Die Flüche sind laut, wenn ein Unternehmer eine amtliche Statistik ausfüllen soll. Dabei sei das alles halb so schlimm, sagt eine Studie. Was sagen Sie?
Woher stammt die Anfrage? Ist das Ausfüllen der Formulare freiwillig? Oder droht ein Bußgeld, weil versehentlich die Mitarbeit an einer amtlichen Statistik verweigert wird? Andreas Stemberg hat in der Masse der Umfragewünsche, die er „wenigstens alle vier Wochen“ in der Geschäftspost findet, den Überblick verloren. Die Taktik des Spezialisten für Solar- und Gebäudetechnik: Die Schreiben landen komplett in der „runden Ablage“ seines Betriebes in Lage (Landkreis Lippe). Erst wenn eine „höchstamtliche Mahnung“ kommt, wird er aktiv. „Hurra“ schreit er auch dann nicht, soviel ist sicher.
Wenn über bürokratische Belastungen diskutiert wird, ist der Aufwand, den amtliche Statistiken verursachen, ein zentraler Punkt. Doch ist der Ärger überhaupt gerechtfertigt? Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat eine Studie vorgelegt, die sich intensiv mit den Belastungen durch Statistiken befasst. Danach muss nur jeder sechste Betrieb innerhalb eines Jahres an einer Umfrage teilnehmen. An einer amtlichen Umfrage, wohlgemerkt. Berichtspflichtige Betriebe mit bis zu neun Beschäftigten schaffen das laut DIW in durchschnittlich 6,1 Stunden. Fazit: Ein „schneller, breit spürbarer Erfolg beim Abbau von Bürokratielasten“ sei selbst bei einer „drastischen Reduzierung der Erhebungen Statistischer Ämter nicht zu erzielen“.
Vom Fragenkatalog einer Unternehmensberatung bis zur Erhebung eines Marktforschungsinstituts: Der Nerv-Faktor, den vergleichsweise unwichtige Anfragen bei Unternehmern wie Stemberg provozieren, geht offenbar auf wichtige Statistiken über. Die Interessenvertreter des Handwerks betrachten die Statistikmüdigkeit der Betriebe mit gemischten Gefühlen. Einerseits verstehen sie die Klagen, andererseits sind sie auf Datenmaterial angewiesen, damit sie auf der politischen Bühne agieren und Gesetze beeinflussen können.
Ein praktisches Beispiel: die Kostenstruktur-Statistik und die Frage nach den Energiekostenanteilen der Unternehmen. „Erst mit diesem Wissen lässt sich beurteilen, wie belastend die Ökosteuer für die verschiedenen Branchen ist“, sagt Dr. Hildegard Sander, Wirtschaftsreferentin der Vereinigung der Handwerkskammern Niedersachsen.
Und dennoch: Stemberg empfindet es als „unverschämt“, dass er „kostenlose Dienstleistungen“ für Statistik-Ämter erfüllen soll. „In kleinen Betrieben kann die Fragen oft nur der Chef selbst beantworten – dafür fehlt mir schlicht die Zeit.“ Am Anfang seiner Karriere hat er die Formulare noch seinem Steuerberater in die Hand gedrückt: „Aber das ist auf Dauer einfach zu teuer.“ Können Sie diese Einschätzung teilen? Wie viel Zeit müssen oder mussten Sie in amtliche Statistiken investieren? Oder ist der Kelch bisher an Ihnen vorübergegangen? Schreiben Sie der Redaktion!
(sfk)