Die Ursache kann auch eine andere sein.
Foto: Anut21ng Photo - stock.adobe.com

Urteil

Arbeitsunfall ja – aber was ist mit den Folgen?

Sind alle Beschwerden, die nach einem Arbeitsunfall auftreten, auch Folgen dieses Unfalls? Darüber musste jetzt ein Gericht entscheiden.

Arbeitsunfälle und ihre Folgeerkrankungen sind über die gesetzliche Versicherung abgesichert. Sind aber alle Beschwerden, die nach einem Unfall auftreten, auch durch ihn verursacht? Darüber hat das Sozialgericht Karlsruhe entschieden.

Arbeitsunfall oder nicht? Die Details machen den Unterschied

Betrunken gestürzt: Arbeitsunfall. Auf Firmentoilette verunfallt: leider Privatsache. Wir erklären die Feinheiten des Versicherungsschutzes – und worauf es bei der Unfall-Schilderung ankommt.
Artikel lesen >

Der Fall: Ein Maler wollte auf einem Gerüst stehend eine etwa 30 Kilo schwere Leiter auf die nächste Gerüstlage befördern. Dabei verspürte er einen heftigen Schmerz im rechten Schultergelenk. Er konnte die Leiter nicht mehr halten, die auf ihn fiel und dabei an der Hüfte traf. Die Berufsgenossenschaft erkannte den Vorfall als Arbeitsunfall an, sah aber als Unfallfolge allein die Hüftprellung. Dass der Mann außerdem an einer Schädigung einer Schultersehne litt, sei keine Folge des Unfalls, sondern eine degenerative Veränderung, argumentierte die Berufsgenossenschaft. Der Maler klagte.

Das Urteil: Das Sozialgericht Karlsruhe schloss sich der Sicht der Berufsgenossenschaft an. Der Unfall sei nicht ursächlich für die Schulterbeschwerden gewesen. Es bestehe nur ein zeitlicher Zusammenhang zwischen der versicherten Tätigkeit und dem Auftreten der Gesundheitsstörung. Die Verletzung einer Sehne, an der der Maler litt, setze einen anderen Unfallverlauf voraus, so das Gericht. Zudem belegten medizinische Befunde einen degenerativen Sehnenschaden. Dass der Mann vor dem Unfall weder Probleme im Bereich des rechten Schultergelenks gehabt habe, noch ärztliche Behandlungsmaßnahmen erforderlich gewesen seien, sei in diesem Zusammenhang unwesentlich.

Sozialgericht Karlsruhe, Urteil vom 27.06.2019, Az. S 1 U 3580/18

Tipp: Sie wollen keine wichtigen Infos mehr zum Thema Arbeitsrecht verpassen? Mit dem handwerk.com-Newsletter bleiben Sie auf dem Laufenden. Hier geht es zur Anmeldung!

Auch interessant:

„Arbeitsschutz? Ist das wichtigste überhaupt!“

Handwerksmeister Michael Böddener folgt beim Thema Arbeitsschutz einem klaren Anspruch: Kein Risiko für die Mitarbeiter eingehen.
Artikel lesen >

Arbeitsrecht: Diese 10 Urteile sollten Arbeitgeber kennen

Befristung, Videoüberwachung oder Resturlaub – es gibt viele Gründe für Streit mit Mitarbeitern. Diese Urteile des Bundesarbeitsgerichts sollten Chefs kennen.
Artikel lesen >

Recht

Zahnersatz nach Arbeitsunfall auch bei Vorschädigung

Wochen nach ihrem Arbeitsunfall mussten einer Frau zwei Zähne gezogen werden. Die Berufsgenossenschaft wollte nicht zahlen. Muss sie aber.

Urteil

Unfall in der Pause – versichert oder nicht?

Ein Mitarbeiter geht während einer Pause spazieren und verletzt sich vor dem Eingang. Ein Gericht entschied jetzt, ob das ein Arbeitsunfall ist.

Arbeitsrecht

Einstündiger Arztbesuch ist kein Arbeitsunfall

Ein Beschäftigter ging während der Arbeitszeit zum Arzt. Auf dem Rückweg hatte er einen Unfall. Gesetzlich versichert war er dabei nicht, urteilte ein Gericht.

Urteil

Ist Sturz beim Kaffee kaufen ein Arbeitsunfall?

Auf dem Weg zum nächsten Kundentermin noch schnell einen Coffee-to-go kaufen? Das ist nicht ohne Risiko, wie dieser Fall zeigt.