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07.08.2008
FUHRPARK
FAHRBERICHTE
Drehmoment mal!
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Im Massif ist der Spaßfaktor serienmäßig. Ein Spaßauto ist der neue Iveco deshalb nicht.

Von Heiner Siefken

Der Horizont ist verdammt schief. Die perfekte Kulisse für Reinhards Frage: „Kann mir jemand sagen, ab welchem Neigungswinkel wir umkippen werden?“ Der bayerische Offroadfahrlehrer hat den Massif quer an eine schockierend steile Böschung gestellt. Seine Schüler hängen verkrampft in ihren Gurten, Hände greifen nach Halteschlaufen, jemand räuspert sich nervös. Auf Reinhards T-Shirt ist das Wort „Instruktor“ aufgedruckt. „Also“, legt er nach, „was meint Ihr, ab wann kippt das Auto?“ Die Antworten sind naheliegend. Etwa: „Wenn jetzt jemand stark hustet.“ Oder: „Wenn sich jemand nur zwei Zentimeter nach rechts lehnen sollte.“ Aber das spricht keiner aus. Wer will Reinhard schon provozieren? „Ich weiß es auch nicht“, sagt er schließlich, lenkt den Massif locker von der Böschung weg und ruckelt einen Hang hinunter. Warum das Auto nicht auf dem Dach gelandet ist, bleibt eine interessante Frage.

Der Theorieteil von Reinhards Kurzeinweisung besteht aus einem Mantra: „Fuß von der Bremse, Fuß von der Kupplung! Keine Bremse, keine Kupplung! Keine Bremse, keine Kupplung!“ Das Massif-Mantra funktioniert. Bereits die ersten „eigenen“ Meter im Steilhang sind ein Kinderspiel, mit der serienmäßigen Differenzialsperre der Hinterachse schafft der Wagen im Standgas Steigungen, die aus Laiensicht unmöglich erscheinen. Die entscheidende „Steighilfe“ versteckt sich unter der Motorhaube. Der bullige 3,0 Liter-Diesel stammt aus dem Transporter-Bruder Daily, die 176 PS-Version bringt es auf 400 Newtonmeter Drehmoment.



Kein Boulevard-Schleicher

Sauber asphaltierte Straßen? Lächerlich. Oder besser gesagt: falsch. Der Massif ist auf der Autobahn nicht zu Hause. Und in Innenstädten schon gar nicht. Dieses Terrain überlassen die Italiener der SUV-Konkurrenz von Audi und BMW. Vielleicht haben die Iveco-Entwickler deshalb auf automatische Steuerungen der Differenzialtechnik verzichtet. Typen wie Reinhard kennen sich aus im Gelände – und wissen genau, wann sie welches Differenzial sperren müssen. Sie „tricksen“ sich durch die Natur. Ein „Boulevardschleicher“ sei der Massif ganz eindeutig nicht, sagt Iveco-Pressechef Manfred Kuchlmayr. Und er wird kein Statussymbol sein, ließe sich ergänzen.

Iveco Massif

Fotos: Siefken



Der Innenraum des Massif appelliert ebenfalls an kernige Tugenden. Auf den ersten Blick fallen eigentlich nur die Schalter für die Differenzialsperren auf. Und ansonsten: Kein Airbag, kein Firlefanz, einfach nichts, was ein Luxusgefühl erzeugen könnte. Die Ledersitze der Edel-Version „Avventura“ wirken fehlplatziert. Wer auf hochwertiges Interieur wert legt, wird sich sehr wahrscheinlich für den direkten Massif-Konkurrenten aus dem Hause Land Rover entscheiden. Sogar der Defender ist vergleichsweise komfortabel eingerichtet.

Her mit der Kieskuhle

Pünktlich zur IAA Ende September soll der Massif vom Band rollen und bei den Iveco-Händlern vorfahren. Die Marketingstrategen des Nutzfahrzeugherstellers hoffen, dass sich dann jährlich 350 bis 400 Exemplare durch Deutschlands Baustellen und Äcker wühlen werden. Die Verkäufer, die den Neuling im Offroad-Segment an den Mann bringen werden, können sich schon einmal markige Attribute fürs Verkaufsgespräch zurechtlegen. Sie sollten wissen, dass der überwiegende Teil der Allrad-Fahrer seine Metalliclack-Schätzchen lieber in die Waschanlage als in den Matsch schickt. Sie sollten wissen, dass Iveco diese Klientel nicht bedient. Dass die Italiener ein Arbeitsgerät konstruiert haben. Dass der Massif-Antrieb auf schwere Anhänger und extreme Zuladungen ausgelegt ist. Dass die Pickup-Version eine komplette Europalette schluckt. Und dass die Wartungsintervalle lang und damit wirtschaftlich sind. Die Zahnkette muss erst nach 400 000 Kilometern gewechselt werden.

Was ein Iveco-Verkäufer ebenfalls im Schlaf herunterbeten können sollte: die Fahrwerte für den Outdoor-Einsatz. Die Bodenfreiheit der Hinterachse gibt der Hersteller mit 26 Zentimeter an, die „Wattiefe“ für die Fahrt durch Gewässer mit einem halben Meter. Die Steigfähigkeit eines beladenen Massif liegt bei 52 Grad. Und dann war da noch die offene Frage nach der Seitenneigung. „Maximal 40 Grad“, sagt das Prospekt. „Der kann aber mehr“, meint Reinhard.

Fazit: Rein in die Baugrube, rauf auf den Berg, auf geht’s zur Wartung des Windkraftrades auf der Wiese. Der neue Iveco ist ein Offroader, der den Namen verdient hat. Achtung, Suchtgefahr. Nach dem Fahrtest ist der Umzug aufs Land beschlossene Sache. Eine eigene Kiesgrube muss her. Zwei bis drei Flussbetten, Felsen, Baumstümpfe und ein möglichst steiler Berg sind ab sofort willkommene Hürden auf dem täglichen Weg zur Arbeit.


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