In Elektronikmärkten prügeln sich Kunden um vermeintliche Schnäppchen. Zu den Leidtragenden gehört das Handwerk.
Tumulte, Scherben, Verletzte. Wenn Elektronik-Riesen Filialen eröffnen, erwacht in Kunden das Tier. Tausende von Menschen haben kürzlich in Hamburg und Berlin neue Märkte gestürmt und eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Der
Spiegel spricht von vorweihnachtlichen Chaostagen. Und er vermutet dahinter eine neue Masche der Marketingstrategen: "Kalkulierte Kaufhauskrawalle" – um den Jagdinstinkt der Massen wecken.
Als Beute legen die Konzerne wie eh und je vermeintliche Schnäppchen aus. Und um das Jagdfieber anzuheizen, halten sie den Vorrat knapp. Dabei ist es noch nicht lange her, da hieß es, "Geiz-ist-geil" sei passé. Alles Lüge?
"Die Märkte sind mit ,Geiz-ist-geil' groß geworden, und darauf setzen sie doch weiter." SHK-Meister Friedrich Budde wundert sich nicht über die Chaostage. Die Kunden würden seit Jahren "mit Sprüche vollgedröhnt", ärgert sich der hannoversche Unternehmer. Den Einzelhandel hätten die Riesen auf weiter Flur plattgemacht. Und auch das Handwerk habe den Druck mehr und mehr zu spüren bekommen. Die Kaufhauskrawalle verhießen nicht Gutes für die Entwicklung des Kundenverhaltens.
Dass es ein Leichtes ist, Kunden anzustacheln, unterstreicht eine aktuelle Umfrage von handwerk.com:
Ist Geiz noch geil?. Viele Kunden schielen offensichtlich mehr aufs Geld denn je.
Doch Budde registriert auch, dass ein "Umdenkprozess" stattfindet. "Es wird wieder verstärkt darauf geachtet, ob eine Arbeit gut ausgeführt wird", betont er. Was treibt die Klientel dem Handwerk zu? "Kunden merken heute schneller, ob einer Anbieter Ahnung hat", sagt er und erklärt: "Wer bei innovativer Technik nur auf den Preis achtet, hat doch verloren."
Aller innovativen Technik und Kompetenz im Handwerk zum Trotz: Kunden kauften Produkte zunehmend beim Discounter oder über Ebay und spannten Handwerker nur zur Montage ein, berichtet Budde. Obwohl dieses Geschäft kaum etwas abwerfe, ließen sich viele Kollegen darauf ein. Warum? "Sie wollen die Kunden nicht ganz verlieren."
(mfi)