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Nicht für die Schublade
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Lehrlinge müssen die IT-Schulbank drücken. Was Ausbilder und Lehrer vermitteln sollten, war ein Thema im CeBIT-Forum.

Von Martina Jahn

„Auszubildende brauchen eine eigenverantwortliche Aufgabe, dann bringen sie auch Leistung“, betont Katja Thiele-Hann, erste Kreishandwerksmeisterin in Niedersachsen. Daher appelliert die Göttinger Unternehmerin: Der Nachwuchs im Handwerk muss gezielt gefördert und gefordert werden. Es kann nicht sein, dass nahezu die Hälfte der Lehrlinge nicht mit dem Computer umgehen kann, sondern nur im „Gamen und Chatten“ brilliert. Diese Tatsache hatte eine Studie ans Licht gebracht. In Auftrag gegeben hat sie die Initiative „IT-Fitness“. Zu ihr gehören neben dem Softwareriesen Microsoft und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks sieben weitere Unternehmen und Institutionen.

Von ihren Lehrlingen erwartet die geschäftsführende Gesellschafterin der Feinbäckerei Thiele den sicheren Umgang mit dem PC. „Viele Anwendungen in unserer Produktion laufen computergestützt“, sagt sie im CeBIT-Forum. In der Verwaltung seien IT-Kenntnisse nicht mehr wegzudenken. „Ohne die Erfahrungen, die Jugendliche aus der Schule mitbringen, geht es heute nicht mehr“, sagt Thiele-Hann. Sie bedauert, dass Schulabgänger oft nicht das nötige Rüstzeug mitbringen.

Mehr Engagement der Schulen im Bereich IT fordert auch Henrik Tesch von Microsoft Deutschland. In Bezug auf die bereits erwähnte Studie mahnt er an, dass in Schulen zu wenig an und mit Computern gearbeitet wird. „Der PC ist die vierte Kulturtechnik und muss im täglichen Leben häufiger eingesetzt werden.“ Der seltene Umgang mit digitalen Medien resultiere auch daraus, dass sich ältere Lehrkräfte oft nicht zumuteten, Computer einzusetzen. „Wir müssen die Jugendlichen sorgfältig an die IT heranführen“, unterstreicht Tesch. Er wirbt für die Ini-tiative „Lehrlinge gehen online“. Zu wenig Jugendliche wüssten über die Angebote Bescheid, die speziell für sie entwickelt wurden. Die gezielte Ansprache des Nachwuchses stehe dabei im Mittelpunkt.

Die Unternehmerin Thiele-Hann weiß aus Erfahrung, dass Jugendliche ihr Wissen unbedingt anwenden müssen. „Junge Menschen dürfen nicht für die Schublade lernen.“ Der Vorrat an Wissen, das nicht abgerufen wird, verkommt. Aus diesem Grund setzt die Kreishandwerksmeisterin auf die Zusammenarbeit von Schulen und Unternehmen: „Handwerk und Schulen sollten sich abstimmen und klären: Was verlangen wir den Schülern ab? Was müssen sie können, wenn sie die Schule verlassen?“

Die 38-Jährige arbeitet auch mit der Volkshochschule in Göttingen zusammen und bildet in ihrem Betrieb erfolgreich junge Mütter in Teilzeit aus. „Eine richtige Umgebung für die jungen Menschen zu schaffen, ist eine Grundvoraussetzung für Ausbildungsbetriebe“, betont sie. Praktika im Vorab seien ein guter Test um herauszufinden, ob Lehrling und Betrieb zusammen passen.

Für die Zukunft fühlt sich Thiele-Hann gerüstet: „Das Bewerbungsniveau in unserem Betrieb ist momentan sehr hoch.“ Dennoch bleibt sie realistisch. „Schon vor dem prophezeiten Geburtenknick 2012 müssen wir uns auf weniger Nachwuchs und geringere Anforderungen an die Jugendlichen einstellen.“ Die Chancen für den Nachwuchs, eine Stelle zu finden, seien höher, wenn die Schulen die Voraussetzungen dafür erfüllen.

Auch Microsoft-Mann Tesch ist der Überzeugung, dass der Mangel an IT-Kenntnissen bei Jugendlichen nur in Zusammenarbeit behoben werden kann. „Die Wirtschaft, die Schulen und die Politik müssen an einem Strang ziehen.“ Jeder müsse sehen, welchen Beitrag er leisten kann.


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Augen auf das Auf und Ab
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Experten sind sich einig: Die Banker brauchen die Zahlen, dem Chef reicht die Kurve. So bekommt er sie.

