handwerk.com Archiv
Aktuelle Inhalte findest Du unter www.handwerk.com.

09.05.2016

Urteil

Firmenlauf ist unfallversichert

Stürzt ein Mitarbeiter bei einem Firmenlauf, dann gilt das als Arbeitsunfall.

Entscheidend ist das Programm.
Verletzung Läufer
Entscheidend ist das Programm. - Steht der Gemeinschaftsgedanke im Unternehmen im Vordergrund? Dann schützt die Unfallversicherung.
Steht der Gemeinschaftsgedanke im Unternehmen im Vordergrund? Dann schützt die Unfallversicherung.
Foto: Focus Pocus LTD – fotolia.com

Das hat das Sozialgericht Detmold in einem aktuellen Fall entschieden: Eine 48-jährige Mitarbeiterin hatte an einem Firmenlauf in Berlin teilgenommen. Beim Überqueren einer Straße stürzte sie und zog sich dabei Verletzungen am Knie und im Gesicht zu.

Die zuständige Unfallversicherung sah sich nicht in der Verantwortung und führte gleich eine ganze Reihe von Argumenten an: Erstens seien nicht alle Mitarbeiter aufgrund ihrer Kondition in der Lage gewesen, an einem Laufwettbewerb teilzunehmen. Zweitens sei der Lauf als rein sportliche Veranstaltung auch nicht geeignet, zur Förderung des Gemeinschaftsgedankens in dem Unternehmen beizutragen. Drittens werde nicht die Gesamtheit der Belegschaft angesprochen, sondern nur sportlich interessierte und aktive Beschäftigte. Viertens spiele es keine Rolle, dass der Arbeitgeber zur Teilnahme an dem Firmenlauf aufgefordert und die damit verbundenen Kosten getragen habe. Und fünftens sei die erforderliche Mindestbeteiligungsquote von 20 Prozent der Belegschaft nicht erfüllt gewesen.

Das Sozialgericht gab der Klage dennoch statt: Eine feste Mindestbeteiligungsquote als starre Grenze könne nicht gefordert werden. Es seien vielmehr immer die konkreten Verhältnisse im Einzelfall im Rahmen der anzustellenden Gesamtbetrachtung ausschlaggebend. Bei einer Quote von 16% sei von einem eindeutigen Missverhältnis nicht auszugehen. Zumindest müsse aus Vertrauensschutzgesichtspunkten Versicherungsschutz bejaht werden, da die Beteiligungsquote zum Zeitpunkt der Anmeldung noch nicht feststehe. Außerdem sei das Programm so gestaltet, dass der Gemeinschaftsgedanke im Unternehmen im Vordergrund stehe. Insbesondere sei die Gesamtheit der Belegschaft angesprochen worden. Die Streckenlänge von 6 km sei für jeden machbar. Interessierte Beschäftigte konnten außerdem sogenannte Fan-Tickets erhalten, ohne sich an dem Lauf selbst zu beteiligen. (Urteil vom 19. März 2015, Az. 2 Sa 555/14)

Auch interessant:

(red)

Tipps, Downloads und News für Ihren Betrieb:der handwerk.com-Newsletter

Abonnieren Sie jetzt den kostenlosen handwerk.com-Newsletter!