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19.10.2010

Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH)

Familienbetriebe sind kein Auslaufmodell

Familiengeführte Handwerksbetriebe haben Zukunft - darüber waren sich die Unternehmerfrauen auf ihrem Bundeskongress in Saarbrücken einig. Was die Frauen im Handwerk noch bewegt, lesen Sie hier.

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Sind Familienbetriebe noch wettbewerbsfähig und zeitgemäß? Haben traditionelle Strukturen überhaupt noch Platz in der heutigen Gesellschaft? Diese Fragen standen auf dem Bundeskongress der Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH) in Saarbrücken im Fokus.

Die Referentin, Dr. Claudia Schlembach, stammt selbst aus einer Handwerkerfamilie. Sie arbeitet heute als Beraterin für Familienunternehmen und Unternehmerfrauen. "Familienbetriebe – ein Modell mit Zukunft", lautete das Thema für ihren Vortrag.

Und ziemlich schnell war klar, dass die Titelfrage mit "Ja" beantwortet werden kann. Schlembachs These: "Je globaler die Welt und die Gesellschaft, desto größer ist das Bedürfnis der Menschen nach Nähe und persönlichen Kontakten." Nicht verwunderlich also, dass die regionale Wirtschaft in Zeiten wie diesen einen Boom erfahre.

Wettbewerbsvorteil Familienbetrieb
Gegenüber großen Konzernen hätten Familienunternehmen enorme Vorteile. Denn sie vermittelten die Werte des so genannten "ehrbaren Kaufmanns". Das sei bis heute erhalten geblieben und trifft, laut Schlembach, auch auf familiengeführte Handwerksbetriebe zu.

Dadurch, dass Handwerker oft in der Region tätig sind und ein Gesicht zu verlieren haben, sind ihnen Werte wie Verantwortung, Haftung und Kapital wichtig. Nur mit nachhaltigem Wirtschaften können sie ihre Position auf dem Markt festigen und halten. Tradition und Forschritt gingen in Handwerksbetrieben Hand in Hand. Das werde auch von Kunden geschätzt.

Beispiel aus der Praxis
Meike Wizorreck schätzt ihre Arbeit im Familienbetrieb. Die Unternehmerfrau leitet ein Straßen- und Tiefbaubetrieb im niedersächsischen Linsburg. Unter den sechs Mitarbeitern ist ein Azubi, ihr Mann ist Handwerksmeister. Die Vorteile aus ihrer Sicht: "Wir können vertrauensvoll miteinander umgehen, jeder weiß, was der andere tut", sagt Wizorreck.

Durch den relativ kleinen Verwaltungsaufwand in dem Familienbetrieb könne sie konkurrenzfähig bleiben. Für die Unternehmerfrau zählt, dass sie sich mit ihrem Mann abstimmt und dass die Entscheidungen auf unkomplizierte Weise gemeinsam treffen. "In einem Großkonzern sind die Wege viel länger", betont sie.

Auch Heidi Kluth, Bundesvorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk, unterstrich die Zukunftsfähigkeit von Familienbetrieben. Sie forderte die Unternehmerfrauen auf, die Familienfreudlichkeit der Handwerksbetriebe nach außen zu tragen.

Sie verwies auf eine Studie des Ludwig-Fröhler-Instituts, nach der knapp 15 Prozent der Mitarbeiter in Handwerksbetrieben Familienangehörige sind. Der Anteil der weiblichen mitarbeitenden Lebenspartner in einem Handwerksbetrieb liegt der Studie zufolge bei 90 Prozent.

Welches Resumé Heidi Kluth nach ihrem ersten Jahr als UFH-Bundesvorsitzende zieht und welche Projekte für 2011 geplant sind, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Rückblick und Ausblick: Heidi Kluth im Gespräch

Ein Gespräch mit Heidi Kluth, Bundesvorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH).

Heidi Kluth, Oktober 2010
 - Foto: Jahn
Foto: Jahn

Welche Bilanz ziehen Sie aus dem ersten Jahr?
"Das Jahr war absolut spannend und abwechslungsreich. Die Zusammenarbeit mit dem Vorstand hat super funktioniert. Gemeinsam haben wir viele Ideen entwickelt und umgesetzt. Am meisten freut mich die positive Grundstimmung, die hier bei den Unternehmerfrauen herrscht."

Welche Ideen wurden konkret in 2010 umgesetzt?
"Wir haben jetzt engeren Kontakt zu den Landesverbänden. Mit unserem so genannten "Länderdialogtreffen" sind wir nahe an der Basis und hören, was die Frauen und die Betriebe bewegt. Der enge Kontakt ist deshalb so wichtig, weil die Landesverbände und die Arbeitskreise unsere Ideen mittragen. Wir entscheiden schließlich nichts eigenmächtig."

Und was steht für 2011 an?
"Neben der Werbung von neuen Mitgliedern wollen wir alle Handwerkskammern ansprechen und schauen, wie wir den Kontakt ausbauen können. Außerdem wollen wir mehr Anerkennung im Handwerk erreichen. Es ist auch im Gespräch, dass wir als Bundesverband Seminare für die Unternehmerfrauen anbieten."

(ja)

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