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02.10.2007
FUHRPARK
RUND UMS AUTO
Flickwerk gegen Feinstaub
Feinstaub_Fahrverbote
Sperrbezirk oder nicht? Städte flickschustern im Kampf gegen Feinstaub. Betrieben wird es zu bunt.

Durch Deutschland geht ein Riss. Auf der einen Seite Städte wie Berlin, Hannover oder Magedeburg. Auf der anderen zum Beispiel Hamburg und Braunschweig. Die einen stampfen Sperrzonen aus dem Boden und verbannen Autos ohne Umweltplakette. In den anderen wirbeln die Politiker keinen Staub auf und lassen jedes Vehikel passieren. Ergebnis: Kundenfahrten entwickeln sich für Handwerker zum Rätselrennen – „wo darf ich, wo darf ich nicht?“

Fest steht: Die Zeit drängt. Ab 1. Januar 2008 riegeln die ersten Städte ab. Darunter Hannover. Der rot-grüne Stadtrat bremst rund 1400 Handwerker-Autos aus. Und er setzt den Unternehmern die Pistole auf die Brust. Partikelfilter, Neuwagen oder Ausnahmegenehmigung, fordern die Feinstaubbekämpfer.

„Unsinn, so wird das Problem nicht gelöst“, sagt Kammerexperte Dietmar Rokahr. Nur sieben Prozent des Feinstaubs in Hannover stammten aus Auspuffgasen, stellt der Leiter der Betriebsberatung klar. Bitter für Betriebe: „Wir haben jetzt strengere Regelungen, als sie das Land ursprünglich vorgesehen hat.“ Die Stadtväter verlangen bereits ab 2009 Euro 3, ab 2010 Euro 4. Die Landesregierung fordert Euro 3 erst ab 2010 und Euro 4 ab 2012.

„Fast 8000 Laster im hannoverschen Handwerk sind bis 2010 betroffen“, sagt Rokahr und zeigt sich überzeugt: „Der große Aufschrei kommt noch.“

Der hätte auch beinahe in Braunschweig gedroht. Lang hat es so ausgesehen, als würde dort ein Sperrbezirk ausgewiesen. Dann die Erkenntnis: Die Verhältnismäßigkeit von Aufwand und erwartetem Nutzen sei nicht gegeben, erklärt Oberbürgermeister Gert Hoffmann. „Die Umweltzone wäre zwangsläufig von Ausnahmen durchlöchert gewesen“, betont er.

Wie durchlöchert der hannoversche Sperrbezirk wird, stellt sich Mitte des Monats heraus. Bis dahin will Rot-Grün Farbe bekennen, wer eine Ausnahmegenehmigung bekommt und wie viel der Wisch kostet. Und wie groß der bürokratische Aufwand für Betriebe ist. In Berlin, auch hier ist 1. Januar Stichtag, sind mehrere Nachweise nötig und bis zu 1000 Euro hinzublättern – je nach Auto und Gültigkeitsdauer. In Köln kostet die Genehmigung 120 Euro pro Jahr.

So oder so, die Behördentour wird vielen nicht erspart bleiben. Denn bis dato gibt es nur für wenige Autos Rußfilter zum Nachrüsten. „Wir müssen für jedes Modell die Freigabe beim Kraftfahrzeugbundesamt beantragen, das zieht sich. Erst Ende des Jahres werden wir das Lieferprogramm entsprechend erweitert haben“, sagt ein Sprecher des Ausrüsters Twintec.

Regelrecht in der Falle sitzt Ismail Kuscu. Der 49-jährige Kfz-Meister betreibt eine freie Autowerkstatt in Hannover. „Viele meiner Kunden haben ältere Dieselfahrzeuge und können nicht mehr zu mir in die Werkstatt fahren“, sagt er. Kuscu hat seine Kundendatei durchforstet und ausgerechnet: „Uns droht ein Umsatzeinbruch von zehn bis 15 Prozent in den nächsten beiden Jahren.“

Gut möglich, dass es viel dicker kommt. Hammer fürs Handwerk: Fahrverbote können in Zukunft von Anwohnern eingeklagt werden. Das hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden. Die Kommunen geraten so noch mehr unter Druck.

„Ich finde das lächerlich“, sagt SHK-Meister Reiner Möhle aus Osnabrück über Umweltzonen. Sein Vorschlag: Alte Kisten, die die Umwelt verpesten, sollten „allesamt aus dem Verkehr gezogen werden.“

Weiterlesen:
  [Flickwerk gegen Feinstaub]
  [Sperrzonen in Deutschland]


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