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Bedrohte Art

Das Ausbluten der Innungen

Es gibt sie noch. Immer wieder werden sie gesichtet. Aktive Innungen, deren Betriebe gute Gründe für die Mitgliedschaft haben. Aber wie lange noch? Ein Blick in den Norden der Republik.

Blutige Hand
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Harburg, ein Stadtteil im Süden Hamburgs. Die Harburger Allgemeine Nachrichten (HAN) hat sich bei den Innungen vor Ort umgesehen. Ein Bezirkshandwerksmeister sagt: "Gerade im Nahrungsmittelhandwerk und im Bau- und Ausbauhandwerk haben wir kaum noch Mitglieder." Die Tageszeitung umschreibt das mit einer bösen Vokabel, mit dem Horror-Begriff für alle Innungsobermeister und ihre Geschäftsführer: "Ausbluten".

Wer oder was ist schuld? Hohe Beiträge? Müde Obermeister? Lesen Sie Seite 2!

Innung ist nicht gleich Innung

Müdes Baby gähnen
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Wie konnte es so weit kommen? Ein Grund sei die Billig-Konkurrenz, meint der Obermeister: "Nach dem Krieg hatten wir hier in Harburg 84 backende Betriebe, jetzt sind es noch fünf." Und die HAN fügen hinzu: "Die Konditor-Innung, deren Obermeister er selbst ist, hat im Bezirk Süd nur noch drei Mitglieder."

Oder sind die Mitgliedsbeiträge zu hoch? Schließlich legen Innungen ihre Preise selbst fest, für den Bereich der Harburger Kreishandwerkerschaft haben die HAN Beiträge zwischen 220 und 600 Euro ermittelt, zusammen mit Zusatzbeiträgen, die sich an den Lohnkosten orientieren, könnten die Beiträge pro Jahr leicht die 1000-Euro-Marke reißen.

Was dabei leicht übersehen wird: Die Investition in die Mitgliedschaft kann sich auszahlen. Fortbildung. Rechtsberatung. Ausbildung. Einkaufsvorteile. Hilfe bei der Betriebsführung. Günstige Tarife durch Rahmenverträge mit den Energieversorgern. "Da wird so viel wichtige Arbeit geleistet", sagt Harburgs Kreishandwerksmeister Uwe Kluth.

Wer sich bei den Betrieben umhört, wird aber auch schnell feststellen, dass Innung nicht gleich Innung ist. Zwar es gibt sie tatsächlich: Die Innungen, die für Ihre Mitglieder etwas bewegen. Andere Innungen könnten offenbar eine Frischzellenkur vertragen.

Enttäuscht über laue Infos zum Jahreswechsel – lesen Sie Seite 3.

Die letzte Versammlung ist fünf Jahre her

5 fragezeichen
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handwerk.com hatte im Februar dieses Jahres etwas ketzerisch gefragt: Sind Sie wirklich Mitglied einer Innung? Handwerksmeister Ewald Masjosthusmann beantwortete das so: "Ich bin schon sehr enttäuscht. Die letzte Versammlung ist (5?) Jahre her. Zum Jahreswechsel kommen einige Infos, die von anderen Innungen übernommen wurden oder längst 'alt' sind." Einen Vorteil sieht Masjosthusmann allenfalls für Ausbildungsbetriebe.

Gutes Stichwort. Denn zu den öffentlichen Aufgaben, die Innungen übernehmen, gehören die Prüfungen der Azubis. Und obwohl der Organisationsgrad rückläufig ist und entsprechend weniger Beiträge fließen, bleiben die Kosten bestehen. Kreishandwerksmeister Kluth kommentiert das in den HAN so: "Unsolidarisch, aber wohl ein Trend der Zeit." Als Solidargemeinschaft könnten Betriebe viel mehr erreichen: "Aber wenn man heutzutage irgendwo etwas sparen kann, wird das auch gemacht."

Was leistet Ihre Innung? Oder was leistet Ihre Innung nicht? Warum sind Sie Mitglied einer Innung? Oder warum nicht? Schreiben Sie uns, wir sind auf Ihre Sicht der Dinge gespannt.

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(sfk)