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28.08.2006
FUHRPARK
FAHRBERICHTE
Rangiermeister im Handwerk
VW Caddy Erdgas
Wenn Chefs VW sagen, meinen sie in der Regel Bulli & Co. Der Caddy gilt als kleine Nummer. Zu Unrecht.

Wolfgang Noetzel braucht keinen ausgewachsenen Transporter. „Da würde ich Leerraum spazieren fahren und Geld für Sprit zum Fenster rauswerfen“, sagt der SHK-Meister aus Hannover. 90 Prozent seiner Klientel hat er im Umkreis von zehn Kilometern. Und für den Kundendienst reicht ihm und seinem Gesellen ein kleiner Lieferwagen. Das Auto lasten sie nicht mal annähernd aus. „Ersatzteile für Spülkästen und Heizsysteme, Armaturen, Ventile, Fittings – mehr schleppen wir meistens nicht mit.“ Den kleinen Bulli-Bruder hat sich der 62-Jährige anders vorgestellt. „So groß“, wundert er sich über den Laderaum. Doch dann will er es wissen: „Passt da eine Badewanne rein?“

Sie passt. Noetzel muss sein 1,70 Meter langes Versuchsobjekt nur leicht schräg auf die Ladefläche stellen. Das sperrige Teil hat er im Nu verstaut, Heckflügeltüren und die Schiebetür lassen ihm genug Platz zum Hantieren. Angst hat er allerdings um sein Schienbein, das der Anhängerkupplung gefährlich nahekommt. „Die müsste man abnehmen können“, sagt er. Das geht, wenn man 630 Euro investiert. Diese Summe verlangt VW für eine demontierbare Vorrichtung.

Was dem Handwerker sofort auffällt, ist die Dachklappe über den Heckflügeltüren. „Das ist eine gute Durchlademöglichkeit für lange Rohre,“ meint Noetzel. Sinnvoll wäre es, wenn sich das serienmäßig eingebaute Schutzgitter, das Fahrerkabine und Laderaum trennt, auf der Beifahrerseite leicht heraus nehmen ließe. „Dann könnte man Rohre bis in den Fußraum des Beifahrers schieben.“ Sonst gibt es am Laderaum nichts zu kritteln. Kein Wort mehr davon, dass der Caddy „eigentlich ein wenig zu groß für den Betrieb ist“. Bis es ans Rangieren geht.

Mit einem Finger
Noetzel hat Bedenken. „Mit dem Auto in unseren winzigen Hinterhof?“, zögert er. Und kaum, dass er losgefahren ist, bleibt er wieder stehen. Was ist los? „Der steuert sich ja mit einem Finger“, staunt der Hannoveraner über die Servolenkung. Als hätte er mit dem Testcaddy schon tausende Male die schmale Einfahrt passiert, stößt er rückwärts raus auf die Straße. Und auch im Stadtverkehr kommt er mit dem Kleinlaster auf Anhieb spielend zurecht. Erst als Noetzel etwas mehr aufs Gas tritt, hadert er mit der Technik. „Die Lenkung ist ein wenig schwammig, man spürt die Straße nicht richtig.“

Dennoch: „Ich fühle mich hier drinnen wohl“, betont er nach noch nicht mal zwei Kilometern Fahrt. Dabei ist der Mann ein Hüne. Mit gut 1,90 Meter zählt er mitnichten zu den geborenen Lieferwagenfahrern. Doch der Caddy scheint ihm auf den Leib geschneidert. „Beinfreiheit und Sitzhöhe sind angenehm.“ Die Ablagen reichen locker für seine Belange, die Hebel und Knöpfe sind da, wo er sie erwartet. Allein beim Schalten hakt es kurzzeitig. Noetzel rührt anfangs, als säße er in seinem alten Franzosen.

Dass der Handwerker sich wohlfühlt, liegt auch an der großen Frontscheibe. „Die Sicht ist optimal.“ Überflüssig sind die seitlichen Fenster hinter den Außenspiegeln. „Die sind bloß schlecht zu putzen.“ Grundsätzlich nicht anfreuden kann er sich mit dem Kastenaufbau. „Wir müssen uns durch enge Einfahrten und in Parklücken zwängen, dafür brauchen wir freie Sicht nach hinten – vor allem rechts hinten.“ Wenn, dann würde er sich den Caddy als „Kombi ohne Sitze“ kaufen. Und mit anderem Motor.

„Ein Diesel zahlt sich für uns nicht aus, dafür fahren wir zu wenig,“ sagt er. Kostenfaktor: Der Caddy mit 104-PS-Dieselmotor ist rund 1500 Euro teurer als ein Benziner gleicher Stärke. „Das würden wir über die Spritpreisdifferenz nie hereinholen.“ Lieber als Diesel und Benziner wäre ihm das Erdgas-Modell. Wie auch immer: „Der Caddy ist ein interessantes Fahrzeug,“ stellt der Chef klar.

Weiterlesen:
  [Rangiermeister im Handwerk]
  [Das Testauto: Daten auf einen Blick]


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