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Work-Life-Balance

34 Millionen Menschen schlaflos in Deutschland

Müdes Deutschland: Mehr als drei Viertel aller Arbeitnehmer in Deutschland leiden unter Schlafstörungen. Termindruck und Nachtschichten erhöhen das Risiko.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • 80 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland haben Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen. Das zeigt der aktuelle Gesundheitsreport der DAK.
  • Nur wenige Menschen lassen sich deshalb ärztlich behandeln. Die Folge: Fast die Hälfte der Arbeitnehmer ist bei der Arbeit müde.
  • Ursachen sind dem Report zufolge sowohl in den Arbeitsbedingungen zu suchen als auch in der persönlichen Situation vieler, die sich selbst um einen geruhsamen Schlaf, in dem sie vor dem Einschlafen Filme und Serien schauen oder private Angelegenheiten an Laptop und Smartphone erledigen.
  • Fachleute wie DAK-Vorstandschef Andreas Storm, schlagen Alarm: Da chronisch schlechter Schlaf der Gesundheit ernsthaft schaden können, müssten die Beschwerden ernst genommen werden.
  • Tipps von Fachleuten für einen gesünderen Schlaf.

Von Antje Todt und Martina Jahn

Immer mehr Menschen haben Probleme beim Ein- und Durchschlafen. Nach dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport fühlen sich derzeit 80 Prozent der Arbeitnehmer betroffen. Hochgerechnet auf die Bevölkerung sind das etwa 34 Millionen Menschen. Nur wenige von ihnen lassen sich ärztlich behandeln oder melden sich krank. Für Unternehmer bedeutet das: Fast die Hälfte der Erwerbstätigen ist bei der Arbeit müde, etwa ein Drittel ist regelmäßig erschöpft.

Auch die eigenen Akkus aufladen

„Die zunehmenden Schlafstörungen in der Bevölkerung sollten uns wachrütteln“, erklärt Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit. „Viele Menschen kümmern sich nachts um volle Akkus bei ihren Smartphones, aber sie können ihre eigenen Batterien nicht mehr aufladen.“ Die Beschwerden müssten ernst genommen werden, da chronisch schlechter Schlaf der Gesundheit ernsthaft schaden könne. So erhöhen beispielsweise Schlafstörungen das Risiko für Depressionen. Experten sehen hier einen Zusammenhang mit dem starken Anstieg der Krankmeldungen bei den psychischen Erkrankungen in den letzten Jahren.

Schlafmittel ohne Rezept

Viele Betroffene greifen zur Selbstmedikation. Jeder Zweite von ihnen kauft Schlafmittel ohne Rezept in der Apotheke oder Drogerie. Erschreckend lang erscheint die Einnahmedauer: Knapp jeder Vierte konsumiert Einschlafhilfen länger als drei Jahre. „Heute werden noch immer zu viele Mittel mit Abhängig­keitspotenzial über zu lange Zeiträume eingenommen“, warnt Prof. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Berliner Charité. Wichtig sei es, die Behandlung mit Schlafmitteln geschulten Ärzten zu überlassen.

Risiko Schichtarbeit

Ursache für Schlafprobleme sind nach der aktuellen DAK-Studie unter anderem die Arbeitsbedingungen. Wer häufig an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit arbeitet, steigert sein Risiko, die schwere Schlafstörung Insomnie zu entwickeln. Auch starker Termin- und Leistungsdruck, viele Überstunden sowie Nachtschichten und ständige Erreichbarkeit nach Feierabend gelten als wichtige Risikofaktoren der Schichtarbeit.

Viele Arbeitnehmer bringen sich aber auch selbst um einen geruhsamen Schlaf, in dem sie vor dem Einschlafen Filme und Serien schauen oder private Angelegenheiten an Laptop und Smartphone erledigen.

Etwa jeder Achte kümmert sich um berufliche Dinge wie E-Mails oder die Planung des nächsten Arbeitstages. Das Thema Schlaf werde von der Gesellschaft in eine Nebenrolle gedrängt, sagt Schlafexperte Fietze. „Der Körper braucht aber Zeit, um nach einem stressigen Tag abzuschalten und sich auf den Schlaf einzustellen.“

Krankenstand leicht gesunken

Der Gesamtkrankenstand ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken und lag im Jahr 2016 bei 3,9 Prozent. Betroffen waren knapp 47 Prozent, damit lag für beinahe jeden Zweiten eine Meldung über Arbeitsunfähigkeit (AU) vor. Spitzenreiter unter den Krankheitsarten waren die Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, gefolgt von psychischen Leiden sowie Erkrankungen von Lunge, Bronchien und Co. Mehr als die Hälfte aller Krankheitstage entfielen auf diese drei Kategorien. Im Durchschnitt dauerte ein AU-Fall im vergangenen Jahr knapp 13 Tage.

