Was sag ich bloß? Auf manche Frage im Vorstellungsgespräch fällt Bewerbern die Antwort schwer.
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Was sag ich bloß? Auf manche Frage im Vorstellungsgespräch fällt Bewerbern die Antwort schwer.

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3 unsinnige Fragen im Vorstellungsgespräch

Klassische Fragen für ein Vorstellungsgespräch finden Sie in vielen Ratgebern. Aber bringen die Sie weiter? Wir hätten da ein paar Ideen.

  • Damit Ihr Vorstellungsgespräch nicht zum Austausch von Plattitüden wird, sollten Sie nicht nur die typischen Fragen stellen. Sie bekommen dann auch nur typische Antworten.
  • Auf Fragen nach Schwächen und Zukunftsplänen geben die meisten Bewerber vorbereitete Antworten. Das nutzt Ihnen zum Kennenlernen gar nichts.
  • Erkundigen Sie sich lieber nach konkreten Vorstellungen und Wünschen, wenn Sie eine aufschlussreiche Antwort möchten.

In einem Vorstellungsgespräch will man sich kennenlernen – der Betrieb den Bewerber, der Bewerber den Betrieb. Entscheidend ist deshalb, die richtigen Fragen zu stellen. Natürlich gibt es klassische Bewerbungsfragen, doch ganz ehrlich: Zielführend sind sie oft nicht. Hier die drei unsinnigsten, aber häufigsten Fragen an Bewerber – und wie Sie es besser machen können.

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1. Frage: Erzählen Sie mal was von sich!

Die typische Eröffnungsfrage ist tatsächlich keine Frage, sondern eine Aufforderung. Und darin liegt das Problem: Was soll der Bewerber von sich erzählen? Dass er Meerschweinchen mag oder gern ins Kino geht? Das interessiert Sie wahrscheinlich nicht. Oder soll er über seine familiäre Situation reden? Darüber spricht man nicht offen in einem ersten Gespräch. Also wird der Bewerber das herunterbeten, was Sie schon aus seinem Lebenslauf wissen. Davon haben Sie beide nichts.

Ausnahme: Sie verlangen keinen Lebenslauflauf von Ihrem Bewerber. Dann seien Sie direkt: „Nennen Sie mir Ihre wichtigsten beruflichen Stationen.“ Oder noch einfacher: „Wo haben Sie denn bisher gearbeitet?“

Das wollen Sie tatsächlich wissen: Warum soll der Bewerber von sich erzählen? Damit Sie ihn besser kennenlernen: Arbeitet er selbstständig oder braucht er enge Führung? Liebt er Routine oder Abwechslung? Das erfahren Sie eher, wenn Sie sich nach Themen erkundigen, die für Sie und Ihren Betrieb wichtig sind.

So fragen Sie besser: Stellen Sie konkrete Fragen. „Bei welcher Arbeitsstelle waren Sie bislang am zufriedensten und warum“? Oder: „Wie sieht ein gelungener Arbeitstag für Sie aus? Mit welchen Aufgaben fühlen Sie sich am wohlsten?“ Bei angehenden Azubis können Sie nach Lieblingsprojekten oder -fächern in der Schule fragen.

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2. Frage: Was Ihre größte Schwäche?

Tja, was soll man als Bewerber darauf antworten? Natürlich hat jeder Fehler: Der eine verliert sich schnell im Detail, die andere reagiert empfindlich auf Kritik, der nächste hat Probleme mit der Pünktlichkeit. Aber binde ich das meinem zukünftigen Arbeitgeber auf die Nase? Eher nicht.

Also machen die Bewerber Stärken zu vermeintlichen Schwächen („Wenn ich mich in eine Arbeit vertiefe, vergesse ich schon mal den pünktlichen Feierabend.“) oder erzählen irgendwelchen Unsinn („Ich habe eine Schwäche für Süßigkeiten.“) Als Arbeitgeber bringen Sie solche Antworten nicht weiter.

Das wollen Sie tatsächlich wissen: Warum fragen Sie nach Schwächen? Wenn Sie wissen wollen, ob dem Bewerber wichtige Fähigkeiten fehlen, die er in Ihrem Betrieb braucht, erfahren Sie so sicher nichts darüber. Wollen Sie ihn unter Stress setzen? Dann wird er sich womöglich gegen Ihren Betrieb entscheiden.

So fragen Sie besser: Um zu erfahren, wo noch berufliche Lücken sind, erkundigen sich nach Erfahrungen mit Fehlschlägen und Arbeitsproblemen: „Wann ist Ihnen mal ein Fehler unterlaufen und wie haben Sie reagiert? Was tun Sie, wenn Sie mit einer Aufgabe nicht klarkommen?“

3. Frage: Wo sehen Sie sich fünf Jahren?

Freche Bewerber antworten: „Auf Ihrem Stuhl!“ und gut vorbereitete sagen: „Durch Fort- und Weiterbildung bin ich ein fester Bestandteil Ihres Unternehmens.“

Hm, und nun? Sie wissen trotzdem nicht, ob der Bewerber Sie nur als Sprungbrett für den Übergang sieht oder am liebsten bei Ihnen in Rente gehen möchte. Wahrscheinlich weiß er das selbst nicht, denn er kennt Ihren Betrieb ja noch nicht.

Das wollen Sie tatsächlich wissen: Wie tickt der Bewerber? Hat er Ambitionen und Pläne und passen die mit Ihrem Betrieb zusammen?

So fragen Sie besser: Halten Sie sich an überschaubare Zeiträume: „Wie stellen Sie sich die Einarbeitung vor? Was wünschen Sie sich für den Anfang?“ Sie können auch Möglichkeiten der Fortbildung ansprechen: „Was möchten Sie gern noch dazulernen?“ Das sagt auch etwas über Ambitionen und Pläne aus.

Überprüfen Sie Ihre Fragen!

Sie stellen ganz andere Fragen im Vorstellungsgespräch, aber bekommen trotzdem nicht die Antworten die Sie sich wünschen? Dann machen Sie sich einen Plan: Überlegen Sie, welche Informationen Sie tatsächlich von Ihrem Bewerber brauchen und passen Sie Ihre Fragen daran an.

Sie können solche Fragen auch ausprobieren. Erkundigen Sie sich bei Ihren Mitarbeiter, was sie in einem Vorstellungsgespräch antworten würden, oder stellen Sie Ihre Fragen in einem Ihrer Mitarbeitergespräche. Auch so können Sie zu spannenden Erkenntnissen kommen.

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