Foto: Denny Gille

Strategie

„Wünsch dir was“ – drei Worte für einen Handwerkertraum

Metallbildner Andreas Henschel baut sein Unternehmen um. Für seinen Handwerkertraum arbeitet er hart: mit Flex, Schweißgerät und einer Million Ideen.

Auf einen Blick

  • Als Subunternehmer im Bereich Stahlbau hat sich Andreas Henschel einen Namen gemacht. Jetzt startet er mit exklusiven Möbeln durch.

  • Lange hat der Metallbildner Möbelbau nur als Hobby betrieben. Das änderte sich mit einer Anfrage der Handwerkskammer.

  • Zur neuen Unternehmensausrichtung gehört auch eine clevere Idee zum Standortmarketing: Mit Events will der Unternehmer potenzielle Kunden zu seinem Betrieb locken.

Was? Das ist gar keine Visitenkarte, die Andreas Henschel da gerade zückt? Das Format passt eigentlich zum bekannten Kärtchen, Name und Adresse sind auch darauf. Was ist anders? „Das ist deine Eintrittskarte für ‚Wünsch dir was‘“, sagt der 32-Jährige. Bilder von Skulpturen, exklusiven Möbelstücken und einer Industriehalle sind darauf zu sehen. Sie zeigen das Repertoire des Metallbildners.

‚Wünsch dir was‘ entsteht in einer ruhigen Ecke auf einem großen Gelände in Schönebeck bei Magdeburg. Henschel hat es vor rund zwei Jahren erworben und baut es stetig aus. Die Fertigungshalle mit Büroräumlichkeiten ist schon älter. Fenster und ein Teil der Fassade sind neu. Baumstämme mit beachtlichen Durchmessern liegen neben breiten Vollholzschnitten quer vor der Halle in der Sonne.

Auf diesem Gelände erfüllt sich Andreas Henschel gerade seinen Handwerkertraum: Individuelle Möbel für eine exklusive Kundschaft will er mit SWD Steelware Design bauen. Dabei hat er sich in elf Jahren Selbstständigkeit vor allem als Subunternehmer für Stahlkonstruktionen und Industrieservice einen Namen gemacht.

Vom Stahlbau zu exklusiven Möbeln

Woher der Wandel? „Möbel habe ich immer nur als Hobby nebenbei gebaut“, sagt Henschel. So entstanden kleinere Schweißarbeiten, Skulpturen oder auch mal ein höhenverstellbares Bett für Freunde und Bekannte. Doch 2016 hat die Handwerkskammer Magdeburg gefragt, ob der Unternehmer nicht auf der Mitteldeutschen Handwerksmesse in Leipzig einige Metallarbeiten ausstellen könnte. Er hat hin- und herüberlegt und – abgelehnt. „Was hätte ich ausstellen sollen? Jedes Möbelstück war eine Sonderanfertigung, alle verkauft, keines zweimal gebaut.“

Doch zeitgleich hat der Unternehmer auch das neue Firmengelände bezogen. 10.000 Quadratmeter – viel Platz für neue Ideen. „Da kommt man ins Rattern“, sagt Henschel. So meldete er sich doch wieder bei der Kammer und fragte nach dem Messeplatz. Nun war er gesetzt. Was er ausstellen sollte, wusste Henschel noch immer nicht.

Ein Baum an Skizzen und die zündende Idee

„Ich habe einen gefühlten Baum an Skizzen und Ideen in den Mülleimer geworfen“, erzählt Henschel. Was könnte er machen, was andere nicht machen? „Jeder sollte es benötigen. Man sollte es zweckmäßig benutzen können und zugleich sollte es faszinieren, wie eine Skulptur." Diese Gedanken standen auf der Ideenliste des Unternehmers. Die zündende Idee: Möbel mit einem Metallfußdesign, das an die gefalteten Origami-Techniken angelehnt ist. Das war die Geburtsstunde der Geometik-Serie.

An einem Tisch der Serie führen wir gerade das Interview, sitzen auf den dazu passenden Stühlen. Wobei: Eigentlich seien das gar keine Stühle. Henschel nennt sie Sitzmöbel, weil sie verschiedene Sitzmöglichkeiten vereinen. „Die Sitzfläche ist designed wie ein Hocker“, sagt er. Man kann in jeder Richtung darauf sitzen. Trotzdem hat man eine Rückenlehne, die wahlweise Armlehne oder Ellenbogenauflage sein kann. Der Stuhl wandelt sich mit jeder Sitzposition – und das Design verändert sich mit jeder Änderung des Blickwinkels: Wer den Stuhl entlang seiner vier Seiten dreht, wird acht verschiedene Perspektiven entdecken. Jedes Mal hat der gefaltete Stahlfuß eine andere Form. „Formwandler“ nennt der Unternehmer diesen Effekt.

Standortmarketing mit Events

Mit individuellen Designs für die Kundschaft und seinen exklusiven Möbelserien will Henschel nun durchstarten. Überall auf dem Gelände kann man die Handschrift des Gründers von Steelware Design erkennen. Das fängt draußen beim großen Metall-Logo auf Betonsockel an und setzt sich innen fort. Ein Laser in der Werkstatt projiziert die Schnittkante auf den Rohling eines stählernen Tischgestells, auf dem Boden wartet ein Couchtisch mit Vollholzplatte auf seine Veredelung. „Ich habe mit einem befreundeten Chemiker ein Finishing entwickelt, das die natürliche Struktur des Holzes erhält, aber sogar aus weichem Pappelholz eine knochenharte Tischplatte macht“, erzählt Henschel.

Für seinen Traum arbeitet der Handwerker an vielen Ecken gleichzeitig. Büro- und Gästeräume werden gerade ausgebaut. Vor der Halle soll ein Showroom für seine Arbeiten entstehen. Hinter der Halle plant er einen Schwimmteich vor Nadelwaldkulisse. Auch eine Zugbrücke darf nicht fehlen. Sein Gelände will Henschel für Events anbieten. Auch um es zum Marketing zu nutzen. „Wenn die Freunde von meinen Kunden bei mir feiern, lernen die auch meine Arbeiten kennen“, erklärt der 32-Jährige.

Über seinen Berufsweg sagt der Unternehmer: „Ich habe früh gelernt, dass ich mit Kunst nicht meinen Lebensunterhalt verdienen kann.“ Vielleicht kann er es am Ende doch.

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