Für die Studie wurden die Daten von insgesamt 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet. Außerdem wurden über 5000 erwerbstätige Frauen und Männer im Alter von 18 bis 65 Jahren sowie zahlreiche Experten befragt.

Schlafen auf Raten

Schichtarbeitnehmer sollten auf regelmäßigen Schlaf achten. Auf eine Woche bezogen sollten es für Erwachsene im Schnitt sieben Stunden Schlaf täglich sein, um gesund zu bleiben, raten Experten der IKK classic. Für „Nachtschichtler“ hat sich das Schlafen auf Raten bewährt: Eine Hälfte nach der Schicht, eine Hälfte vor der Schicht. Der erste Schlafabschnitt von ca. vier Stunden findet am Vormittag im Anschluss an die Nachtschicht statt. Weitere drei Stunden können Sie dann vor der nächsten Nachtschicht nehmen. Weitere Tipps für einen entspannten Schlaf am Tage:

  • Ruhige Schlafstätte: Ihr Schlafzimmer sollte möglichst nicht zu der Straße mit dem größten Verkehrslärm liegen. Schlafen Sie in einem ruhigen Zimmer, in das wenig Tageslicht fällt.
  • Nur zum Schlafen: Verbannen Sie Fernseher, Schreibtisch, Computer, Bücher oder Zeitschriften aus Ihrem Schlafzimmer. Nutzen Sie es ausschließlich zum Schlafen. So lernt der Körper mit der Zeit, in diesem Raum zur Ruhe zu kommen.
  • Für Ruhe sorgen: Stellen Sie Telefon- und Türklingel leise. Für zusätzliche Ruhe sorgen Ohrstöpsel aus Wachs oder speziellem Schaumstoff.
  • Im Dunkeln ist‘s besser: Bringen Außenjalousien, Innenrollos oder dicke, schwere Vorhänge nicht die notwendige Dunkelheit, versuchen Sie, mit einer Schlafmaske zu schlafen.
  • Hausmittel statt Tabletten: Wer nicht einschlafen kann, sollte es mit Hausmitteln wie warmer Milch mit Honig oder beruhigenden Kräutertees versuchen. Auch Entspannungsübungen oder ruhige Musik helfen, in den Schlaf zu finden. Zu Schlafmitteln sollten Sie nur in Absprache mit Ihrem Arzt greifen.
  • Gesünder schlafen

Tipps für einen erholsamen und gesunden Schlaf

Richtige Temperatur – 17 bis 18 Grad: Das Schlafumfeld spielt eine wichtige Rolle für einen gesunden Schlaf. Lärm oder vorbeihuschende Autolichter sind genauso störend wie die falsche Temperatur im Schlafzimmer. Schlafexperte Dr. Alfred Wiater: „Das Einschlafen wird erschwert, wenn durch eine zu hohe Raumtemperatur der Körper nicht genügend Wärme abgeben kann. Die optimale Schlafraumtemperatur liegt zwischen 17 und 18 Grad Celsius.“

So schlafen Schnarcher besser: Schnarcher schlafen schlechter. Es kann sogar richtig gefährlich werden, wenn Atemstillstände dazukommen. Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom ist eine der schwerwiegendsten Schlafstörungen und es kann durch Schlafen in der Rückenlage verstärkt werden. Wiater: „Jenseits des Säuglingsalters wählt jeder die Schlaflage, die für ihn angenehm ist. Aber beim obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom ist die Seitenlage zu bevorzugen.

Monotone Tätigkeiten beruhigen: Wer abends schlecht einschlafen kann, sollte koffeinhaltige Getränke wie Kaffee oder Cola vermeiden. Perfekte Einschlafhelfer sind entspannende Tätigkeiten, die körperlich, psychisch und geistig anspruchslos sind. Das kann Stricken genauso wie Lesen sein. Auch klassische Entspannungstechniken, wie autogenes Training seien hilfreich.

Perfekte Schlafdauer – 7,5 Stunden: Für Erwachsene sind 7,5 Stunden die perfekte Schlafdauer. Wer wie viele Stunden Schlaf braucht, variiert stark. Die Schwankungsbreite liegt bei plus/minus 1,5 h. Generell sollte man so viel schlafen, dass man sich am Tag nicht müde fühlt. Zu wenig Schlaf ist, genau wie zu viel, kontraproduktiv und verkürzt die Lebenszeit.

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