er auf dieser Basis das Geschäft an. Das läuft mittlerweile so gut, dass 13 Mitarbeiter in Lohn und Brot stehen. Der Malermeister verfolgt einen strikten Kurs: "Wir setzen unsere Preise durch – und sind weder die billigsten noch die teuersten."

Zwischen 30 und 50 Mal pro Monat nutzt er den Online-Dienst. Wie viele Aufträge sind lukrativ? "Etwa die Hälfte, der Anteil schwankt saisonal", berichtet Thönsing. Vor allem zwischen November und März seien es viele kleine Aufträge. Solche Anfragen leitet der Brandenburger an Kollegen mit kleineren Betrieben weiter. Die anderen bearbeitet er sofort selbst. Sobald ihm Quotatis die E-Mail mit einer Adresse und "kurzen Beschreibung" des Auftrags geschickt hat, ruft er beim Kunden an oder schickt eine Mail. "Binnen 24 Stunden geht das Angebot raus", sagt er und betont: "Viele Zuschläge bekommen wir, weil wir schnell reagieren."

Konkurrenten schnappen ihm "nur selten" Aufträge weg, erzählt Thönsing. "Wir haben den Vorteil, dass wir nicht nur Malerarbeiten erledigen, sondern breit aufgestellt sind." Wie sieht es mit Preisdrückern und Schwarzarbeitern aus? "Die gibt es auf Quotatis auch." Doch es seien vergleichsweise wenig, sagt der Chef und verweist auf andere einschlägige Portale. Was da passiere, sei "Nötigung von Unternehmen", ärgert er sich über Online-Auktionen, bei denen Handwerker mitbieten, die für offenbar für "drei Euro die Stunde" arbeiten. Was viele schwarze Schafe von Quotatis fernhält: "Die wollen nicht die neun Euro vorher bezahlen."

So ganz zufrieden ist der Malermeister mit dem Portal dennoch nicht. "Ich würde das doppelte für jede Adresse bezahlen, wenn dann alle Schwarzarbeiter weg wären", sagt er. Auch wünscht er sich, dass die Portalbetreiber nicht nur eine Kopie des Gewerbeschein von jedem Betrieb verlangen würden. "Die sollten die Betriebsnummer, die die Sozialversicherungsbehörde vergibt, und die Steuernummer abfragen", rät er.

Probleme mit Kunden hat Thönsing kaum. "Wir haben so gut wie keine Forderungsausfälle." Das gelte sowohl für die Verbraucher als auch für die gewerblichen Kunden. Zu den gewerblichen Kunden – sie machen etwa 20 Prozent aus – gehören vor allem Hausverwaltungen und Baufirmen; die Auftragssummen liegen meist zwischen 3000 und 30.000 Euro. Bei Verbrauchern reiche die Spanne von etwa 1000 bis 5000 Euro. Wovon er kategorisch die Finger lässt: "Es gibt leider auch Angebote von Firmen, die übers Internet billige Subunternehmer suchen."

Im Gegensatz zu Thönsing sind Verbraucherschützer alles andere als begeistert von dem Auftragsportal. Die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen hat sich das Angebot vergangenes Jahr angesehen. Kritikpunkt: Weil die Plattform Nutzer intern per E-Mail zusammenbringe, sei weder für Kunden noch für Handwerker erkennbar, was da eigentlich ablaufe.

Und Ihre Meinung? Haben Sie Erfahrungen mit dem Online-Dienst gesammelt? Dann schreiben Sie uns unter redaktion@handwerk.com

Link: www.quotatis.de

Weiterer Artikel: Preise purzeln nicht

(mfi)


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