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Handwerker ringt mit Investoren

Allein unter Löwen

Was für ein Kampf: In einer TV-Show will Martin Ecker fünf Investoren von seinem Verschluss- und Tragesystem für unhandliche Säcke überzeugen. Doch die „Löwen“ fletschen die Zähne.

Gründer will durchstarten
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Gründer will durchstarten - 80.000 Tragfix-Exemplare hat Martin Ecker schon verkauft.
80.000 Tragfix-Exemplare hat Martin Ecker schon verkauft.
Foto: www.tragfix.de

Durch einen Tunnel aus Käfiggitter muss Martin Ecker schreiten. Dann steht er im Rampenlicht der „Höhle der Löwen“; einer VOX-Sendung, die findige Gründer mit Investorengrößen zusammenbringt. Die Löwen – das sind die Investoren.

Eckers Erfindung heißt Tragfix. Der verschließt zuverlässig alles, was in Säcken gelagert wird. Zement, Mörtel, Hundefutter: Für 14,90 Euro schützt der Tragfix jeden Sackinhalt vor dem Auskippen und Verderben und er hilft auch noch, ihn leichter zu tragen. Seinen Berufsalltag als selbstständiger Bautenschützer hat Eckers Erfindung damit schon vereinfacht.

Verschließt Säcke ...
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Verschließt Säcke ... - ... hilft beim Tragen: Tragfix
... hilft beim Tragen: Tragfix
Foto: www.tragfix.de

Der Gründer: sucht Partner
Doch das ist nicht alles. 80.000 Tragfix hat er schon verkauft. Jetzt strebt Ecker nach mehr Umsatz, mehr Kunden. Dafür braucht er einen starken Partner mit einem großen Vertriebsnetz.

„Der Tragfix ist ein richtiger Problemlöser, jeder sollte wissen, dass es ihn gibt“, erklärt Ecker dem fünfköpfigen Raubtierrudel. Zu den Investorengrößen gehören Erlebnisreise-Anbieter Jochen Schweizer und Teleshopping-Queen Judith Williams.

Einer von ihnen soll in sein Geschäft investieren. 150.000 Euro will Martin Ecker für sieben Prozent seiner Firmenanteile haben.

Doch ehe er diesen Wunsch äußern kann, greifen die Löwen an: Seite 2.

Die Löwen: suchen Schwachpunkte 

Gut gebrüllt, Investor
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Gut gebrüllt, Investor - Die Investoren-Jury kennt kein Erbarmen beim Schlagabtausch mit den Gründern.
Die Investoren-Jury kennt kein Erbarmen beim Schlagabtausch mit den Gründern.
Foto: fotolia.de / edan

Zuerst zerreißt das Rudel eine Zahl in der Luft: den Unternehmenswert. 2,1 Millionen setzt Ecker in der Sendung an – inklusive Patenten und Produktionsmaschinen. Das ist zwar deutlich weniger, als er zuvor gemeinsam mit Beratern der Handwerkskammer ermittelt hatte. Doch immer noch zu viel für die Löwen.

„Ihr Produkt ist wirklich gut. Ihre Bewertung ist für mich zu hoch“, sagt einer – und steigt aus. Jochen Schweizer setzt noch einmal nach. „Sie sind mit Ihrer Bewertung so Lichtjahre über einer Realbewertung für mich.“ Auch er zieht sich zurück.

Ein Löwe schluckt den Köder
„Es wurde so argumentiert, als stünde ich total am Anfang mit meiner Entwicklung“, resümiert Martin Ecker. „Dabei beliefere ich schon die komplette chemische Bauindustrie in Deutschland.“ Münchener Wirtschaftswissenschaftler haben das Verkaufspotenzial des Tragfix in Deutschland auf 30 Millionen Stück geschätzt. Doch die Prognose ist den Löwen nichts wert.
 
Außer einem: Shopping-Queen Judith Williams will mit 150.000 Euro einsteigen. Ein Glücksfall. Sie ist die Art Partnerin mit einem gigantischen Vertriebsnetz, die Ecker sucht.
 
 Aber ihr Angebot hat einen gewaltigen Haken: Seite 3

Wer zögert, verliert

"Ist gerade der totale Wahnsinn!"
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Für Martin Ecker hat sich der TV-Auftritt unterm Strich gelohnt.
Foto: www.tragfix.de

Judith Williams bietet dem Tragfix-Mann alles, was er braucht. Nur will sie dafür nicht sieben Prozent der Firmenanteile sondern 51!
 
Ecker lehnt ab. „Das wäre ein Ausverkauf bevor es überhaupt richtig losgegangen ist.“ Und Williams? Bessert nach! Der Tragfix-Erfinder hat sie am Haken. Das neue Angebot: 26 Prozent seiner Firma, aber die 150.000 Euro muss er zurückzahlen.
 
Doch dann läuft die Verhandlung aus dem Ruder. „Ich war am Ende etwas bockig“, sagt Ecker heute. „Ich mag es nicht, wenn mein Unternehmenswert heruntergeputzt wird.“ So sagt er zum Angebot nicht ja, nicht nein, sondern zögert: „Ich brenne für das Produkt. Das würde ich mir halt gerne von meinen Investoren wünschen.“
 
Da verliert die Löwin die Geduld mit dem Tragfix-Erfinder. „Dass ich bereit bin, mit Ihnen zusammenzuarbeiten, ist eine Wertschätzung, die ich Ihnen entgegenbringe“, sagt sie. „Rückwärts empfinde ich das gerade nicht so. Deswegen bin ich raus.“
 
Killerinstinkt kann man lernen 
Mit Williams am Haken ist Ecker gekentert. Ob er heute anders reagieren würde? Schwer zu sagen. „Ich hätte mir gewünscht, dass man nochmal drei Sätze miteinander redet.“ Doch dafür ist im Showkonzept kein Platz. Die Höhle der Löwen ist knallhart.
 
Dennoch: Für Martin Ecker hat sich der Auftritt gelohnt. Nach der Sendung liefen bei ihm die Telefone heiß. „Das ist gerade der totale Wahnsinn“, sagt er.
 
Nur dem Killerinstinkt der Löwen, dem Druck, den sie ausübten, fühlte er sich in der Hitze des Gefechts nicht gewachsen.
 
„Das kann man lernen“, sagt Gründer-Berater Ernst Mennesclou. Er sieht gute Ansätze darin, wie sich Martin Ecker verkauft hat. Und er hat ein paar Tipps parat, wie man sich in solchen Verhandlungskämpfen besser in Position bringt. Diese Tipps erklärt er hier.

(deg)

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