Die aktuellen Großrazzien im Baubereich haben für Schlagzeilen gesorgt. Aber wie sieht es eigentlich mit der Bekämpfung der Schwarzarbeit im Kleinen aus? Der Tischler mit nur drei Angestellten, der Ein-Mann-SHK-Unternehmer, der Frisör auf dem Land: Können sich Handwerksmeister auf die Zollfahnder verlassen? Die Frage ergibt sich aus einer aktuellen handwerk.com-Umfrage. Denn danach sind mehr als 80 Prozent der Betriebsinhaber der Überzeugung, dass die Schattenwirtschaft sie Aufträge kostet. Gehen die Behörden aktiv genug gegen Schwarzarbeit vor?
Werner Meyer ist da eher skeptisch. Der Geschäftsführer eines Frisörsalons in dem kleinen Ort Wietmarschen (Niedersachsen) musste eine Filiale nach der anderen schließen, weil seine "Mitarbeiter mehr in die eigene Tasche als in die Kasse gearbeitet haben". Meyer ist der Überzeugung, dass seine ehemaligen Angestellten ihre Krankentage "richtig gut genutzt" haben – für sich selbst, versteht sich. Besonders schlimm sei das bei einer seiner Filialen in Nordrhein-Westfalen gewesen. Der dort zuständigen Zollbehörde habe er seine Hinweise vor anderthalb Jahren vorgelegt, aber das sei ohne Folgen geblieben. Seine Schlussfolgerung: "Die Behörden konzentrieren sich nur auf die großen und spektakulären Fälle im Baubereich."
Jetzt will Meyer einen neuen Versuch starten und die Schattenkonkurrenz in Wietmarschen an den Pranger stellen. Wie gut stehen Meyers Chancen? "Um welche Branche es geht, spielt für uns keine Rolle. Viel wichtiger ist die Qualität der Hinweise ", sagt Martin Brug, Pressesprecher des Hauptzollamtes in Osnabrück.
Laut Brug gibt es zwei Kategorien von Anrufern. Die Tippgeber der ersten Gruppe bleiben vage: "Ich habe gehört, da soll jemand schwarz arbeiten und fährt ein großes Auto." Das sei natürlich wenig hilfreich. Anrufer der zweiten Kategorie tragen konkrete Hinweise vor, etwa: "Ich bin einer von denen, die nicht sozialversicherungspflichtig angemeldet sind, wir werden weit unter Tarif bezahlt."
"Wir sind gut aufgestellt, gut ausgerüstet, gut ausgebildet. Und ein Personalabbau findet bei uns auch nicht statt", sagt Brug. Allein die Fahnder des Hauptzollamtes Osnabrück haben 2006 knapp 11.000 Personen und 2.400 Unternehmen überprüft: "Man muss zu jeder Zeit mit uns rechnen, wie sind an sieben Tagen der Woche unterwegs, auch samstags und sonntags und zu unchristlichen Zeiten. Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt."
Meyer wird diese Aussage jetzt überprüfen und seine Beweise der zuständigen Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FSK) in Nordhorn vorlegen: "Ich bin sehr gespannt, was dabei herauskommt."
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