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Politik

Ein Netzwerker tritt ab

Kurt Rehkopf verlässt die berufspolitische Bühne. Nicht nur als niedersächsischer Handwerkspräsident hat sich der Bäcker und Konditormeister einen Namen gemacht.

Von Irmke Frömling

Heute hält er seine letzte Rede als Präsident des Niedersächsischen Handwerks-tages (NHT). Gleich wird sein Nachfolger Karl-Heinz Bley gewählt. Auf den Tag genau vor 50 Jahren hat Kurt Rehkopf das erste Mal vor berufspolitischem Publikum gesprochen: Als Vertreter frisch-gebackener Gesellen bei der Frei-sprechung. "Ich war ganz schön unsicher und habe die Worte, die mir mein Vater auf ein Blatt geschrieben hatte, vorgelesen", erinnert sich der 67-jährige Handwerksmeister. Die vielen Ehrenämter in Handwerks-organisation und Politik haben ihn geprägt. Heute wirft er nur noch den einen oder anderen Blick auf notierte Fakten und bringt aus dem Stegreif deutlich auf den Punkt, was im Handwerk los war, ist und sein wird.

"Ich habe mich immer daran orientiert: Wenn es den Betrieben nutzt, dann können wir es tun", betont Rehkopf, der nicht mehr länger Vorturner sein will, weil er seinen Betrieb nach 42 aktiven Jahren abgegeben hat. Weitere Maßgabe des FDP-Politikers, der 16 Jahre im Landtag saß, davon die Hälfte als Vizepräsident: "Wer die Mehrheit hat, kann helfen." Daher habe er sich mit allen Ministerpräsidenten gut verstanden, besonders mit Gerhard Schröder. "Er hat immer gehalten, was er versprochen hat." In dieser Zeit sei auch der größte handwerkspolitische Erfolg zu verbuchen gewesen: das Mittelstandskonzept. Daher hat Rehkopf versucht, zwischen dem späteren SPD-Bundeskanzler und der früheren Spitze des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) mit zu vermitteln, als sich die Fronten verhärteten. Zu seinem großen Leidwesen sei die Handwerksordnung 2004 gelockert worden.

Rehkopf war ein Mann der ersten Stunde des NHT. Die Geburtsstunde der Dachorganisation der Kammern und Verbände schlug 1988. Der Bäcker- und Konditormeister war als Chef der Unternehmensverbände Handwerk (UHN) bis 1993 alternierender Präsident, im Wechsel mit dem VHN-Präsidenten. Seit 1994 steht er allein an der Spitze.

Ein Netzwerker mit ausgeprägtem Fingerspitzengefühl für politische Entwicklungen. So lobt sein Stellvertreter im NHT und Präsident der Vereinigung der Handwerks-kammern Niedersachsen (VHN), Gernot Schmidt, den scheidenden Spitzenvertreter.

Er sei immer erst Handwerker und dann Politiker gewesen. Und so habe er frei von politischen Zwängen operiert.

Wie vehement sich Rehkopf für seinen Berufsstand in der Politik engagiert hat, weiß Wirtschaftsmini-ster Walter Hirche. Beide wurden 1974 in den Landtag gewählt. "Ich habe ihn zuerst in den Koalitions-gesprächen erlebt. Da hat er hartnäckig die Interessen der kleinen und mittleren Betriebe vertreten", erinnert sich Hirche. Und das habe er danach so fortgesetzt. Daher habe der Praktiker manchen Disput mit Parteikollegen ausgefochten. "Kurt Rehkopf ist eine einzigartige Persönlichkeit mit klugem politischem Kopf. Man kann ein Tau an ihm festmachen", betont Hirche.

Jetzt hat UHN-Präsident Karl-Heinz Bley sein Amt übernommen, und Rehkopf wurde einstimmig zum Ehrenpräsidenten gewählt.

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