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Chefsache: Verbieten ist nur zweite Wahl

5 Tipps: So überzeugen Sie Mitarbeiter!

Wer bei seinen Mitarbeitern etwas erreichen will, kommt um klare Ansagen nicht herum. Doch wollen Sie die Einhaltung der Regeln ständig kontrollieren? 5 Tipps, wie Sie mit weniger Kontrollen ans Ziel kommen.

Verständnis schaffen! - Wer nicht ständig alles kontrollieren will, muss Bewusstsein schaffen. Und das geht nicht nur mit Erklärungen und Anweisungen.
Wer nicht ständig alles kontrollieren will, muss Bewusstsein schaffen. Und das geht nicht nur mit Erklärungen und Anweisungen.
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Ein Beispiel: zu viele Privattelefonate während der Arbeitszeit. Natürlich können Sie es mit Verboten versuchen. Doch Verbote funktionieren eigentlich nur, wenn Sie deren Einhaltung regelmäßig kontrollieren. Das ist aufwendig und oft schwierig. Zum Beispiel, wenn Ihre Mitarbeiter unterwegs bei Kunden sind oder auf der Baustelle.

Einfacher wäre es, wenn Ihr Team einsieht, dass zu viele private Telefonate ein Problem sind.

Wie Arbeitgeber ohne Verbote zum Ziel kommen, haben wir den Coach Heiko Brix aus Flensburg gefragt. Hier seine Tipps:

1. Ansprechen – ohne Vorwürfe!
Ansprechen müssen Sie das Thema. Doch vermeiden Sie Vorwürfe und Schuldzuweisungen. „Sie bringen nichts, wenn ein Mitarbeiter sein Verhalten auf Dauer ändern soll“, sagt Brix. Dazu müsste der Mitarbeiter verstehen, warum das Thema für Sie und für den Betrieb wichtig ist.

Tipp: Statt „Du telefonierst zu viel …“ sollten Sie solche Gespräche besser mit einer „Ich-Botschaft“ eröffnen und Ihre Absichten deutlich machen. Zum Beispiel so: „Ich mache mir Sorgen. Wir verbringen zu viel Zeit mit privaten Telefonaten. Mir ist das Thema wichtig, weil … Ich möchte gerne erreichen, dass wir weniger Zeit damit verbringen …“

2. Verständnis aufbauen!
Ob sich ein Mitarbeiter darauf einlässt? Das hängt davon ab, ob er versteht, um was es wirklich geht. „Entscheidend ist, dass der Mitarbeiter die Zusammenhänge sieht“, sagt Brix.

Sein Rat: Beschreiben Sie, was für Auswirkungen zu häufige private Telefonate haben können. Wie das auf Auftraggeber wirkt und welche Folgen es für die Kundenzufriedenheit hat. Warum unzufriedene Kunden ein Problem sind – also Mängelrügen, statt Empfehlungen, schlechtes Image, statt neue Aufträge. Und wie sich das auf die Unternehmensfinanzen und damit auch auf die Sicherheit der Arbeitsplätze auswirken kann.

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3. Mit Fragen den Blickwinkel verändern!
Was beim Mitarbeiter ankommt, hängt von der Wahrnehmung ab. - Coach Heiko Brix rät: Wer als Chef Fragen stelllt, regt eher zum Mitdenken an.
Coach Heiko Brix rät: Wer als Chef Fragen stelllt, regt eher zum Mitdenken an.
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Ganz so einfach wird das nicht bei jedem Mitarbeiter funktionieren. „Ob jemand viel telefoniert, das ist auch eine Frage der subjektiven Wahrnehmung. Was dem einen viel vorkommt, fällt einem anderen vielleicht gar nicht auf“, sagt Brix.

Sein Tipp: „Stellen Sie Fragen, statt zu viel zu erklären.“ Zum Beispiel so: „Stell Dir vor, Du beauftragst selbst als Kunde einen Handwerker und merkst, dass er während der Arbeit privat telefoniert. Wie lange dürfte so ein Telefonat dauern und wann wäre es dir zu viel?“

Fragen lohnen sich noch aus einem anderen Grund, sagt Brix: „Nicht nur Mitarbeitern sind manche Probleme der Arbeitgeber nicht bewusst. Häufig haben Arbeitgeber ihrerseits einen blinden Fleck, wenn es um die Probleme der Mitarbeiter geht.“. Warum telefoniert der Mitarbeiter denn so oft während der Arbeitszeit? Gibt es vielleicht private Probleme?

Arbeitgeber sollten sich zudem selbst hinterfragen, rät Brix. „So ein Verhalten kann auch ein Signal sein für geringe Motivation und ein schlechtes Arbeitsklima, und das ist letztlich ein Führungsproblem.“

Andererseits: Ist das Arbeitsklima gut, dann können Sie Themen wie die private Handynutzung problemlos absprechen, sagt der Experte. „Wenn sich Mitarbeiter wohlfühlen und sich für den Betrieb engagieren, dann lassen sie sich mit wenig Aufwand für solche Probleme sensibilisieren.“

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4. Keine voreiligen Schlüsse ziehen!

Zur Vorsicht rät Brix, wenn der Arbeitgeber Mitarbeiter kurz nach so einem Gespräch wieder mit dem Handy in der Hand beobachtet. „Dafür kann es gute Gründe geben. Man sollte aus einer einzelnen Beobachtung nie gleich auf das Ganze schließen.“

Sein Rat: Warten Sie erst einmal ab und beobachten Sie, wie sich die Sache entwickelt.

5. Lob nicht vergessen!
Das Verhalten ändert sich? Die privaten Telefonate werden tatsächlich weniger? Dann ist es Zeit für ein Lob. „Bei der Gelegenheit würde ich noch einmal daran erinnern, warum es wirklich wichtig ist für die Kundenzufriedenheit, die Auftragslage usw.“, sagt Brix.

Und wenn alles nichts bringt?
Und wenn die Gespräche und das Abwarten nichts bringen? „Wenn ich als Arbeitgeber vorher alles ausprobiert habe, dann ist das der Zeitpunkt für arbeitsrechtliche Konsequenzen.“

Bis dahin sollte der Arbeitgeber allerdings auf Aushänge und Abmahnungen verzichten, rät Brix. „Wenn ich Gespräche führe und gleichzeitig mit Konsequenzen drohe, erreiche ich nur eins: Die Mitarbeiter werden sich mehr Mühe geben, beim Telefonieren nicht erwischt zu werden.“

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(jw)






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