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Der goldene Bulli

Es kann nur einen geben

Roland Ketterer aus Donaueschingen gewann den Preis, die Zündschlüssel und damit „seinen“ Goldenen Bulli 2016. Sein Hilfsprojekt in Tansania überzeugte und berührte alle. Doch zuvor musste die Jury Schwerstarbeit leisten.

Begehrter Bulli

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 - Bei der Gala in Berlin wurde das im Hintergrund sichtbare Original an Roland Ketterer überreicht.
Bei der Gala in Berlin wurde das im Hintergrund sichtbare Original an Roland Ketterer überreicht.
Foto: Henning Scheffen

Wie soll man soziale Projekte miteinander vergleichen, die sich nicht vergleichen lassen? Ist die unentgeltliche Instandsetzung der Kirchturmuhr weniger wert als ein internationales Hilfsprojekt in Übersee? Taugt der reparierte Zaun weniger als ein unterstützter Verein, wenn hinter dem einen ein kleiner Handwerksbetrieb, hinter dem anderen aber ein Kollege mit hunderten Mitarbeitern steckt?

Die Mitarbeit am Wettbewerb „Der Goldene Bulli“ war zunächst einmal eine Ehre. Denn die Idee und Mission von Volkswagen Nutzfahrzeuge, Handwerker auszuzeichnen, die sich in besonderem Maße sozial engagieren, ist wirklich klasse. Und dabei die eingereichten Projekte zu sichten und zu bewerten, also mit den Dingen umzugehen, hinter denen sich soviel Herzblut versammelt, ist auch für einen langjährigen Handwerks-Journalisten keine Selbstverständlichkeit.

Der glückliche Gewinner:

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 - Roland Ketterer gewinnt den goldenen Bulli für sein Engagement in Tansania.
Roland Ketterer gewinnt den goldenen Bulli für sein Engagement in Tansania.
Foto: Henning Scheffen

Doch bevor die Jury mit ihrer Wertung starten konnte, mussten zunächst einmal Kriterien erarbeitet werden, nach denen sich soziales Engagement einordnen lässt. Die pure Beschreibung alleine kann es nicht sein. Und auch die reinen Kosten dürfen keine ausschlaggebende Rolle spielen. Dazu sind Betriebe und Projekte zu unterschiedlich. Also haben wir Betriebsgröße, Mitarbeiterzahl und Umsatz in Verhältnis zu den Aufwänden und Kosten der eingereichten Projekte gesetzt.

Neben den rein nüchternen Fakten gab es auch eine Kategorie, in der die subjektive Empfindung der Jury zur Geltung kam. Mit Fernseh-Moderatorin Eva Brenner von „Zu Hause im Glück“, Dr. Eckhard Scholz, dem Chef von Volkswagen Nutzfahrzeuge und Hans Peter Wollseifer, dem Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, hatten wir schon reichlich Prominenz in der Jury. Verstärkt wurden wir von Thomas Zwiebler, Betriebsratsvorsitzender von Volkswagen Nutzfahrzeuge sowie Chefredakteuren und Redakteuren der großen Handwerksmedien in Deutschland.

Die erste Runde dauerte am längsten, war aber am leichtesten. Sichtung aller eingereichten Beiträge. Dann wurde es schwieriger, denn eine erste Vorauswahl musste getroffen werden. Und bei fast allen Projekten schwang zwischen den nüchternen Zeilen jede Menge Engagement und Begeisterung der Betriebe mit. Doch die Kriterien erwiesen sich als gerecht, denn in die Auswahl der letzten zehn kamen völlig unterschiedliche Hilfeleistungen. Kleinbetriebe mit rührendem Einsatz in der Gemeinde genauso wie Großprojekte von Großbetrieben.
Dann wurde es gemein. Jedenfalls für uns Juroren. Denn es mussten die Sieger in einem Wettbewerb gewählt werden, der eigentlich keine Sieger verdiente. Verdient hätten nämlich wirklich alle Einsender den Gewinn. Doch die feierliche Preisübergabe in Berlin mit 150 geladenen Gästen stand bevor. Also nochmal alle Details studieren, nochmals streng nach Kriterien messen und bewerten – dann ging es in die Hauptstadt.

Am Abend der Veranstaltung hieß es: dichthalten! Natürlich waren alle gespannt wie die Flitzebögen, als es um die Bekanntgabe der Gewinner ging. In einem kurzen Video und einer noch kürzeren Laudatio wurden die Projekte und ihre Betriebe vorgestellt. Unter den ersten Dreien war das Projekt „SPRINT – Sprach- und Integrationsprojekt für jugendliche Flüchtlinge“ der Malerei Temps aus Neustadt. Doch der Gewinner des Abends war dann der SHK-Betrieb Roland Ketterer aus Donaueschingen, der ein Trinkwasserprojekt mitsamt angeschlossener Berufsschule in Tansania sprichwörtlich aus dem Boden gestampft hat. Eine enorme Leistung für den Chef und sein zehnköpfiges Team. Kein Wunder, dass der Beifall auch aller anderen Nominierten dem verdienten Preisträger sicher war. Stolz nahm der Chef des SHK-Betriebes die Schlüssel des Goldenen Bulli entgegen. Und versprach prompt, den Gegenwert des nagelneuen T6 aus eigener Tasche direkt in sein Hilfsprojekt zu investieren.

Es passiert nicht allzu häufig, dass selbst einem hartgesottenen Manager wie VW Nutzfahrzeug-Chef Dr. Scholz die Rührung in seiner abschließenden Rede anzumerken war. Der Geist, der „unsere“ Handwerker zu ihren Taten antreibt, war auf einmal spürbar. Und so waren sich alle einig, dass es den Goldenen Bulli auch im Jahr 2017 geben wird.

Filmische Impressionen von der Preisverleihung finden Sie hier auf der Webseite www.der-goldene-bulli.de.

(lo)

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