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Versicherungsschutz

Fünf Versicherungen, die jeder Gründer haben sollte

Versicherungen kosten Geld – und nicht jede Police ist unbedingt nötig. Aber was brauchen Gründer wirklich? Unser Experte kennt die Antwort. Und er erklärt, was Sie bei Betriebshaftpflicht und Co. beachten sollten.

Bares sparen
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Bares sparen - Diese Versicherungen bieten soliden Schutz, ohne teuren Firlefanz.
Diese Versicherungen bieten soliden Schutz, ohne teuren Firlefanz.
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Wer sich selbstständig macht, muss auf jeden Euro achten. Ein paar Versicherungen zu viel erschweren die Karriere unnötig – und eine zu wenig kann ohne Umwege in die Insolvenz führen. Wie viel Versicherungen sind wirklich nötig?

Michael Jander kennt die Antwort. Als unabhängiger Versicherungsberater verdient er sein Geld mit guter Beratung, nicht mit dem Verkauf bestimmter Policen. Grundsätzlich gilt: „Alles, was kein wirtschaftliches Risiko darstellt, muss ich nicht versichern“, erklärt Jander. Zu den überflüssigsten Versicherungen zählt er daher Policen für Computer und andere Elektronik. Diese fünf Versicherungen sind dagegen wirklich sinnvoll.

Wer zahlt den Schaden?
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Wer zahlt den Schaden? - Bei Fragen wie diesen hilft die Betriebshaftpflicht.
Bei Fragen wie diesen hilft die Betriebshaftpflicht.
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Betriebshaftpflicht
Die Betriebshaftpflicht deckt sämtliche Schäden, die der Betriebsinhaber (oder auch ein Mitarbeiter) verursacht. Die Versicherung zahlt nicht nur den entstandenen Schaden. Sie übernimmt auch die Schadensregulierung oder die Schadensabwehr und trägt die Prozesskosten, sollte der Fall vor Gericht landen.

Das gibt es zu beachten: Viele Unternehmer bieten Leistungen an, die über das klassische Gewerk hinausgehen, erklärt Michael Jander. Alle Tätigkeiten, die nicht berufstypisch sind, sollte man angeben. „Sonst sind sie nicht versichert“, sagt Jander. So gehört Permanent-Make-up nicht zum klassischen Friseurhandwerk, wird häufig aber mit angeboten. Erklärt ein Versicherungsvertreter, eine Tätigkeit wäre mitversichert, obwohl es nicht in der Police steht, sollte man sich das schriftlich geben lassen.

Inhaltsversicherung
Die Inhaltsversicherung oder Geschäftsversicherung versichert die Einrichtung des Betriebs gegen Schäden durch Feuer, Leitungswasser sowie Elementarschäden. Sie kommt für die Kosten auf, die zur Neuanschaffung der zerstörten Einrichtung nötig sind.

Das gibt es zu beachten: „Man sollte gewissenhaft durch den Betrieb gehen und genau überlegen, was die Geräte und Einrichtung kostet, wenn man sie heute neu anschaffen müsste“, rät Jander. Denn Versicherungen versuchen im Schadensfall immer, die Kosten zu drücken. „Und die Unterversicherung ist der Elfmeter der Versicherungswirtschaft“, sagt Jander. Beispiel für Unterversicherung: Ihre Einrichtung ist 100.000 Euro wert. Ihre Police deckt 50.000 Euro ab. Dann Rohrbruch, 20.000 Euro Schaden. Was zahlt die Versicherung? 10.000 Euro. Denn die Inhaltsversicherung wird bei Unterdeckung nur anteilig ausgeschüttet. „Wer nur die Hälfte seiner Werte versichert hat, bekommt nur die Hälfte bezahlt“, erklärt Jander.

Für Gebäudeeigentümer: Sie sollten Ihre Immobilie per Gebäudeversicherung schützen. Dabei gelten die gleichen Grundsätze wie bei der Inhaltsversicherung.

