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Augen auf das Auf und Ab
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Experten sind sich einig: Die Banker brauchen die Zahlen, dem Chef reicht die Kurve. So bekommt er sie.

Weniger ist mehr – das gilt auch im Controlling. Die Podiumsdiskussion auf der CeBIT über „Frühwarnsysteme im Finanzwesen“ hat gezeigt, welche Geschäftsdaten Handwerker im Auge behalten sollten. Und was sie Beratern einbläuen müssen.

„50-seitige Abhandlungen gespickt mit Tabellen, das bringt nichts“, sagt Dr. Jörg Lahner. Der Experte bei der Handwerkskammer Hannover ärgert sich immer wieder über Analysen, die Controlling-Dienstleister für kleine Betriebe erstellen. „Der Bericht muss leserlich sein, die wesentlichen Kennzahlen genügen.“ Auch sollte er die Geschäftsentwicklung grafisch widerspiegeln. Viele Unternehmer betrieben kein Controlling, weil ihnen nicht einleuchte, wie sich damit „Mehrwert schaffen“ lässt, betont Lahner.

Auch Eckhard Schwarzer hält Zahlenkolonnen für kontraproduktiv. Im Bilde sein sollten Chefs über offene Posten und Liquidität, sagt das Mitglied der Datev-Geschäftsleitung. Er rät zu Trendkurven und „Ampeln“. Doch: Selbst die schönste Kurve könne in die Irre führen. „Das A und O ist eine ordentliche, zeitnahe Finanzbuchhaltung“, betont er. Die Praxis sieht anders aus. Die meisten Handwerksbetriebe schickten ihre Unterlagen monatlich per Post zum Steuerberater, die Auswertung erhielten sie dann zwei Wochen später, schildert Schwarzer. „So ergibt sich ein Zeitverzug von bis zu sechs Wochen.“ Währenddessen könne viel passieren.

Das weiß Ralf Jantschke nur zu gut. Der Steuerberater aus Herzogenaurach strickt seit Jahren Controlling-Berichte für Betriebe. Entscheidender Punkt: „Eine optimale Arbeitsteilung mit dem Unternehmer, je nach dessen Kompetenz“, erklärt der Experte. Wenn Belege spät nachgereicht werden, „kann es ein böses Erwachen geben“. In der Praxis bewährten sich digitale Belege. Unternehmen sparten mit dieser Art der Buchführung Zeit, und der Steuerberater könne schneller reagieren.

Die Augen reiben sich Chefs nicht selten auch aus einem anderen Grund. „Es wird vergessen, unterjährige Posten wie Abschreibungen zu buchen“, warnt Jantschke. Auf Jörg Lahners Kritik an verquasten Controlling-Berichten hin zupft er an der Krawatte. „Wie bei allen freien Berufen gibt es auch bei Beratern große Unterschiede“, betont er.

Hartmut Zeissig vertraut seit etlichen Jahren auf ein und denselben. „Man darf sich als Klient nicht passiv verhalten, sondern muss gezielt nach Dienstleistungen fragen“, sagt der Messebauer aus Springe. Zeissig, der 70 Mitarbeiter beschäftigt und europaweit Aufträge stemmt, verfolgt das Auf und Ab der Zahlen mit mehreren Instrumenten. Buchungen wickelt er in eigener Regie über das Internet ab. Von der Steuerkanzlei bekommt er am Monatsende eine Auswertung.

Obendrein landen auf dem Schreibtisch des Unternehmers täglich Kennzahlen für Projekte. Basis dafür sind neben der betriebswirtschaftlichen Auswertung Daten aus seiner Branchensoftware und Controlling-Instrumenten, die er selber entwickelt hat. Materialkosten, Stundensätze, Fremdleistungen – „wir können jederzeit sehen, wie die Deckungsbeiträge verlaufen“, erklärt Zeissig. Diese Kennzahlen haben noch eine weitere Funktion: „Unsere Projektteams nehmen sie als Planungsgrundlage für das folgende Jahr.“

Welche Daten sollte der Chef parat haben? „Jeder muss sich fragen, welche Informationen er braucht, um Entscheidungen zu treffen“, sagt Eckhard Schwarzer. Notwendig sei ein Signal, das zeige, welche Aufträge helfen, die Geschäftslage zu verbessern – ohne die Gefahr, sich zu übernehmen. Außerdem müsse der Handwerker sich klar machen, was Banker in Verhandlungen wissen wollen. Ein präzises Zahlenwerk sei für das Rating wichtiger denn je.

Lahner nickt nachdenklich, als der das hört. Manche stellten sich diese Fragen erst gar nicht, weil sie sich in Sicherheit wiegten, berichtet der Betriebsberater. „Die meinen, der Steuerberater kümmert sich um alles von allein.“ Ein gefährliches Missverständnis.

(mfi)


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