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Kampf dem Behördenirrsinn

Der Fürst vom Kreisverkehr

Eine neue Straße, ein pensionierter Handwerker, eine verrückt gewordene Behörde. Aus diesen Zutaten ist Europas jüngstes Fürstentum entstanden.

Ein Fürst bläst zum Angriff
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Ein Fürst bläst zum Angriff - Manchmal lassen sich irrsinnige Behörden nur mit irrsinnigen Mitteln bekämpfen.
Manchmal lassen sich irrsinnige Behörden nur mit irrsinnigen Mitteln bekämpfen.
Foto: Elnur, fotolia.de

Die italienische Straßenverkehrsbehörde betrog ihn einst um 237.000 Euro – er schluckte es. Pier Giuseppe Dellavalle ist ein genügsamer Mann mit bescheidenen Wünschen, den die italienischen Behörden mit hartnäckigster Unfähigkeit terrorisieren.

Früher führte der Handwerker Dellavalle ein Unternehmen für Heizungs-, Wasser- und Elektrotechnik. Heute ist er 70, im Ruhestand, aber Ruhe hat er in den letzten 15 Jahren keine gehabt.

Dafür hat er jetzt sein eigenes Fürstentum. Es hat eine Größe von ein paar tausend Quadratmetern und liegt westlich von Mailand an der Staatsstraße 11 in einem Kreisverkehr. Im Sommer hat Dellavalle sein Fürstentum gegründet, um Irrsinn mit Irrsinn zu bekämpfen.

Zur Jahrtausendwende hatte er hier sein dreistöckiges Haus abreißen müssen, weil die Straßenbetriebsgesellschaft Anas hier eine Straße plus Kreisverkehr bauen wollte. 600.000 Euro Entschädigung sollte Dellavalle dafür bekommen. Letztlich wurden es nur 347.000 Euro – Anas hatte ihr Enteignungsangebot noch einmal überarbeitet.

Dennoch willigte Dellavalle ein. Er brauchte das Geld, um sich und seiner Frau eine neue Bleibe zu bauen. Da fing der Behördenirrsinn erst richtig an.

Dellavalles letzter Ausweg: ein eigenes Fürstentum. Warum? Seite 2.

Enteignet, nicht enteignet, erobert

Kreisverkehr an der Staatsstraße 11 zwischen Mailand und Turin. Hier lag einst Dellavalles Haus. Heute ist es sein Fürstentum.

Die Anas versäumte es, Einteignung und Eigentumsübertragung dem Katasteramt zu melden. So nötigte das Amt Dellavalle jahrelang die Zahlung der Grundsteuer ab.

Da halfen auch keine langen Telefonate oder Briefe. Ein Sachbearbeiter entgegnete ihm laut dpa International nur: „Wenn der Computer sagt, da steht ein Haus, dann muss es da sein.“

Von der Anas betrogen, von den Behörden ignoriert, ging der Einteignete im Sommer zum Angriff über. Er gründete auf dem Gründstück sein eigenes Fürstentum, pflanzte Tomaten und veranstaltete Barbecues. Klar, wollte man ihm das untersagen, den Kreisverkehr zwangsräumen lassen. Doch ein Gerich entschied, dass er einen Rechtsanspruch auf sein Land hat.

Über 70 Einwohner hat das Fürstentum Dellavalle mittlerweile. Er hat eine lockere Einwanderungspolitik. Über seine Website kann sich jedermann für zehn Euro einbürgern lassen.

60.000 Euro hat er in den letzten Jahren in den Rechtsstreit um sein altes Grundstück investiert. Jetzt sitzt er es einfach aus. Die Anas hat nun zwei Alternativen, sagt er: Entweder sie zerstören die Straße und bauen sein Haus neu auf oder sie begleichen die überfällige Kompensationszahlung. (deg)

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