Mehr braucht es nicht, um sein Hab und Gut zu schützen. Fehlt noch der persönliche Schutz gegen Unfall, Krankheit und Berufsunfähigkeit. Hier ist Sorgfalt geboten, sonst zahlt im Schadensfall niemand: Seite 2.

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Gefährlicher Job - Bei Berufen mit hohem Risiko kann eine private Absicherung sinnvoll sein.
Bei Berufen mit hohem Risiko kann eine private Absicherung sinnvoll sein.
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Im persönlichen Bereich gilt: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Gesetzlich oder privat, diese Versicherungssysteme haben beide ihre Vor- und Nachteile.

Unfallversicherung
Die Unfallversicherung zahlt grundsätzlich bei Arbeitsunfällen. Hier gibt es große Unterschiede zwischen der gesetzlichen Versicherung über die Berufsgenossenschaft (BG) und den privaten Angeboten.

Das gibt es zu beachten: Die Unfallversicherung über die BG hat einen großen Leistungsumfang. Versichert sind Arbeits- und Wegeunfälle, Reha-Leistungen, und es gibt die BG-Rente bei unfallbedingter Berufsunfähigkeit. Sie ist vor allem interessant, wenn der Betrieb wächst: „Wer überwiegend verwaltende Tätigkeiten ausübt, sollte sich über die BG versichern, denn die Beiträge sind hier recht günstig“, sagt Jander.

Für Bauberufe und in der Metallverarbeitung sind die Beiträge wegen des höheren Risikos entsprechend höher. „Da muss man abwägen, ob eine private Unfallversicherung nicht günstiger ist“, sagt Jander. Bei der Wahl der privaten Unfallversicherung lauern einige Tücken. Ob sich die jahrelangen Einzahlungen auszahlen, zeigt sich erst im Ernstfall. Da können Zahlungen gekürzt werden oder ganz ausfallen, weil sich der konkrete Unfall nicht ans Drehbuch der Versicherungspolice gehalten hat. „Oft gibt es Streits über die Höhe der Invalidität oder es werden Kürzungen durchgesetzt, weil äußere Umstände am Unfall mitgewirkt hätten“, sagt Jander und emfpiehlt: „Man muss sich intensiv mit dem Thema beschäftigen oder Rat von unabhängigen Experten einholen.“

Krankenversicherung – lieber privat?
Die Krankenversicherung ist Pflicht, aber ob privat oder gesetzlich kann man frei wählen. Wofür man sich entscheidet, ist eine Frage des Geldes und der persönlichen Ansprüche: Die private Krankenversicherung bietet oft mehr Leistung. „Aber man muss sie auch sein Leben lang bezahlen können“, sagt Jander. Wer jung und ledig ist, zahlt wenig, aber der Beitrag steigt sprunghaft mit jeder weiteren Person, etwa durch eine Heirat und gemeinsame Kinder.

Berufsunfähigkeitsversicherung
Wer seine berufliche Tätigkeit zu mehr als 50 Prozent nicht mehr ausüben kann, gilt als berufsunfähig – und bekommt eine Rente von der Berufsunfähigkeitsversicherung. „Das ist gerade für Selbstständige in der gesetzlichen Rentenversicherung sinnvoll, die hier keine ausreichende Leistung vorsieht“, sagt Jander.

Das gibt es zu beachten: Wer eine neue Berufsunfähigkeitsversicherung beantragt, sollte unbedingt wahrheitsgemäß und exakt alle Angaben zu Gesundheitszustand und Krankheitsgeschichte machen. „Das gilt auch für ein paar harmlose Sitzungen in der Psychotherapie wegen Ehe, Scheidung oder Prüfungsstress“, sagt Jander. Wer das nicht macht, riskiert, dass die Versicherung im Ernstfall gar nicht zahlt. Da hätte man die jahrelangen Einzahlungen lieber privat gespart.

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(deg)

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