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Brachial

Donkervoort: Seifenkiste für große Jungs

Dinge, die Sie absolut nicht brauchen – aber garantiert haben wollen. Folge 30: Ein brutales Sportgerät aus Holland, das an Radikalität kaum noch zu überbieten ist.

Seit 30 Wochen finden Sie hier Freitag für Freitag einen kleinen technischen Appetithappen, der mir während der Woche irgendwo über den Weg gelaufen ist. Zum (kleinen) Jubiläum ein radikales Spielzeug: den Donkervoort D8 GTO.

Firmengründer Joop Donkervoort sucht seit den 80er-Jahren nach dem ultimativen Kick auf der Rennstrecke. Seine neueste Annäherung an das ideale Auto hört auf den etwas sperrigen Namen D8 GTO. Ich habe meiner Frau Fotos davon gezeigt. Ihr Kommentar: "Oh, eine Seifenkiste für große Jungs."

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 - Knackiger Hintern: Der Donkervoort D8 GTO geizt nicht mit seinen Reizen.
Knackiger Hintern: Der Donkervoort D8 GTO geizt nicht mit seinen Reizen.
Foto: Donkervoort

Irgendwie hat sie recht. Zumindest auf den ersten Blick: schmaler Rumpf, freistehende Vorderräder und hinter einer schier unendlichen Motorhaube ein kompaktes Cockpit fast schon auf der Hinterachse. Dahinter kommt nicht mehr viel. Nur ein knackiges Heck.

Wirklich spannend wird die Mischung, wenn man das gerade mal 1,14 Meter hohe Auto auf die Waage rollt: 695 Kilogramm! Das Rezept: konsequentes Weglassen und der Einsatz von Leichtbaumaterialien aus der Flugzeugindustrie. Jedes der 340 Pferdchen, die unter der Haube schlummern, muss gerade mal 2,01 Kilogramm bewegen.

Und es geht noch brachialer: Denn ein Knopfdruck am Lenkrad entlockt dem längs hinter der Vorderachse verbauten Audi-Motor noch mal 60 PS. Damit sinkt das Leistungsgewicht auf schier unfassbare 1,73 Kilo je Pferdestärke. Schwindelerregend. Denn so gestählt schießt der rasende Holländer in gerade mal eins, zwei, drei Sekunden auf Tempo 100. Das schafft kein Lamborghini Gallardo LP 570-4 Super Trofeo Stradale (3,4 Sekunden). Und schon gar kein Porsche Carrera GT (3,9 Sekunden).

Dabei ist Beschleunigung nicht mal die Lieblingsdisziplin. Was dem Holländer wirklich liegt, lesen Sie http://cf01.handwerk.schluetersche.de/donervoort-d8-gto/150/65/33497/2#Kurvenkünstlerauf Seite 2.

Kurvenkünstler

Die Lieblingsdisziplin des Donkervoort: Kurven, Kurven und noch einmal KURVEN! Da werden Erinnerungen an den legendären Super Seven von Lotus wach. Der ging ja auch besser quer als gerade durch die Kurve.

Dass Donkervoort erstmals eine Traktionskontrolle verbaut, betrachten viele Fans als Sakrileg. Aber so bringt auch ein "Otto-Normal-Fahrer" das extrem ungewohnte Leistungsvermögen auf die Straße. Und geübtere Piloten werden den "elektronischen Schnickschnack" bei Regen lieben lernen.

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 - Seifenkiste: So kann man den Sportwagen aus Holland wohl nennen. Klar ist jedoch: Er hat es faustdick unter der langen Haube.
Seifenkiste: So kann man den Sportwagen aus Holland wohl nennen. Klar ist jedoch: Er hat es faustdick unter der langen Haube.
Foto: Donkervoort

Fazit: Wenn Sie einen echten Sportwagen suchen, um es am Wochenende auf der Rennstrecke mal so richtig fliegen zu lassen, und rund 100.000 Euro zur Hand haben, dann schauen Sie sich die Seifenkiste aus Holland genauer an. Sicherlich ist das kein Alltagsauto, mit dem Sie unter der Woche zum Kunden fahren sollten. Wenn Sie aber ernsthafte Ambitionen in Sachen Ideallinie und Rundenzeiten haben, gibt es nur wenige Alternativen zu dem Holländer mit dem deutschen Herzen.

(ha)

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