handwerk.com Archiv
Aktuelle Inhalte findest Du unter www.handwerk.com.

Videoprojekt

Die Entdeckung der Leidenschaft

Der Video- und Fotograf Matei Plesa hat sich zu einem besonderen Projekt entschlossen. Bei traditionsreichen Handwerkern entdeckte er seine wahre Leidenschaft. Hier stellen wir ihn und sein Videoprojekt „Faszination Handwerk" vor.

Matei Plesa
 - Suchte Wärme und fand Faszination: Der Video- und Fotograf Matei Plesa.
Suchte Wärme und fand Faszination: Der Video- und Fotograf Matei Plesa.
Fotos: Matei Plesa


Was machst Du beruflich und von welchen Projekten kannst Du uns erzählen?
Matei Plesa: Mein Name ist Matei Plesa, ich bin Fotograf und Videograf/Kameramann aus Cluj-Napoca, aber ich arbeite auf der ganzen Welt. Mit meinem Handwerk hoffe ich, Geschichten zu erzählen, die das Potenzial haben, Menschen eine neue Perspektive zu eröffnen. Seit fast vier Jahren drehe ich Dokumentarfilme über Handwerker, ihr Leben, ihre beruflichen und privaten Erfahrungen. Durch diese Arbeit habe auch ich zahlreiche beruflich und privat lohnende Erfahrungen gemacht und Fähigkeiten geschult.
Meine Leidenschaft gilt meinem Nebenprojekt namens „Fascinatia Mestesugului“ (zu Deutsch „Faszination Handwerk“), in dem ich in Kurzgeschichten und Fotos das Handwerk und seine Tradition in ganz Europa, hauptsächlich aber in meinem Heimatland Rumänien, dokumentiere.


Wieso hast Du dieses Projekt ins Leben gerufen?
Matei Plesa: Ich habe damit begonnen, während ich in Bukarest Musikvideos drehte, da ich ziemlich schnell gemerkt habe, dass das nicht die Welt ist, in der ich mein Leben verbringen will. Das Musikgeschäft ist hart und jeder kämpft darum, es möglichst schnell, möglichst weit nach oben zu schaffen. Schon damals, und immer noch, will ich mein Leben, meine Arbeit und meine Projekte aber vor allem genießen. Ich will Sorgfalt walten lassen, so wie es ein ­gewissenhafter Handwerker tut. Begonnen hat das Projekt aber aus schierer Neugierde und auch einem guten Stück Frustration: Ich wollte in einem Bereich arbeiten, in dem es wärmer und menschlicher zugeht. Also fragte ich einen lokal ansässigen Schuster, ob er mir erlauben würde, eine kurze künstlerisch wertvolle Dokumentation über seine Arbeit zu drehen.

Hattest Du vor dem Projekt bereits eine Verbindung zum Handwerk?
Matei Plesa: Nein, von einer vorherigen Nähe zum Handwerk kann man bei mir nicht sprechen. Ich habe zwar in der Schule einen Werkstoffkurs Keramik belegt, dann aber bald angefangen, stattdessen Videos zu drehen und Fotos zu machen und dem Handwerk den Rücken gekehrt.

Was hast Du während der Drehs für das Projekt alles erlebt?
Matei Plesa: Indem ich das Leben von Handwerkern dokumentiert habe, habe ich gelernt, auf natürliche und menschliche Weise zu leben, weit weg von den typischen Zerstreuungen des modernen Alltags. Heutzutage kann man so leicht in einen Trott gelangen, aus dem schwer auszubrechen ist und in dem man den Blick für das wirklich Wichtige verliert. Oft stelle ich selbst fest, dass ich zu viel arbeite und vergesse, Zeit mit den Menschen um mich herum zu verbringen oder einfach mal eine Pause einzulegen. Technologie sollte kein Selbstzweck sein, sondern ein Mittel, mit Menschen in Verbindung zu treten und die Welt menschlicher und natürlicher zu machen. Ich denke, die Welt sollte gemeinschaftlich mal einen Moment innehalten, um zu sehen, was auf ihr passiert und es dann besser zu machen.

Welchen Problemen sahen sich die Handwerker gegenüber?
Matei Plesa: Ich habe die Enttäuschung vieler Handwerker darüber beobachten können, dass ihr Können heutzutage nicht mehr wertgeschätzt wird. Die alten, traditionellen Handwerkskünste geraten immer mehr in Vergessenheit; junge Leute wollen sie nicht mehr erlernen, geschweige denn ihren Lebensunterhalt damit bestreiten.

Wie stehen die Menschen in Deinen Dokus zu ihrem eigenen Berufsbild und wie empfinden sie seine Präsentation in einem Projekt wie diesem?
Matei Plesa: Lass es mich so sagen: Die allermeisten der Handwerker haben ihr gesamtes (Arbeits-)Leben lang immer das Gleiche getan. Das allein finde ich wahnsinnig faszinierend. So habe ich sie also gefragt, wie man es schafft, jeden Tag das Gleiche zu tun und alle haben Enthusiasmus und Leidenschaft für Ihre Arbeit als Motivation angegeben. Es scheint, als treibe die Leidenschaft den Enthusiasmus an, und so entstehen einzigartige Objekte.


Was fasziniert Dich am Handwerk?
Matei Plesa: Neben den Menschen, die ich durch mein Projekt kennenlernen kann, interessiert mich auch der künstlerische Aspekt der Arbeit. Ich liebe es, leidenschaftliche Menschen bei der Arbeit zu dokumentieren. Man kann die Liebe für ihr Handwerk förmlich in den Bildern und Videos spüren. Ich bin selbst leidenschaftlich und ambitioniert, und wenn ich einen Vollblut-Handwerker bei der Arbeit sehe, fühlt es sich an, als ob neben ihm nichts anderes mehr existiert und ich ihn bis in alle Ewigkeit filmen oder fotografieren könnte.
Als ich mit dem Projekt begann, wollte ich unbedingt Videosequenzen drehen, in denen man sehen kann, wie ein Handwerker mit seinen Händen etwas schafft, seine Finger, wenn sie ein Stück Ton formen oder mit einem kleinen Meißel feinste Details in ­Metallen wie Gold und Silber oder auch Holz kreieren. So etwas sieht man nicht jeden Tag beziehungsweise sehen die meisten von uns es überhaupt nie, und vielleicht fasziniert es gerade deshalb so sehr.

(mp)

Weitere Themen, die Sie interessieren könnten:
Portrait: Drei Handwerker und ihre Lieblingsstücke
Ohne Worte: Diesem Mann hören Sie gerne zu – garantiert
Blinder Meister der Holzgestaltung: Handwerk braucht kein Augenlicht