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Fiat Fullback

Der dreckigste aller Italiener

Der Markt der Allrad-Rabauken mit ordentlich Ladefläche wächst stetig. Kein Wunder, dass auch Fiat auf den Pick-up-Trend aufspringt. Wir haben den neuen Fullback der Italiener getestet.

Ab durch den See:

Fiat Fullback-5
 - Im Praxistest ließ sich der geländegängige Italiener auch von größeren Wassermassen nicht sonderlich beeindrucken.
Im Praxistest ließ sich der geländegängige Italiener auch von größeren Wassermassen nicht sonderlich beeindrucken.
Foto: Odewald

„Dürfen wir das wirklich?“ Sicherheitshalber fragt die Pilotin des funkelnden und sauberen Italieners noch einmal nach. Wir stehen am Rand eines ziemlich ausgedehnten Schlaglochs, dessen Tiefe im schlammigen Wasser nicht zu ergründen ist. Und zwar mit einem nahezu jungfräulichen Testwagen, nämlich dem Fiat Fullback. Doch, das dürfen wir. Wir hatten vorher extra nachgefragt. Also rein in das trübe Vergnügen.

Japanische Wurzeln
Der Pick-up mit dem italienischen Logo an der adretten Front ist schließlich mit allen Allradwassern gewaschen. Seine Basis stammt vom Mitsubishi L200 ab, und zwar in der neuesten Generation. Und der rundliche Japaner ist einer der Klassiker in der offenherzigen Pick-up-Gemeinde. Zudem ist er, als einer der ganz wenigen Vertreter seines Genres, in der Kombination mit permanentem Allrad und zuschaltbarer Untersetzung erhältlich, was ihn technologisch deutlich absetzt vom Rest der ruppigen Rabauken, die meist auf eine zuschaltbare Vorderachse setzen. Lediglich der Amarok hat den modernen Allradstrang ebenfalls im Angebot. Das sorgt nicht nur im Gelände für Traktion, sondern macht den fast 5,30 Meter langen Boliden mit seinem drehmomentstarken Turbodiesel auch auf schlüpfriger Straße beherrschbarer.

Solide Blattfedern:

Fiat Fullback-6
 - Das Heck des Pick-ups ruht auf einer stabilen Dämpfung. Das ganze Fahrzeug ist auf einem Leiterrahmen aufgebaut.
Das Heck des Pick-ups ruht auf einer stabilen Dämpfung. Das ganze Fahrzeug ist auf einem Leiterrahmen aufgebaut.
Foto: Odewald

Ansonsten präsentiert sich der Italo-Japaner typisch handfest: 1765 kg Leergewicht verteilen sich auf einen robusten Leiterrahmen, 1000 kg Nutzlast drücken auf die hintere Blattfeder-Starrachse, 3100 kg Anhängelast machen Boots- und Pferdeanhänger beherrschbar, und ein viertüriges Passagierabteil vermittelt eine gelungene Mischung aus Robustheit und Pkw-Feeling. Den Spagat zwischen betrieblichem Alltag und familientauglicher Freizeit beherrscht der Fullback jedenfalls bestens. Unter der Haube werkelt ein von Mitsubishi gleich mit importierter moderner Alu-2,4-Liter-Turbodiesel mit 154 oder 181 PS und sorgt mit 380 oder 430 Nm Drehmoment für souveränen Durchzug, auf der Straße oder im Gelände.

Städtisches Ungetüm
Das 6-Gang-Getriebe dirigiert die Antriebs-Pferdchen des Fullback sicher durch den Großstadtdschungel oder, wie in unserem Test, durch tiefe Schlammlöcher. Da funktioniert zwar auch die alternative 5-Gang-Wandler-Automatik gut, doch geben hier und vor allem im asphaltierten Stadtgebiet die modernen Doppelkuppler der Konkurrenz mittlerweile die deutlich bessere Figur ab. Berganfahrhilfe und ESC sind Standard, moderne Assistenzsysteme ergänzen den bulligen Offroader.

Gut unterwegs:

Fiat Fullback-8
 - Sowohl auf als auch neben der Straße machte der Fullback im Praxistest eine gute Figur.
Sowohl auf als auch neben der Straße machte der Fullback im Praxistest eine gute Figur.
Foto: Odewald

Im Verkehr der niedersächsischen Hauptstadt schwimmt der Fullback locker mit. Seine Kraft macht ihn souverän, ob an der Ampel oder im Durchzug auf den Beschleunigungsstraßen. Beim Einparken freut man sich über die dringend empfohlene Rückfahrkamera. Führt der Weg vor die Stadt, wieselt der Fullback sogar mit einer überraschenden Leichtigkeit auch über kurvige Landstraßen. Und im Gelände, in diesem Fall im bei Offroadern bestens bekannten Mammutpark in Stadtoldendorf?

Italienischer Wühler
Wir haben den Fullback nicht geschont und ihn über Knüppeldämme und durch tiefe Schlaglöcher bewegt, sind fast geschwommen und haben an Kuppen auch aufgesetzt. Resultat: Auch mit den standardmäßig aufgezogenen Straßenreifen war es noch nie so lustig, einen Italiener mal so richtig durch den Schlamm zu ziehen. Mit ein wenig Vorsicht und Vernunft robbt der Pick-up im Maßanzug durch jeden Dreck und jede Baustelle. Und präsentiert sich, eine Stunde Kärchern später, wieder elegant und bereit für den Ausflug in die Oper.

Es gibt den Fullback als zweitürigen Crew Cab oder mit vier Türen als Double Cab auch mit reinem Heckantrieb. Und in näherer Zukunft alternativ deutlich einfacher ausstaffiert als in der momentan einzig erhältlichen, aber üppigen „Launch Edition“. Dann allerdings verschiebt sich die Gewichtung von Last und Lust deutlich hin zum reinen Professional-Vehikel.  Ab 33.915 Euro (inkl MwSt.) winkt der Ritt in die große Freiheit im schmutzigsten aller Italiener.

(lo)

Übersicht:


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Neuer Wettbewerber

Fiat Fullback-2
 - Fiat schickt mit dem Fullback einen neuen Aspiranten auf die Krone der Pick-ups ins Rennen.
Fiat schickt mit dem Fullback einen neuen Aspiranten auf die Krone der Pick-ups ins Rennen.
Foto: Odewald