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Abrechnungsfalle Mini-Job

Abrechnungsfalle Mini-Job

Bei der Entlohnung geringfügig Beschäftigter können Arbeitgeber viele Fehler machen. Schriftliche Arbeitsverträge und Anmeldung bei der Krankenkasse sind auch bei 325-Euro-Jobs Pflicht.

Studierende, die im Betrieb Engpässe überbrücken helfen, sind in vielen Unternehmen eine feste Einrichtung. Als geringfügig Beschäftigte sind sie billige, weil teilweise sozialversicherungsfreie Aushilfskräfte. Der Firmeninhaber als gewissenhafter Arbeitgeber führt Buch über die Jahresbeschäftigungszeit seiner Teilzeitstudenten: Arbeiten diese länger als insgesamt 26 Wochen im Jahr mehr als 20 Wochenstunden im Betrieb, gelten sie als normale Beschäftigte ob sie im Semester oder während der Ferien tätig sind, ist unerheblich.

Das böse Erwachen kann dennoch kommen, erklärt Horst Marburger, Sozialversicherungsexperte und Chefredakteur des Praxishandbuchs für Teilzeitkräfte und Aushilfen. Stelle sich nämlich heraus, dass der Student sein Studium über weitere Minijobs finanziert und dabei die 325-Euro-Grenze überschreitet, ist er sozialversicherungspflichtig wie ein normaler Arbeitnehmer. Schlimmstenfalls müsse der Unternehmer dann die Sozialabgaben nachentrichten.

Detaillierte Aufstellungen über Stundenabrechnung

Gegen solche Überraschungen kann er sich nur wappnen, wenn er sich von seiner Aushilfskraft vor Vertragsabschluss eine detaillierte und unterschriebene Aufstellung darüber geben lässt, wieviel Stunden er bei anderen Arbeitgebern leistet, rät Marburger.

Gefeit davor, dass der Beschäftigte unbeabsichtigt seine Verdienstgrenze überschreitet, sei der Arbeitgeber aber mit einer solchen bestätigten Aufstellung der Tätigkeiten nicht: Wenn nämlich ein entsprechender Tarifvertrag existiert, hat der Beschäftigte Anspruch auf Weihnachts- und Urlaubsgeld. Und der Betriebsprüfer gehe in jedem Fall davon aus, dass die tariflichen Lohnbestandteile gezahlt worden sind ob der Arbeitnehmer sie auch erhalten hat, ist dabei unerheblich. Auch dieses kann zur vollständigen Sozialversicherungspflicht des Arbeitnehmers führen, denn die Sonderzahlungen werden auf den Monatsverdienst umgerechnet und erhöhen diesen entsprechend.

Fehlerquellen

Marburger weist auf weitere Fehlerquellen hin, die Arbeitgeber bei der Abrechnung von Teilzeitkräften immer wieder begehen:

Der Arbeitgeber schließt mit seiner Teilzeitkraft keinen schriftlichen Arbeitsvertrag ab. Wenn dieser später bestimmte Abmachungen bestreitet, kann das überflüssigen Ärger bedeuten.

Er meldet einen geringfügig Beschäftigten nicht bei der Krankenkasse an. Diese Nachlässigkeit kann ihn ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro kosten.

Er prüft nicht, ob er der Teilzeitkraft anstelle einer höheren Entlohnung steuergünstige Sachbezüge (kleine Geschenke, Arbeitskleidung, Beihilfen bei Krankheits- oder Unglücksfällen, Darlehen, Kindergartenkosten) gewähren kann. Damit versäumt er eine legale Möglichkeit, ihr finanzielle Anreize für besonders gute Leistungen zu gewähren, ohne dass Sozialversicherungspflicht eintritt.

Wann ist ein Job ein Minijob?

Für geringfügig entlohnte Beschäftigungsverhältnisse muss der Arbeitgeber pauschale Sozialversicherungsbeiträge abführen, wenn das Beschäftigungsverhältnis weniger als 15 Stunden pro Woche beträgt und die monatliche Vergütung kleiner als 325 Euro ist. In diesem Falle zahlt er zwölf Prozent vom Arbeitsentgelt an die gesetzliche Rentenversicherung und zehn Prozent an die Krankenversicherung. (§ 8 SGB IV, § 7 SGB V, § 5 Absatz 2 SGB VI, § 27 Absatz 2 SGB III)

Die Lohnsteuer können Arbeitnehmer unter Verzicht auf die Lohnsteuerkarte pauschal mit 20 Prozent angeben, wenn die monatliche Vergütung nicht höher als 325 Euro liegt und der Stundenlohn nicht mehr als zwölf Euro beträgt. (§ 40a EStG)

Kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse sind sozialversicherungsfrei, wenn sie seit ihrem Beginn in Jahresfrist zwei Monate (bei fünf Tagen Beschäftigung in der Woche) oder 50 Arbeitstage nicht überschreiten (bei weniger als fünf Tagen Beschäftigung in der Woche). (§ 8 SGB IV, § 7 SGB V, § 5 Absatz 2 SGB VI, § 27 Absatz 2 SGB III)

Die Lohnsteuer kann bei kurzfristigen Beschäftigungsverhältnissen unter Verzicht auf die Lohnsteuerkarte mit 25 Prozent pauschaliert werden, wenn es sich um eine gelegentliche, nicht wiederholte Beschäftigung handelt, die 18 zusammenhängende Arbeitstage nicht überschreitet.

Die Vergütung pro Tag darf im Schnitt nicht höher als 62 Euro liegen, pro Stunde nicht höher als zwölf Euro. Eine höhere Vergütung ist nur dann möglich, wenn die Beschäftigung zu einem unvorhergesehenen Zeitpunkt erforderlich geworden ist. (§ 40a EStG)

Freistellungsbescheinigung ist Pflicht

Den Arbeitslohn dürfen sich geringfügig Beschäftigte nur mit Erlaubnis des Finanzamtes steuerfrei auszahlen lassen.

Im Finanzamt können sich die Mitarbeiter den Vordruck für die Bescheinigung zur Steuerfreistellung des Arbeitslohns für ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis besorgen. Da die Steuerfreiheit in ihrem wohlverstandenen Eigeninteresse liegt, werden sie diesen Gang nicht scheuen. In der Bescheinigung müssen sie unter anderen bestätigen, dass sie keine weiteren Beschäftigungsverhältnisse eingegangen sind, die zusammen mit ihrem Minijob in dem Handwerksunternehmen die 325-Euro-Grenze überschreiten.

Die Handwerksunternehmer sollten sich die Freistellungsbescheinigung vorlegen lassen, bevor sie den Arbeitsvertrag abschließen. Im Lohnkonto müssen sie unter Angabe von Steuernummer und Finanzamt des Beschäftigten dokumentieren, ob der Beschäftigte steuerpflichtig ist. Daher sollten sie darauf drängen, dass ihre Beschäftigten den Antrag rechtzeitig stellen und jährlich erneuern.

Buchtipps

Wegweiser im Paragrafen-Dschungel

Im Nachschlagewerk Praxishandbuch der 325-Euro-Kräfte amp; Aushilfen informieren Experten über die geltenden Regelungen für Minijobs. Bei der praktischen Umsetzung helfen Beispiele, Checklisten und Musterverträge.

Das Praxishandbuch ist zu beziehen beim Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, Tel. (02 28) 95 50-120, Fax (02 28) 35 97 10. Das Grundwerk umfasst 896 Seiten und kostet 39,88 Euro, dazu kommen regelmäßige Akualisierungslieferungen zum Seitenpreis von 26,2 Cent.

Broschüren vom Ministerium

Die beiden kostenlosen Broschüren des Bundesarbeitsministeriums (BMA) Teilzeit alles was Recht ist und Geringfügige Beschäftigung die 325-Euro-Regelung informieren über die Rechte und Pflichten bei Teilzeitarbeit auf der Grundlage des neuen Teilzeitgesetzes, das seit 2001 in Kraft ist.

Die Broschüren gibt es auf dem Portal des BMA unter www.bma.bund.de zum kostenlosen Download. Dort können sie auch als Broschüre bestellt werden.

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Minijobs

Minijob: 400 Euro brutto wie netto

Ab 1. April 2003 werden Minijobs ohne Lohnsteuerkarte wieder attraktiver. Die derzeit geltende Höchstgrenze von 325 Euro steigt auf 400 Euro, der Arbeitnehmer muss keine Abgaben fürchten. Viele Handwerksbetriebe können aufatmen: Minijobs ohne Lohnsteuerkarte zu vergeben, wird nun erheblich einfacher.

Einen kurzfristigen Minijbber einzudtellen,  hat für den Arbeitgeber Vorteile.
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Viel zu tun? Kurzfristiger Minijobber kann helfen

Wenn plötzlich viel zu tun ist, kann es sinnvoll sein, einen kurzfristigen Minijobber einzustellen. Diese Vorteile haben Arbeitgeber davon.

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Grundlegendes zu den Minijobs

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Sonderveröffentlichung Haufe

Mini-Jobs: Es wird teurer!

Firmenchefs müssen scharf kalkulieren, ob Umstieg lohnt - Haufe-Broschüre hilft dabei mit praxisnahen Tipps - Kostenloser Download

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