Weniger ist mehr – das gilt auch im Controlling. Die Podiumsdiskussion auf der CeBIT über „Frühwarnsysteme im Finanzwesen“ hat gezeigt, welche Geschäftsdaten Handwerker im Auge behalten sollten. Und was sie Beratern einbläuen müssen.

„50-seitige Abhandlungen gespickt mit Tabellen, das bringt nichts“, sagt Dr. Jörg Lahner. Der Experte bei der Handwerkskammer Hannover ärgert sich immer wieder über Analysen, die Controlling-Dienstleister für kleine Betriebe erstellen. „Der Bericht muss leserlich sein, die wesentlichen Kennzahlen genügen.“ Auch sollte er die Geschäftsentwicklung grafisch widerspiegeln. Viele Unternehmer betrieben kein Controlling, weil ihnen nicht einleuchte, wie sich damit „Mehrwert schaffen“ lässt, betont Lahner.

Auch Eckhard Schwarzer hält Zahlenkolonnen für kontraproduktiv. Im Bilde sein sollten Chefs über offene Posten und Liquidität, sagt das Mitglied der Datev-Geschäftsleitung. Er rät zu Trendkurven und „Ampeln“. Doch: Selbst die schönste Kurve könne in die Irre führen. „Das A und O ist eine ordentliche, zeitnahe Finanzbuchhaltung“, betont er. Die Praxis sieht anders aus. Die meisten Handwerksbetriebe schickten ihre Unterlagen monatlich per Post zum Steuerberater, die Auswertung erhielten sie dann zwei Wochen später, schildert Schwarzer. „So ergibt sich ein Zeitverzug von bis zu sechs Wochen.“ Währenddessen könne viel passieren.

Das weiß Ralf Jantschke nur zu gut. Der Steuerberater aus Herzogenaurach strickt seit Jahren Controlling-Berichte für Betriebe. Entscheidender Punkt: „Eine optimale Arbeitsteilung mit dem Unternehmer, je nach dessen Kompetenz“, erklärt der Experte. Wenn Belege spät nachgereicht werden, „kann es ein böses Erwachen geben“. In der Praxis bewährten sich digitale Belege. Unternehmen sparten mit dieser Art der Buchführung Zeit, und der Steuerberater könne schneller reagieren.

Die Augen reiben sich Chefs nicht selten auch aus einem anderen Grund. „Es wird vergessen, unterjährige Posten wie Abschreibungen zu buchen“, warnt Jantschke. Auf Jörg Lahners Kritik an verquasten Controlling-Berichten hin zupft er an der Krawatte. „Wie bei allen freien Berufen gibt es auch bei Beratern große Unterschiede“, betont er.

Hartmut Zeissig vertraut seit etlichen Jahren auf ein und denselben. „Man darf sich als Klient nicht passiv verhalten, sondern muss gezielt nach Dienstleistungen fragen“, sagt der Messebauer aus Springe. Zeissig, der 70 Mitarbeiter beschäftigt und europaweit Aufträge stemmt, verfolgt das Auf und Ab der Zahlen mit mehreren Instrumenten. Buchungen wickelt er in eigener Regie über das Internet ab. Von der Steuerkanzlei bekommt er am Monatsende eine Auswertung.

Obendrein landen auf dem Schreibtisch des Unternehmers täglich Kennzahlen für Projekte. Basis dafür sind neben der betriebswirtschaftlichen Auswertung Daten aus seiner Branchensoftware und Controlling-Instrumenten, die er selber entwickelt hat. Materialkosten, Stundensätze, Fremdleistungen – „wir können jederzeit sehen, wie die Deckungsbeiträge verlaufen“, erklärt Zeissig. Diese Kennzahlen haben noch eine weitere Funktion: „Unsere Projektteams nehmen sie als Planungsgrundlage für das folgende Jahr.“

Welche Daten sollte der Chef parat haben? „Jeder muss sich fragen, welche Informationen er braucht, um Entscheidungen zu treffen“, sagt Eckhard Schwarzer. Notwendig sei ein Signal, das zeige, welche Aufträge helfen, die Geschäftslage zu verbessern – ohne die Gefahr, sich zu übernehmen. Außerdem müsse der Handwerker sich klar machen, was Banker in Verhandlungen wissen wollen. Ein präzises Zahlenwerk sei für das Rating wichtiger denn je.

Lahner nickt nachdenklich, als der das hört. Manche stellten sich diese Fragen erst gar nicht, weil sie sich in Sicherheit wiegten, berichtet der Betriebsberater. „Die meinen, der Steuerberater kümmert sich um alles von allein.“ Ein gefährliches Missverständnis.

(mfi)


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